Wohnhaus der S-Klasse
Klar strukturiertes Einfamilienhaus mit extravagantem Erscheinungsbild
Ein ungewöhnliches Wohnhaus in einem Vorort der Landeshauptstadt überrascht durch mehrere unkonventionelle Details. Ziel war es, trotz der Vorgabe einer Erd- und Dachgeschossbebauung eine großzügige räumliche Wirkung zu erzielen. Der Entwurf des Architekten Harald Stricker folgt dabei einer klaren, reduzierten Formensprache. Entstanden ist ein kompakter Baukörper mit geneigtem Dach, frei von Vor- und Rücksprüngen. Das asymmetrische Satteldach verzichtet bewusst auf Gauben oder Erker, um die ruhige Geometrie nicht zu stören.
Die besondere architektonische Wirkung entwickelt das Dach aus der inneren Raumorganisation heraus: Unterschiedliche Traufhöhen und Neigungen sind direkt daraus abgeleitet. Eine innenliegende Dachentwässerung ermöglicht präzise, scharfkantige Übergänge zwischen Wand und Dach. So erscheint das Haus als geschlossenes, geometrisches Volumen mit skulpturalem Charakter. Das Erdgeschoss öffnet sich auf drei Seiten vollständig über großflächige Verglasungen, während die Eingangsseite weitgehend geschlossen bleibt. Im Dachgeschoss sorgen elf Dachfenster – vier davon mit Aufkeilrahmen – für eine gleichmäßige Belichtung. Die leicht hervortretenden Glasflächen erweitern den Innenraum subtil und setzen Akzente, ohne die Grundform des Daches zu verändern. Zentrales Element des Hauses ist die mittig angeordnete Treppe, die das Gebäude in zwei klar definierte Funktionsbereiche gliedert. Die vollständig aus Stahl gefertigten, übereinander angeordneten Treppenläufe fungieren als skulpturaler räumlicher und gestalterischer Mittelpunkt. Im Dachgeschoss bildet die Treppe gemeinsam mit der zweiseitig belichteten Galerie das strukturelle Zentrum und definiert die innere Organisation. Auf beiden Wohnebenen entstehen entlang der Treppe klar definierte Raumzonen: Im Erdgeschoss liegen Küche und Essbereich auf der einen, der Wohnraum mit Kamin auf der anderen Seite. Im Dachgeschoss befinden sich jeweils Schlafräume mit zugeordneten Bädern.
Das Untergeschoss ergänzt das Raumangebot um Gästezimmer, Bad und Fitnessraum; ein durchgehender Lichtschacht entlang der Längsseite sichert die Belichtung. Die Materialwahl ist bewusst reduziert und hochwertig. Großformatige Bodenplatten durchziehen das gesamte Haus und setzen sich im Außenraum fort, wodurch Innen und Außen visuell miteinander verschmelzen. Großzügige Schiebetüren verstärken diesen Effekt. Treppe, Kamin, Regale und Waschtischkonsolen bestehen aus schwarzem Stahl, die Stufen aus dunkler Räuchereiche. Türen und Fensterrahmen sind in beschichtetem Aluminium ausgeführt. Das Haus zeichnet sich durch eine klare Formensprache, eine eindeutige Raumstruktur und die prägnante Treppenskulptur aus. Die Konzentration auf wenige, präzise gesetzte Elemente erzeugt eine ruhige, großzügige und zeitlose Architektur
Fotos:
Quirin Leppert
www.quirinleppert.de
(Published in CUBE Munich 02|26)