Ein Gebäude denkt mit
Ein neuer Verwaltungsbau ist „Architektur aus Daten“
Der Campus des Tüv Süd, bestehend aus dem Backsteinbau an der Westendstraße und dem nahezu ikonischen, in Gelbtönen gehaltenen Bau von Sauerbruch Hutton, bekommt Zuwachs: Der kürzlich fertiggestellte Neubau wurde in Betrieb genommen und fügt sich geschickt hinter dem massiven Altbau ein, der zwar noch genutzt, aber überlastet ist. Er wurde über die Jahre mehrfach erweitert und umgebaut und soll nun kernsaniert und umfassend modernisiert werden. Der Fokus richtet sich jetzt auf das neue Gebäude von Brückner Architekten. Es wartet mit technischen Innovationen auf, die im Hinblick auf die energetische Versorgung von Verwaltungsgebäuden dieser Größe wegweisend sind. Auf einer Fläche von rund 20.000 m2 bietet das Bürogebäude Platz für circa 600 Arbeitsplätze. Entstanden ist es in den Jahren 2022 bis 2024, geplant im BIM-Verfahren, dem Büroinhaber Laurent Brückner von Beginn an die volle Bedeutung beigemessen und dieses Verfahren kontinuierlich weiterentwickelt hat. Das Ergebnis ist ein hochmodernes Bürogebäude mit parametrisch geplanter, solaroptimierter Fassade, das Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Gestaltungsqualität vereint.
Das Office-House versteht sich als klares Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und digitalisiertem Arbeiten. Emissionsfreiheit wird angestrebt: Die Energieeffizienz wird zu einem Teil durch Grundwasser-Wärmepumpen erreicht, die für Heizung und Kühlung sorgen und durch Photovoltaik-Module und Fernwärme unterstützt werden. Die Antwort auf die Frage nach dem zusätzlichen Energiebedarf durch die Digitalisierung ist erstaunlich: Ein voll digitalisiertes Smart-Building erzielt eine etwa siebzigprozentige Energieeinsparung gegenüber einem konventionellen Gebäude. Und hier kommt die „parametrische Fassade“ von Brückner ins Spiel: Durch Algorithmen und digitale Simulation werden Parameter wie Sonnenverlauf, Windbelastung, Verschattung durch Nachbargebäude und der Energiebedarf erfasst und in die Planung einbezogen. Aus diesen Daten können Form, Größe und Position der Fassadenelemente abgeleitet werden.
Die Fassade des Tüv-Süd-Gebäudes ist in Holzrahmenbauweise konzipiert und beherbergt große Solarläden für die Lichtsteuerung. Dynamische Verschattung – oder Öffnung – reguliert Licht und Wärme im Innenraum. Dies alles leistet die ansprechend gestaltete Lochfassade – oder besser – die intelligente Hülle des Gebäudes. „Parametrical Spotlight“ nennt Brückner dieses Projekt. Das Gebäude ist obendrein komplett rückbaubar und wiederverwendbar.
Fotos:
Heinz von Heydenaber
www.heydenaber.de
(Erschienen in CUBE München 03|25)