Energieautark und Leicht

Regeneratives Wohnen in Grünau

Im äußersten Südosten Berlins liegt Grünau unweit der Dahme und dem Müggelsee – ein östliches Gegenstück zu Zehlendorf und dem Wannsee. Dort entstand auf einem Eckgrundstück ein Mehrfamilienwohnhaus, das im Vergleich zu den traditionellen Zweifamilienhäusern in der Nachbarschaft eher wie ein großzügiges modernes Einfamilienhaus anmutet. Die ockerfarbene Fassade erinnert an Lehmbauten – doch tatsächlich handelt es sich um ein Haus mit fünf Wohnungen, drei Eingängen und einer Bruttogrundfläche von knapp 500 m². Von den Einheiten sind je zwei im Erd- und Obergeschoss und eine weitere auf dem zurückspringenden 2. Obergeschoss verteilt.

Geplant haben es die Berliner Architekten Peter Ruge und Kayoko Uchiyama, die es als „regeneratives Wohnen in Berlin-Grünau“ verstanden wissen wollen. Das weckt Neugier. Das Gebäude wurde in sehr kurzer Zeit errichtet, da es aus Betonfertigteilen besteht – in nur 14 Tagen wurde der Rohbau erstellt. Die Betonfertigteile enthalten Blähton als Zuschlagstoff. Dabei handelt es sich um keramisch gebrannten Ton, der durch seine poröse Struktur zu 40 Prozent leichter als herkömmlicher Beton und zudem wärmedämmend ist. Er ist nicht brennbar, resistent gegen Schädlinge, besitzt durch seine poröse Struktur sehr gute Schalldämpfungseigenschaften und ist darüber hinaus feuchtigkeitsregulierend. An der Fassade sorgt ein Besenstrichputz mit einer Spezialfarbe für wechselnde Oberflächen: Je nach Witterung changiert die Oberfläche, nähert sich den Farbtönen der Jahreszeiten.

Die architektonische Idee knüpft an eine moderne Stadtvilla an. Durch eine funktionale Kernstruktur wurde viel Wohnfläche mit flexiblen und funktionalen Grundrissen geschaffen. Ein kastenförmiges „Pop-up-Fenster” im 2. Obergeschoss öffnet den Blick in die Natur – zum gegenüberliegenden Wald und dem dahinter liegenden Fluss. Balkone und Terrassen laden zum Entspannen ein. Das energiesparende Konzept setzt konsequent auf regenerativ erzeugte Energie: Eine Kombination aus Erdwärmepumpe, Photovoltaik und individueller Wohnungslüftung sowie Wärmerückgewinnung speist das System. Die Eigenproduktion vor Ort übersteigt den Betriebseigenbedarf im Jahresmittel, wodurch die Treibhausgasemissionen auf null Kilogramm CO₂ Äquivalent pro Quadratmeter Gebäudefläche (BGF) und Jahr reduziert werden. Das Gebäude präsentiert sich somit klimaneutral.

www.peter-ruge.de

 

Fotos:
Janina Heppner
www.janinahappner.de

(Erschienen in CUBE Berlin 03|25)

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