Optimale Lernumgebung
Ein einzigartiger Ort für ganzheitliche Bildung in Stuttgart wurde um einen Neubau erweitert
Die staatlich anerkannte Merz Schule entwickelte ein sehr frühes Modell der heutigen Ganztagesschule. Mit ihrer zukunftsorientierten Merz-Pädagogik verfolgt sie ein Konzept, das die Institution zu einem einzigartigen Ort für ganzheitliche Bildung und Erziehung macht. Ihr Standort auf einer bewaldeten Hochebene am östlichen Stuttgarter Kesselrand umfasst Gymnasium, Grundschule, Kindergarten sowie eine Sporthalle und ein Lehrschwimmbecken. Die Bestandsbauten aus dem Jahr 1968 wurden jetzt um einen Neubau ergänzt. Das Ziel von Reichel Schleier Architekten war es, für die Schüler:innen sowie die Lehrerschaft mit einem Erweiterungsbau eine bestmögliche Lernumgebung zu schaffen.
Die baulichen Grenzen des Areals nach Norden und Osten hatten bereits die Bestandsbauten, das Schulgebäude und die Sporthalle ausgeschöpft. Daher entschied man sich für eine Erweiterung auf dem südlich gelegenen Sportplatz. Die Stuttgarter Planer organisierten das neue Gebäude so kompakt, dass die Tartanbahn, die um das Gebäude herumführt, wiederhergestellt werden konnte. Der viereinhalbstöckige Neubau versteht sich als konsequente Fortführung des bestehenden Schulhauses und ist, zusätzlich zum Haupteingang im Erdgeschoss, über einen Verbindungsweg mit dem Bestandsbau verbunden. Bis einschließlich des dritten Obergeschosses nutzt die dreizügige Grundschule die Räumlichkeiten. Im Dach- und Untergeschoss sind Fachräume untergebracht. Die jeweils drei Klassenräume pro Regelgeschoss orientieren sich nach Süden zum Wald hin und bieten damit eine konzentrationsfördernde Umgebung. Sie werden auf der West- und Ostseite von zwei Treppenkernen eingerahmt, die zugleich die Rettungswege bilden. Ein weiterer Flurbereich auf der Nordseite kann daher als reiner Begegnungsort genutzt werden, der zum Lernen und Spielen einlädt sowie als Aufenthaltsbereich fungiert. Der Flur bildet zugleich eine Pufferzone zwischen dem lauten Sportplatz und den ruhigen Klassenzimmern. Das Hauptgestaltungselement dieses zentralen Bereiches ist ein sogenanntes Multifunktionsmöbel, das Garderoben, Sitznischen sowie Waschbecken integriert und Raum für abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung bietet. Beheizt und gekühlt wird das Gebäude über eine Erdsondenanlage. In Kombination mit einer Betonkerntemperierung der größtenteils unverkleideten Betondecken und dezentralen Lüftungsschächte entsteht ein angenehmes Raumklima. Im Sommer kommt unterstützend eine Nachtluftspülung hinzu.
Fotos:
Brigida González
www.brigidagonzalez.de
(Erschienen in CUBE Stuttgart 02|26)