Einfach einladend

Behutsamer Umbau eines Künstler-Hofhauses besticht durch Reduktion

CATALANOQUIEL-Indianersiedlung-Koeln-Zollstock-BauenimBestand-Hofhaus-Umbau-Erweiterung-Architektur-Lehm-Holz-15_15_700pixel

Die sogenannte „Indianersiedlung“ in Zollstock wurde in den 1920er Jahren als Behelfssiedlungsgelände für kinderreiche Familien von Arbeitslosen begründet. Dabei erfolgte die Bebauung durch die Bewohner:innen weitgehend spontan und ohne Planungsrichtlinien. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie von Flüchtlingen, später von Student:innen aus der alternativen Szene und Künstlern bewohnt. Bis heute hat sie sich den Charakter einer verwunschenen kleinen eigenen Welt bewahrt – ein wenig wie das Kölner Pendant zum Freistaat Christiania in Kopenhagen, bloß ohne die Touristen. 

Auch das Bestandsgebäude mit Nebengebäuden, das ein Paar für sich, seine zwei Kinder und einen Kater erworben hatte, war von einem Künstler lange bewohnt, selbst umgebaut und erweitert worden. Catalanoquiel Architekten aus Köln wurden beauftragt, das individuelle Haus im Rahmen der geltenden Siedlungssatzung behutsam zu sanieren und die über die Jahrzehnte entstandene, einladende Hoftypologie weiterzuentwickeln. Das bunte, über die Jahre addierte Mini-Ensemble aus teils beheizten, teils aber auch nur regengeschützten Wohn- und Arbeitsräumen war schon seit längeren nicht mehr verlässlich standsicher. Entsprechend mussten die Fundamente der Gebäude zunächst unterfangen werden. Zu einer kniffeligen Herausforderung gestalteten sich dabei die engen, verwinkelten Wege innerhalb der Siedlung. Wie oft haben sich Firmen, die Baumaschinen oder Baumaterial anliefern sollten, in der Bauphase beschwert: „Da komm ich niemals hin… wie soll ich da abladen…“ Wesentlicher Entwurfsansatz beim Umbau war es, den verwunschenen, künstlerischen Charakter der Gebäude inmitten der „Indianersiedlung“ zu erhalten und dennoch einen zeitgemäßen Wohnstandard zu erreichen. Die Hofhaus-Idee, die bereits im Bestand durch die Verbindung zweier freistehender Gebäude realisiert worden war, wurde dazu erweitert: Der im Verbindungstrakt situierte, offene Ess- und Küchenbereich ist zugleich – wie bei einer klassischen Diele – zentraler Eingangsbereich. Zugleich lässt er sich über eine flexibel bewegliche Faltwand mit dem Hof verbinden, so dass eine einladende, mediterran anmutende und fließende Raumsituation entsteht. Das vorhandene Mauerwerk musste teilweise erneuert werden und erhielt eine neue Dachkonstruktion, die unter Bezugnahme auf die Einfachheit des Bauens in der „Indianersiedlung“ bewusst sichtbar gehalten wurde: Vor allem der neu eingefügte Beton-Ringbalken wird dabei zum prägenden Gestaltungselement, kombiniert mit einer Dachkonstruktion aus Holz, die je nach Raumfunktion mit Doppelsparren (Essbereich) oder einfachen Sparren (Wohnbereich) ausgeführt ist. Die in dem Projekt bewusst verfolgte Reduktion spiegelt sich sowohl in den wenigen verwendeten Materialen Stein, Holz und Lehm wider, als auch in der technischen Ausstattung: Eine Wärmepumpe und eine Regenwasser-Zisterne für WC und Gartenwässerung stehen für einen nachhaltigen Low-Tech-Ansatz. 

www.catalanoquiel.de

Fotos: 

Catalanoquiel

(Erschienen in CUBE Köln 02|23)

 

Nothing found.

WENIGER IST MEHR

Im „Club Zukunft Düsseldorf“ auf dem EUREF-Campus wird die klimaneutrale Stadt gestaltet

Wohnen im Komponistenviertel

Junges Wohnquartier in alter Nachbarschaft in Weissensee

Lichtdurchflutete Arbeitswelt

Hocheffizientes Bürogebäude in der Maxvorstadt

Gelungene Überführung

Der Umbau eines ehemaligen Wochenendhauses begeistert die Bauherrin

Nothing found.

Offen und interaktiv

Ein Anbau in Ehrenfeld bietet urbanen Rückzugsraum mit viel Kontaktfläche

211124003_15_700pixel

Projizierte Interferenzen

Die Physikalischen Institute der Universität Köln haben einen neuen Erweiterungsbau erhalten

JH3041-068-C-Instone-Real-Estate_15_700pixel

Wohnen mit Platz

Das neue Quartier „Schumanns Höhe“ in Bonn-Endenich verbindet Wohnvielfalt mit Ortsbezug

Restaurant-maximilian-lorenz-Blick-ins-Gourmetrestaurant_15_700pixel

Feine Genusserlebnisse

Im eleganten Kölner Restaurant Maximilian Lorenz wird Speisen zum Erlebnis

HI17_01_15_700pixel

Kontrastvoll inkorporiert

Der Umbau eines Dachspeichers schafft individuelle Räume entlang der Dachlinie

Alles unter einem Dach

Die neue Gesamtschule am Severinswall besticht durch die großzügige plastische Geste

jw1863-0001_700pixel

Entspannte Wohnstraße

Ein Kaufhaus in Kalk verwandelt sich in ein gemischtes Quartier mit Gewerbe und Wohnen

Butzweilerhof-2_15_700pixel

Darauf fliegen alle

Spiel, Spaß und Erholung: Auf dem ehemaligen Flughafen ist Platz dafür