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Grüne Lebenslust

Auf kleiner Fläche mit wenig Licht entstand ein ganz besonderer Großstadtgarten

Die gründerzeitlich geprägten Quartiere in Hamburg sind begehrt. Ganz typisch ist die meist... mehr

Die gründerzeitlich geprägten Quartiere in Hamburg sind begehrt. Ganz typisch ist die meist geschlossene Blockrandbebauung mit einem nicht öffentlichen Innenhof, der von altem Baumbestand und vielen, sich aneinander reihenden Gärten geprägt ist. Das gilt auch für den vorliegenden, mit 171 m2 eher kleinen Garten, der zu einer Erdgeschosswohnung gehört. Die Eigentümer:innen wünschten sich vom Gärtner und Landschaftsarchitekten Soeren von Hoerschelmann einen auch bei schlechtem Wetter bewohnbaren Gartenraum, der eine gewisse Privatsphäre ermöglicht. Herausfordernd waren die komplette Versiegelung mit Betonpflaster und der geringe Lichteinfall aufgrund der hohen Bäume und Häuser.

Mit der modernen Interpretation der „sunken gardens“, der englischen Gartenarchitektur um 1900, ist ein klassischer Garten entstanden, der aber nicht historisierend oder verkünstelt daher kommt. Hier bildet der mit Granitblockstufen eingefasste Senkgarten einen erfahrbaren Raum in dem ansonsten ebenen Gelände. Die lange, schmale Geometrie wird durch Hecken gegliedert. So entstehen unterschiedlich tiefe Räume, in denen die Pflanzen wachsen und durch die man sich hindurch bewegt. Dadurch wirkt der Garten größer als er ist. Wie in einer Wohnung auch, betritt man über einen „Flur“ eine Abfolge von Räumen, die sich wie selbstverständlich zur Nutzung anbieten. Die Bepflanzung des Gartens ist dem Schatten und Wurzeldruck durch die hohen Bäume angepasst. Ausgewählt wurden Tellerhortensien, Traubensilberkerze, Herbstkopfgras, Schattenseggen, Elfenblumen, orientalische Lilien, Goldjohannisbeeren, europäische Eiben, japanische Prachtglocken und Kupferfelsenbirnen. Die Rhododendren wurden umgesetzt.

Das Lamellendach schützt vor neugierigen Blicken, Regen sowie allem, was von den Bäumen fällt und lässt sich bei Bedarf auch öffnen. Hier kann fast ganzjährig im Grünen „gewohnt“ werden. Ein Lamellendach ist ein eher sperriger Baukörper, der nicht in jeder Situation eine „gute Figur“ macht. Hier ist es gelungen, seine Wirkung in eine Balance mit der restlichen Anlage zu bringen: Stark genug als Anziehungspunkt, aber nicht alles bestimmend. Die Lage und die Einbettung inmitten von Pflanzen weisen ihm die richtige Rolle zu. Der helle Granitbelag reflektiert das wenige Licht. Dieser Extremstandort wird dadurch freundlich und hell. Dieser Garten gehört zu den ausgezeichneten „50 schönsten Gärten des Jahres 2023“ die im gleichnamigen Buch des Callwey-Verlags vorgestellt werden.

www.gaertenvonhoerschelmann.de

Fotos:

Angela Franke
www.angelafranke.de

(Erschienen in CUBE Hamburg 01|23)