Französisches Flair

Stein, Wasser, Pflanze – dieser Dreiklang bildet das Rückgrat des Gartens

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Für eine kleine, liebevoll hergerichtete Altbauvilla östlich von Hamburg schuf Soeren von Hoerschelmann einen kongenialen Garten mit französischem Flair. Der Landschaftsarchitekt nutzt die Zeit als Gestaltungsmittel, macht durch seine Gartenkunst den Wandel der Jahreszeiten, das stetig fortschreitende Wachstum der Gehölze und die Veränderung aller Materialien erlebbar. Gärtnern bedeutet für ihn, diese Prozesse zu initiieren, sie zuzulassen und ab einem bestimmten Punkt zu unterbrechen. Genau das bietet dieser Garten. Seine Bewohner zelebrieren die Lust am Garten an jedem einzelnen Tag.

Den gebauten Rahmen schafft hauptsächlich Burgpreppacher Sandstein in unterschiedlichsten Formaten: Krustenplatten führen zum Haus und bilden den Untergrund für die Terrasse. Stufen verbinden von niedrigen Trockenmauern abgefangene Ebenen. Der Brunnen und das Becken bestimmen ihre jeweiligen Gartenräume. Das Material hat einen weiteren Vorteil: Patina. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass der Stein Flechten und Moose ansetzt, vergraut, in Würde altert.

Die geschickt angelegten Räume lassen den gerade einmal 640 m² großen Garten wesentlich größer wirken. Schon der Vorgarten vereint mühelos Stellplatz, viel Pflanzfläche und Zuwegung zum Haus. Rückwärtig liegt der Wohnhof; mit Brunnen und Sitzplatz zurückhaltend gestaltet, schafft er Raum für eine flexible Nutzung. Ein paar Stufen höher bietet das Pflanzenzimmer den Stauden und teils aus dem Bestand übernommenen Gehölzen eine Bühne. Abschließend folgt der vom formal strengen Wasserbecken geprägte Gartenraum.

Eingehegt wird der Garten von einer Eibenhecke und einem Sichtschutz aus Lärchenlamellen. Die natürliche Topografie des Gartens erschafft fließende Räume, die durch die Trockenmauern und Stufen sichtbar gemacht werden. Als Raumteiler spielen die artifiziellen Stahlhalme eine besondere Rolle, sie separieren und gliedern den Wohnhof, das Pflanzenzimmer und den Gartenraum mit Becken. Als optischer Abschluss, Sichtschutz und besonderes Objekt gleichermaßen fungiert am Ende des Gartens eine Art Muschel. Wie die Paravents aus Stahl geschmiedet, wird auch sie von einer weißblühenden Glyzinie berankt, eine bestechende Kombination aus baulichen und vegetativen Formen. Hier sitzt man geschützt in der Sonne und blickt über das Wasserbecken durch die Pflanzen bis zum Haus. Auch wenn hier Kies statt Gras die ruhige Basis darstellt, spielen Pflanzen die tragende Rolle in diesem Garten: Sie kontrastieren die architektonischen Formen, spenden Leben und garantieren Vielfalt. Neben kostbaren Gehölzen aus dem Bestand finden sich ausgesuchte Sträucher und kleine Bäume, die mit Duft, Blüte, Laubfärbung und Habitus den Garten bereichern. Stauden tummeln sich im Pflanzenzimmer, sorgen für immerwährenden Wandel durch die Jahreszeiten und sind die Leidenschaft der Bewohner.

www.gaertenvonhoerschelmann.de

Fotos:

Ferdinand Graf Luckner
www.graf-luckner.de

(Erschienen in CUBE Hamburg 01|21)

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