Beton zum Streicheln

Die großen Panoramafenster sowie die teilweise weit auskragenden Dachüberstände schaffen ein offenes, transparentes Gesamtbild und verleihen dem langen Flachbau aus Beton viel Leichtigkeit.

20181010_N6A9706-copy_19_700pixel

Die „Betonoase“ ist ein Jugend- und Familienclub im Stadtteil Lichtenberg, inmitten von sechs- bis zwanziggeschossigen Wohnhochhäusern. In direkter Nachbarschaft befindet sich mit dem „Hans-Loch-Viertel“ die erste Neubau-Großsiedlung in Ost-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Doris Gruber und Bernhard Popp hatten mit ihrem Architekturbüro den ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen, um nur wenige hundert Meter vom alten Standort der Lichtenberger Betonoase ein neues Gebäude zu entwerfen.

Die Architekten versuchten gar nicht erst, die Oase als einen Ort fremder Exotik zu inszenieren. Das neue Gebäude ist aus nichts anderem als Beton gefertigt und passt sich somit der Umgebung an. Der Beton ist allerdings kein gewöhnlicher. Bei dem 2019 fertiggestellten eingeschossigen Gebäude kam innovativer Infraleichtbeton zum Einsatz. Der vom Ingenieurbüro Schlaich Bergermann entwickelte neue Werkstoff hat durch die Beimischung von Blähtongranulat einen hohen Luftanteil und ist deshalb so leicht, dass er sogar schwimmen könnte. Das moderne Material hat nicht nur eine hohe Tragfähigkeit, sondern auch sehr gute Dämmeigenschaften. Aufgrund der Wandstärke von 50 cm ist bei der Betonoase keine zusätzliche Wärmedämmung erforderlich. Der Leichtbeton eröffnete den Architekten ebenso die Möglichkeit, monolitisch zu bauen. Innen wie außen sind die Wände gleichermaßen in Sichtbeton ausgeführt. Das Gebäude wirkt deswegen nicht brutalistisch kühl. Die klaren, sachlichen Formen vermeiden jede Form von abweisender Monumentalität. Die großen Panoramafenster sowie die teilweise weit auskragenden Dachüberstände schaffen ein offenes, transparentes Gesamtbild und verleihen dem langen Flachbau viel Leichtigkeit. Der neuartige Beton entwickelt sogar eine eigene Haptik. Er fühlt sich weich und warm an und lädt regelrecht ein, die Wände zu streicheln.

Auch im Inneren des Gebäudes bleibt der Materialkanon schlicht und unverfälscht. Neben den Sichtbetonwänden finden sich aus Sperrholzplatten gefertigte Wände, Fächer, Schränke, Bänke oder Nischen. Die Küchentresen nehmen eine zentrale Position im Gebäude ein und sind ebenfalls aus Sperrholz gefertigt. In die Decken eingelassene Oberlichter sorgen zusammen mit den vielen unterschiedlich großen Fenstern für viel Helligkeit in den Räumen. Den matt schimmernden Gussasphaltboden interpretieren die Jugendlichen auf eigene Weise. Dessen spiegelglatte Oberfläche nutzen sie zum Beispiel, um dort ihre Breakdance-Künste zu trainieren. In separaten Räumen finden sich eine Keramikwerkstatt mit Brennofen, ein Computerraum und ein Fitnessstudio. Die neue Betonoase hat sich schnell zu einem identitätsstiftenden Ort für die gesamte Nachbarschaft entwickelt. Das Gebäude inszeniert kein lautes Spektakel, sondern strahlt viel Ruhe und Gelassenheit aus. Es gibt in der Oase inmitten der Betonwüste zwar keine Palmen, aber ein begrüntes Dach sowie neu entstandene Gartenflächen.

www.gruberpopp.de

Fotos:

Alexander Blumhoff
www.alexander-blumhoff.com
Hanns Joosten
www.hannsjoosten.de

(Erschienen in CUBE Berlin 01|20)

Nothing found.

Kunst im Office

Eine textile Rauminstallation bringt Architektur, Natur und Denken in einen sinnlichen Dialog

Dynamisch und grün

Ein Mobilitätsunternehmen in Ratingen hat einen großzügigen Erweiterungsbau erhalten

Neuanfang unter einem Dach

Modernes Gebäude verbindet Arbeiten und Wohnen auf harmonische Weise

Leise an Lauter Stelle

Neubau eines Wohngebäudes inmitten der Münchner Altstadt

Nothing found.

Harmonische Komposition

Einfamilienhaus mit klaren Linien und abgestimmter Gestaltung in der Gartenstadt Frohnau

Es werde Licht

Der Charakter dieser Wohnung bestimmt das Lichtkonzept

Die Krone aufgesetzt

„Kalle Neukölln“: Ein vormals ungenutzter Ort wird zum neuen Anziehungspunkt

FO-LUCK-GARTENANSICHT-FOTO-LT_19_700pixel

Vorbild Altbau

Ein neues „begrüntes Haus“ in spe übernimmt die Vorzüge alter Berliner Wohngebäude

ruh_kita_0036Oliver-Kleinschmidt_19_700pixel

Spielen, toben, basteln & lernen

Ein gärtnerisches Gesamtkonzept für kleine und große Kinder

enter_wb_5896_15_700pixel

Wunderbar wandelbar

Neues Bürogebäude mit Fokus auf flexible Arbeitswelten

BRING-BERLIN-HOME-dining-scene-with-PROPELLER-lampshade_15_700pixel

Mathematik und Natur

Fundamental Berlin entwirft Möbel, Leuchten und Keramikserien.

Hell, modern und dynamisch

Café Lukasgemeinde – federleichtes Zusammenspiel von Design und Community