Plastische Inszenierung

Durch eine geschickte Erweiterung rückt eine Gemeinde in den Stadtraum zurück

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Die neuromanische Pfarrkirche Sankt Josef befindet sich zusammen mit dem alten Pfarrhaus direkt in Nachbarschaft zur Fußgängerzone von Langenfeld und wirkte städtebaulich doch immer etwas verloren und isoliert gegenüber den benachbarten Shoppingcentern. Für ein neues Gemeindezentrum wurde ein Architekturwettbewerb organisiert, den HMW Architekten aus Köln für sich entscheiden konnten. Der mehrfach prämierte Erweiterungsbau setzt das historische Denkmalensemble neuartig in Szene und rückt es geschickt an die Fußgängerzone heran.

Der Erweiterungsbau sollte die Gemeindeverwaltung aus acht zusammengeführten Teilgemeinden samt Friedhofsverwaltung, eine Gemeindebibliothek, Räumlichkeiten für einen Jugendtreffpunkt sowie einen multifunktional nutzbaren Pfarrsaal integrieren. Zugleich wollte die Gemeinde mit dem Neubau präsenter und sichtbarer in der Einkaufsmeile der Solinger Straße werden. Der verantwortliche Pfarrer wollte sprichwörtlich „in erster Reihe stehen“ mit den verschiedenen umliegenden Einzelhandelsangeboten. Im ehemaligen Pfarrgarten sollten Orte und Räume entstehen, die sowohl der Gemeinde als auch der Stadtgesellschaft zur Verfügung stehen. Das sanierte Pfarrhaus wird mit einem gestreckten Neubau hinterfangen, der zur Solinger Straße abknickt, um an die Bebauung eines benachbarten Shoppingcenters anzuschließen. Ein parallel zum alten Pfarrhaus andockender Kubus lässt dabei eine Abfolge kleinerer Platzräume entstehen, die mit den Innenräumen über kolonnadenartig gereihten Sichtbetonöffnungen eng verzahnt sind. Im Erdgeschoss befinden sich die stark frequentierten Nutzungen wie das Pfarrbüro, der Gemeindesaal mit Foyer, der Jugendtreffpunkt sowie die Bibliothek im denkmalgeschützten Pfarrhaus; im Obergeschoss liegen dagegen alle gering frequentierten Räume des Pfarrers und der Verwaltung sowie Archiv- und Besprechungsräume. Alle Räumlichkeiten sind durch eine lineare Bewegungs- und Kommunikationsachse miteinander verknüpft. Um Ruhe in das bauliche Erscheinungsbild zu bringen und den Bestand in Szene zu setzen, wurde der Neubau ebenfalls in rotem Backstein ausgeführt. Das Spiel mit der Positiv- und Negativform erweitert dabei das plastische Formspiel des Mauerwerksverbands durch neue Akzente sakraler Ornamentik. Schmalprofilierte Aluminiumfenster, robustes Eichenholz für Parkett, Einbauten und Wandvertäfelungen sowie ein Fliesenboden in den hochfrequentierten Erschließungszonen prägen das Gebäude in den barrierefreien Innenbereichen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, Wärmeschutzverglasung und eine Teilklimatisierung sorgen für eine nachhaltige Energiebilanz.

www.hmw-architekten.de

Fotos:

Jann Höfer
www.jannhoefer.de

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 03|21)

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