Leichtigkeit und Schwere
Eine repräsentative Stadtvilla im Düsseldorfer Osten besticht durch klassische Symmetrie und sinnliche Materialität
Das weitläufige Gartengrundstück mit altem Baumbestand befindet sich seit Langem im Familienbesitz. Anstelle eines baufälligen Bungalows aus der Nachkriegszeit sollte eine großzügige Stadtvilla entstehen – klassisch, repräsentativ, mit einer harmonisch proportionierten Fassade aus Naturstein. Geiselhart Architekten aus Düsseldorf entwarfen ein Mehrgenerationenhaus mit Charakter, das den italienischen Razionalismo der 1930er-Jahre zeitgemäß interpretiert und mit Elementen des Midcentury-Designs in den Innenräumen ausdrucksvoll verbindet.
Straßen- und Gartenseite zeichnen sich durch eine ruhige Symmetrie aus, die sich zurückhaltend in die dichte Bebauung der Wohnstraße einfügt. Der überhöhte, überdachte Haupteingang wird von großzügigen Fensteröffnungen eingerahmt. Geschosshöhen von bis zu 3,60 Metern und ein zurückgesetztes Staffelgeschoss mit umlaufendem Sonnendach strecken den Baukörper in die Vertikale. Die monolithisch wirkende Natursteinfassade aus grob geschliffenen Travertinplatten entwickelt durch das Wechselspiel von Licht und Schatten eine ausgeprägte Lebendigkeit. Plastisch hervortretende, horizontale Geschossbänder und Lisenen verleihen dem Baukörper Proportion und Struktur. Sockelzone und das Sonnendach sind dazu weiß geschlämmt, Fensterrahmen aus geölter Eiche sind von außen mit Wetterschutzprofilen aus Bronze gefasst. Die Eingangstür aus Schwarz-eiche setzt dazu einen markanten dunklen Akzent. Die Südfassade wurde großzügig raumhoch verglast, um einen maximalen Ausblick in den Garten mit viel natürlichem Tageslicht zu eröffnen. Im Obergeschoss erzeugen zwei eingeschnittene Loggien vor den Kinderzimmern eine kraftvolle Tiefe der Fassade.
Die Innenräume sind in ihrer Raumstruktur offen und großzügig gehalten, mit klaren Sicht- und Lichtachsen: Die großzügige Diele mit ins Erdgeschoss hinabführender Eingangstreppe und zweigeschossigem Luftraum erschließt den Wohn-Essbereich zur Gartenseite über die gesamte Hausbreite. Die Küche ist über eine großzügig dimensionierte Schiebetür abtrennbar vom Zentralraum und lässt sich flexibel in einen wohnlichen Showbereich und den eigentlichen Arbeitsbereich separieren. Im Obergeschoss befinden sich die beiden Kinderzimmer mit Loggia und gemeinsamem Bad sowie ein Gästeapartment und ein Arbeitszimmer. Das obere Staffelgeschoss nimmt den Hauptschlafraum der Eltern mit Ankleide und Masterbad auf und wird von einer umlaufender Dachterrasse ergänzt. Das Untergeschoss bietet einen großzügigen Innenpool mit Trockensauna und Fitnessraum. Im Innenbereich erzeugen hochwertige, sinnliche Materialien starke Hell-Dunkel-Kontraste – ein wiederkehrende Wechselspiel von Leichtigkeit und Schwere. Ein heller, geschliffener Terrazzoboden prägt Entrée, Küche und das freitragende Treppenhaus, das sich filigran um den zentralen Aufzugsschacht legt. Weißlasiertes Eichenparkett in quadratischer Vienna-Verlegung kommt in allen Wohn- und Schlafräumen zum Einsatz.
Einen ausdrucksstarken Kontrast dazu schaffen Wandvertäfelungen in dunklem Wengé-Holz sowie das darauf abgestimmte Midcentury-Mobiliar verschiedener italienischer Hersteller. Ein besonderer Blickfang ist dabei der 3,60 Meter hohe Kamin aus grünem brasilianischen Granit. Aber auch der 3,60 Meter lange Esstisch, der Platz für bis zu zwölf Personen vor dem Gartenpanorama bietet, besticht durch seine besondere sinnliche Eleganz. Alle Bäder und die Schwimmhalle im Untergeschoss haben eine besonders reduzierte Materialität aus Travertin für Wand- und Bodenflächen erhalten. Technisch ist das 570 m2 große Wohnhaus mit einer vollständig vernetzten Haustechnik und einem PKW-Lift ausgestattet.
Fotos:
Jens Kirchner
www.jens-kirchner.com
(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|26)