Spannende Kontraste

Die einstige Gastiefkühlanlage der Kokerei Hansa beherbergt heute ein besondere Gastronomie

Die Kokerei Hansa in Dortmund war Anfang des letzten Jahrhunderts eine der größten im Ruhrgebiet. Das 1928 errichtete denkmalgeschützte Industrieareal mit 19 einzelnen Gebäuden beherbergt seit Frühjahr 2024 auch eine besondere Gastronomie: den „Butterraum“ und das Restaurant „Schwarzgold“. Mit viel Sorgfalt erhält die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur das Ensemble. Seit 1998 arbeitet sie mit Böll Architekten aus Essen zusammen, die auch die einstige Gastiefkühlanlage (GTA) nahe dem Salzlager zu einem besonderen Ort umgebaut und um einen Neubau erweitert haben. Der industrielle Charme wurde bewahrt und gleichzeitig gebäudetechnisch alles auf den neusten Stand gebracht. Architekt Wojciech Trompeta gibt einen kleinen Einblick: „Es gab täglich neue Herausforderungen bei den Sanierungsarbeiten. Die Anforderungen, die die neue Nutzung mit sich bringt, sind völlig andere als zur damaligen Zeit, als die Halle lediglich der Kühlung des Kokereigases diente. Auf der anderen Seite ist die damalige Nutzung für gewisse Überraschungen gut, die die heute geplante Gastronomie außergewöhnlich machen.“

„Der Umbau der 1938 erbauten Gastiefkühlanlage (GTA) sowie der Anthracenölregenerierungsanlage (AÖR) im Norden des Areals dauerte rund vier Jahre“, wie Bauleiter Hans-Diether Dreßler erläutert. Bestandsfenster wurden ertüchtigt oder ausgetauscht, neue Stahltreppen, Geländer und ein Aufzug sowie eine direkte Verbindung zum Neubau und eine Stahlbrücke zum Notausgang geschaffen. Die GTA ist eine quaderförmige, rund 12 Meter hohe Industriehalle mit massiven Klinkeraußenwänden und flach geneigtem Dach, in der nun das Bistro „Butterraum“ inklusive Bar angesiedelt ist. Die Bestandswände sind rau geblieben und zwischen beeindruckenden Maschinen stehen Bistrotische und Sitzgelegenheiten in Pastellfarben. Durch die jeweils sieben raumhohen Stahlsprossenfenster auf der West- und Ostfassade sowie die jeweils drei Stahlsprossenfenster im Norden und Süden gelangt viel natürliches Licht. Das Erdgeschoss ist auf der Nord- und Westseite als Galerie ausgebildet und gibt den Blick in das Untergeschoss frei, das so ebenfalls über das Erdgeschoss teilweise belichtet wird. Als einzig öffentlich zugängliches Gebäude erhielt die GTA zudem einen barrierefreien Zugang.

Unter Tage, sprich im Untergeschoss, befindet sich das elegante Restaurant „Schwarzgold“, in das kein Tageslicht fällt. Alles, einschließlich der offen einsehbaren Kochwerkstatt, ist in den namensgebenden Farben gehalten. In puncto Lichtgestaltung war dies herausfordernd. Im Untergeschoss befinden sich außerdem die WC-Anlage, Kühlraum und Technikräume. Der gedämmte Neubau wurde mit Trapezblech ummantelt und mit einem begrünten Dach versehen. Hier befindet sich die Produktion der Gastronomie mit Räumen wie Küche, Spülküche, Konditorei sowie Logistikflächen und Sozialräumen. Die An- und Auslieferung mit praktischen Rolltoren erfolgt über eine neue Zuwegung in der Nordfassade.

Die Verwaltung des Gastronomen wurde wiederum in dem Gebäude der ehemaligen Anthracenölregenerierungsanlage untergebracht. Um genügend Platz für die geforderten Arbeitsplätze zu schaffen, wurde in die kleine Halle eine zusätzliche Geschossdecke eingezogen. Eine loftartige Bürofläche ist entstanden.

www.boellarchitekten.de

Fotos:
Thomas Mayer
www.thomas-mayer-photo.de
Stiftung kkd innen-architekten GmbH
www.kkd-architekten.de

(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 02|25)

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