Um die Ecke gebaut

Mehrfamilienhaus interpretiert Gestaltungselemente historischer Nachbargebäude neu

Um die Ecke gebaut

Auf der Suche nach einem innerstädtischen Grundstück als Anlageobjekt wurde die Bauherrin in der Monheimsallee in Aachen fündig. Hier – auf einer der meistbefahrenen Straßen der Kaiserstadt – gab es eine kleine Baulücke, die wieder mit Leben gefüllt werden sollte. Ursprünglich hatte an dieser Stelle ein Gebäude gestanden, das im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe getroffen und im Anschluss lediglich bis zum ersten Obergeschoss wieder aufgebaut wurde. Nachdem der heutige, zweigeschossige Bau unter statischer Sicherung der Nachbargiebel abgerissen war, begann die Neuentwicklung unter der Leitung des Architekten Karl-Heinz Ohler.

Die Umsetzung gestaltete sich allerdings nicht so einfach wie der Bau eines Einfamilienhauses auf dem Land. „Da sich auf der Monheimsallee einige Denkmäler befinden, war das Denkmalamt schon vom ersten Entwurfskonzept an beteiligt“, erzählt der Architekt und ergänzt: „Dies war insofern schwierig, als dass die Behörde von der angedachten modernen Fassadengestaltung zunächst überzeugt werden musste.“ Die Straßenfassade sollte sich an den denkmalgeschützten Gebäuden in der Nähe orientieren, beziehungsweise deren Gestaltungselemente aufnehmen. Typisch sind dort neoklassizistische Fassaden aus dem 19. Jahrhundert bzw. frühen 20. Jahrhundert – Dreifensterhäuser mit mittig oder seitlich vorstehenden Erkern, oft über zwei Geschosse hinweg.

Um dies aufzugreifen, wurde die Fassade des Neubaus entsprechend geöffnet und der Erker fast über das ganze Gebäude geführt. „Anfangs war dies über die gesamte Höhe geplant. Eine Idee, die wir aber im Diskurs mit dem Denkmalamt abgemildert haben“, so Ohler. Eine weitere Herausforderung bestand darin, den engen Grundstücksraum mit Grundrissen zu füllen, die zum einen funktional und zum anderen auch großzügig sowie offen wirken – und damit eine von der Bauherrin gewünschte Mietpreisgestaltung im oberpreisigen Segment rechtfertigen.

Nach intensiver Planungs- und Realisierungsphase entstand so ein Fünffamilienhaus. Da die einzelnen Wohnungen aufgrund des schmalen, um die Ecke laufenden Grundrisses allesamt nur aus zwei Räumen bestehen, richten sie sich vor allem an Paare ohne Kinder oder Singles. Lediglich die Maisonettewohnung im Dachgeschoss bietet etwas mehr Platz und unter anderem aufgrund eines Gaskamins auch mehr Komfort. Großzügige Balkone zur Gartenseite ergänzen das Raumangebot aller fünf Wohnungen.

www.ohler-architekten.de

Fotos:
Jörg Hempel
www.joerg-hempel.com

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 04|25)

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