Geborgen unter hohen Dächern
Zeitgemäße Kitaarchitektur macht auch aus der Topografie ein pädagogisches Angebot
Am Ortsrand von Wiesbaden-Frauenstein ragen drei dunkle Pyramidenstümpfe zwischen Baumwipfeln in die Höhe. Sie markieren die neue Kita St. Georg, mit der das Architekturbüro grabowski.spork ein selbstbewusstes Zeichen für zeitgemäße Kitaarchitektur setzt. Der Neubau für bis zu 80 Kinder übersetzt die besondere Hanglage in eine prägnante Silhouette und macht aus der Topografie ein pädagogisches Angebot.
Drei gleich breite Baukörper staffeln sich entlang des Geländes. Gekrönt werden sie von markanten Pyramidendächern ohne Spitze, deren Firstflächen Licht ins Innere lenken. Die dunkelgraue Holzfassade verleiht dem Ensemble Ruhe und Tiefe; helle Fensterbänder und ein freundlich akzentuierter Eingangsbereich setzen dazu einen klaren Kontrast. Von der Straßenseite zeigt sich das Haus zweigeschossig und adressbildend. Zur Gartenseite hingegen fügt es sich in den Hang, wirkt dadurch eingeschossig und öffnet sich selbstverständlich ins Grüne. Gerade diese Einbettung schafft einen besonderen Mehrwert: Die Gruppenräume im Obergeschoss führen ebenerdig direkt in den oberen Spielgarten. Schwellen verschwinden, Wege werden kurz. Kinder können selbstverständlich zwischen Innen- und Außenraum wechseln – das fördert die Bewegung und stärkt die Selbstständigkeit. Im Inneren entfaltet sich eine räumliche Landschaft statt eines starren Korridorsystems. Das Foyer empfängt als heller Verteilerraum; von hier gehen die Krippengruppe mit eigenem Außenbereich, ein Mehrzweckraum für Feste und Bewegung, Leitungsbüro und Küche ab.
Über ein offenes Treppenhaus gelangt man ins Obergeschoss mit drei Gruppenräumen unter den hohen Pyramidendächern, wo lichte Räume mit überraschender Höhe entstanden. Oberlichter holen das Tageslicht tief hinein und lassen es über warme Holzoberflächen wandern. Eingebaute Hochebenen erweitern die Gruppenräume in die Vertikale, schaffen Rückzugsorte und neue Perspektiven. Sorgfältig eingepasste Einbaumöbel ordnen den Alltag, ohne ihn zu reglementieren. So entsteht eine Atmosphäre, die Geborgenheit vermittelt und zugleich Entdeckergeist weckt. Auch im Garten setzt sich das Konzept fort: Ein durchlaufendes Vordach spendet Schatten und schützt vor Regen. Neben klassischen Spielgeräten liegen Baumstämme und Findlinge – einfache Elemente, die Fantasie herausfordern und Natur erfahrbar machen. Technisch erfüllt die Kita den KfW-40-Standard. Wärmepumpen und Fußbodenheizung sorgen für behagliche Temperaturen, Photovoltaikmodule auf den Dächern liefern Strom und speisen überschüssige Energie ins Netz ein. Regenwasser wird in Zisternen gesammelt und zur Bewässerung genutzt.
Fotos:
Jean-Luc Valentin
www.foto-valentin.de
(Erschienen in CUBE Frankfurt 01|26)