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Wilder Schuppen

Der Probebühnenturm der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch inszeniert das Rohe und Unfertige

Die Gegend in der Nachbarschaft des Nordbahnhofs in Mitte wird dominiert von einer Vielzahl von... mehr

Die Gegend in der Nachbarschaft des Nordbahnhofs in Mitte wird dominiert von einer Vielzahl von Wohnungsneubauten. Der neue Probebühnenturm der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in der Zinnowitzer Straße, geplant vom Büro O&O Baukunst, wirkt hier sehr markant. Er ergänzt den Gebäudetrakt der ehemaligen, nun sanierten Opernwerkstätten. Hier sind seit Ende letzten Jahres die vier, vormals über die ganze Stadt verteilten Abteilungen der Schule für Schauspiel, Regie, Choreografie und Puppenspielkunst untergebracht. In einem neu hinzugefügten Glaskubus ist ein Café entstanden, welches ebenso wie die Theatervorstellungen in den Probebühnen öffentlich zugänglich ist.

Das Gebäude ist nachts illuminiert und signalisiert so seine Sonderstellung. Im Gegensatz zu seiner Nachbarschaft findet man keinerlei Versprechen von Gediegenheit und Status. Mit der vorgehängten Fassade aus Holzlatten erinnert das Gebäude an einen schlichten Schuppen. Damit ist der Werkstattcharakter klargestellt. Hier wird experimentiert und gelernt. Holz ist ebenso ein dem Theater verbundenes Material. Nicht nur wegen der Bühnenbretter, auch werden die Kulissenwände aus Holz gezimmert. Im Inneren des Gebäudes werden die verschiedenen Ebenen durch eine imposante Treppe in rohem Beton erschlossen. Die Flurwände sind bis auf eine Höhe von 2,30 m mit Tafelfarbe gestrichen und können beschrieben werden. Darüber ist alles roh und unverputzt belassen. Die Architekten möchten weder mit ihren persönlichen Vorlieben noch mit schönem Design den Charakter des Gebäudes übertünchen. Frei zugänglich präsentiert die Schule ihren Fundus. Kostüme, Puppen, Requisiten sind nicht im Keller versteckt, sondern befinden sich gut sichtbar hinter Glaswänden. Das Unfertige könnte man weiter gefasst auch als einen Kommentar zur derzeitigen Situation in Berlin auffassen. Lange Zeit war die Stadt von Ruinen und sich selbst überlassenen Brachen gekennzeichnet. Heute verschwinden solche Orte zunehmend, wo oft eine faszinierende Club- und Künstlerkultur gedeihen konnte. Die neuen Probebühnen der Ernst Busch Schule bringen das Rohe und Wilde wieder zurück in die Stadt.

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