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Kubisch komponiert

Zweite Moderne im Duktus der ersten: Ein Baugruppenhaus

Friedrichshagen ist ein grüner Vorort von Berlin, gerahmt vom Großen Müggelsee im Westen und... mehr

Friedrichshagen ist ein grüner Vorort von Berlin, gerahmt vom Großen Müggelsee im Westen und weitläufigen Wäldern im Süden und Osten. Wie die Umgebung ist auch das Ortsbild auf malerische Weise heterogen – es dominieren gründerzeitliche Mietshäuser, doch dazwischen finden sich in den stillen Straßen immer wieder Villen und eingeschossige Kolonistenhäuser aus der Frühzeit des Ortes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Dieses Nebeneinander von ein- bis viergeschossigen Häusern, von offener und geschlossener Bebauung war für Kaden Klingbeil Architekten gedanklicher Ausgangspunkt bei dem Konzept für ihr Mehrfamilienhaus: „Für die Entwicklung der Gebäudekubatur haben wir einmal die gesamte Straße Haus für Haus abfotografiert“, erzählt Architekt Tom Kaden.

Das Ergebnis war ein dreigliedriges Ensemble, bestehend aus einem vier- und einem dreigeschossigen Haus an der Straße sowie einem weiteren dreigeschossigen Gebäude im rückwärtigen Bereich. In den 16, zwischen 90-160 m² großen Wohnungen leben Junge und Alte, Singles und Paare, Ostler und Westler, Menschen mit und ohne Kinder.

Die straßenseitigen Gebäude trennt eine Raumfuge, in die ein freistehendes Treppenhaus und ein gläserner Fahrstuhl eingefügt sind. Sie erschließen die beiden Haushälften. An der Hofseite ist vor allem das rechte, niedrigere Gebäude großräumig nach hinten zurückgestuft, wodurch den Wohnungen opulent dimensionierte Dachterrassen vorgelagert sind. Le Corbusier hätte wohl seine Freude an diesem „Spiel der weißen Kuben unter der Sonne“ gehabt, denn unübersehbar greifen die Architekten mit den flächigen weißen Putzfassaden und der kubischen Rhythmisierung der Baukörper auf Motive der klassischen Moderne zurück.

Den konstruktiven Kern der Häuser bildet wie bei den schon realisierten Stadthäusern von Kaden Klingbeil eine Holzkonstruktion: Die tragenden, aussteifenden und raumabschließenden Wände sowie das Dach führte man in hochwärmegedämmter Holzrahmenbauweise mit nichtbrennbaren Bauteiloberflächen aus. Die Vertikallasten werden ausschließlich über Vollholzstützen abgeleitet.

Die ausgefallensten Grundrisse finden sich im Gartenhaus, das in Wirklichkeit eine Kombination aus Townhouse, Maisonettes und Geschosswohnungen bildet. Hier sind die Volumina der Wohnungen kunstvoll ineinander verschränkt. Neben einer Wohnung über vier Etagen gibt es fünf über zwei Geschosse, eine Etagenwohnung sowie zwei kleine Einliegerwohnungen. Einmal mehr zeigt das Projekt, dass der Boom der Baugruppen als städtisches Bauherrenmodell Rückwirkungen auf die Architektur selbst hat – sie ist originell, wirtschaftlich, wandlungsfähig und dabei Ausdruck ganz unterschiedlicher Lebensentwürfe in trautem Nebeneinander.

www.kaden-klingbeil.de

Architekten: Kaden Klingbell www.kaden-klingbeil.de Fotos: Bernd Borchardt... mehr

Architekten:

Kaden Klingbell
www.kaden-klingbeil.de

Fotos:

Bernd Borchardt
www.berndborchardt.de