Ein Gebäude, das Werte lebt
Neuer Bürobau vereint Unternehmensgeschichte, Innovation und Inklusion
Ob Carl Vorwerk ahnte, dass seine Teppichweberei in Wuppertal, die er 1883 gründete, 142 Jahre später ein international tätiges Unternehmen und durch weltweit nachgefragte Produkte generationenübergreifend bekannt sein würde? Wohl kaum. Dennoch ist die familiengeführte Unternehmensgruppe auch heute noch fest mit ihrem Traditionsstandort verbunden. Erst vor wenigen Monaten entstand auf dem ehemaligen Forschungs- und Entwicklungsgelände im Rauetal ein neues Verwaltungsgebäude. Nattler Architekten aus Essen haben das fünfgeschossige Bürogebäude geplant und Unternehmenswerte wie Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Innovation und soziale Verantwortung in eine moderne und anspruchsvolle Architektursprache übersetzt.
Entstanden ist ein U-förmiger Baukörper mit ca. 9.500 m² Bruttogeschossfläche, in dem rund 375 Mitarbeitende eine moderne, lichtdurchflutete und nachhaltige Arbeitsumgebung vorfinden. Offene Raumkonzepte, multifunktionale Arbeitsbereiche und Konferenzzonen prägen den Arbeitsalltag. Nach dem Prinzip „New Work“ stehen Flexibilität, Agilität und Kommunikation im Vordergrund, ergänzt durch ergonomische Möblierung und eine technisch hochwertige Ausstattung. Das Gebäude orientiert sich harmonisch an der Wupper und besticht durch eine elegante und hinterlüftete Fassade aus champagnerfarbenem Streckmaterial, die Ästhetik und Funktionalität vereint. Großformatige Fenster eröffnen von innen den Blick auf den inspirierenden Außenbereich mit begrünten Sitzinseln, die an Kieselsteine im Fluss erinnern und zu kreativen Pausen einladen. Zur konsequent nachhaltigen Planung gehören auch teilbegrünte Dächer sowie Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, die mit Luft/Wärmepumpen rund 55 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien abdecken. Ergänzt durch ein Photovoltaik-Carport und 45 Ladepunkte für E-Autos wurde die höchste DGNB-Zertifizierung Platin erreicht. Vom großzügigen Vorplatz gelangt man zum Empfang, dem sich in Richtung Nordwesten eine Kaffeebar anschließt. Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich der Konferenzbereich, das Betriebsrestaurant mit 80 Plätzen, die Küche und Poststelle sowie Technikräume. Dass Inklusion bei Vorwerk einen hohen Stellenwert einnimmt, ist an zahlreichen Details erlebbar: Innen wie außen ist ein schwellenloser Zugang möglich. Neben zwei Haupttreppenhäusern stehen drei Aufzüge bereit. Visuelle Leitsysteme und eine sichere Wegeführung unterstützten sehbehinderte Menschen. Weiterhin sind die Gänge bewusst breit angelegt, Böden mit rutschhemmenden Belägen ausgestattet und die Sanitärräume barrierefrei gestaltet. Darüber hinaus runden behindertengerechte Stellplätze das inklusionsorientierte Gesamtkonzept ab. Auf eine Tiefgarage wurde aufgrund der Nähe zur Wupper verzichtet und das Gebäude stattdessen auf eine erhöhte Bodenplatte platziert. In Kombination mit einer wasserundurchlässigen Konstruktion und der optimalen Gestaltung des Geländes wurden so bestmögliche Vorkehrungen zum Hochwasserschutz getroffen.
Fotos:
HGEsch Photography
www.hgesch.de
(Erschienen in CUBE Düsseldorf 04|25)