Garten der kurzen Wege

Moderne Gartenarchitektur trifft auf traditionelle Baukultur

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Was für eine Überraschung! Kaum hat man das Grundstück betreten, steht man fast schon im wohnlichen Gartenbereich. Der Grund: Auf diesem Areal geht es etwas eng zu, hier überschneiden sich verschiedene Funktionen. Als die Villa vor nahezu 150 Jahren gebaut wurde, sahen die Grundstücksverhältnisse noch anders aus. Der damalige Besitzer war Landschaftsgärtner und verfügte hinter dem Gebäude über ein langgestrecktes Grundstück. Seitdem haben die Eigentümer verschiedentlich gewechselt, zu Zeiten der DDR ging hier der KGB ein und aus. 1994, nachdem die Sowjets abgezogen waren, entstand neues Leben in Potsdam. Die heutigen Besitzer verliebten sich vor sechs Jahren in dieses besondere Ambiente, in dem nun jedoch lediglich der Bereich zwischen Haus und Straße als Garten benutzt werden konnte. Der Pkw-Stellplatz liegt hinter dem Gebäude mit dem eigentlichen Hauseingang. Diese Einschränkung musste in Kauf genommen werden, weil die Lage der Immobilie für die fünfköpfige Familie optimal war. „Ich wünsche mir aber einen schönen, neugestalteten Garten“, war die dringende Bitte der neuen Hausherrin.

Kurz entschlossen wurde Landschaftsarchitekt Ulrich Timm beauftragt, einen Masterplan anzufertigen, um die Möglichkeiten des Grundstücks auszuloten. Die zur Verfügung stehende Fläche beträgt kaum mehr als 10 x 10 m. Gewünscht wurde eine große Terrassenfläche, die Anlage eines Sandsteinbrunnens, wie man ihn noch heute in älteren Potsdamer Gärten vorfindet, – und Geborgenheit. Zum Bestand zählten eine dominante Eibe (Taxus baccata) als Solitärbaum sowie eine Ligusterhecke an der Straßenseite und dem benachbarten Gelände, die vor Einblick schützt. Der Hausherr legte Wert darauf, dass seine selbstgezogenen Bonsai-Bäume einen guten Standort erhalten, an dem sie in Ruhe betrachtet werden können. Der neugestaltete Garten sollte moderne Züge tragen, aber auch das Traditionelle der Architektursprache aufnehmen. Die Fassade der alten Villa hat bis heute eine eindeutige Botschaft: Kluge Eleganz und gut gesetztes Dekor, um dem Bau ein unverwechselbares Aussehen zu verleihen. Eine elegante Treppe, die von der Terrasse auf der Beletage in den Vorgarten führt und nun von cremefarbenen Blütenbällen der Hortensien „Annabelle“ umspielt wird, mündet in den Eingangsbereich, der auch als Einfahrt genutzt wird. Um die Toreinfahrt von dem Wohngarten zu trennen, wurde die vorhandene Pflasterung in elliptischer Form teilweise aufgenommen, wodurch Platz für eine doppelreihige Hecke frei wurde. Diese wurde in eleganter Bogenform angeordnet: eine höhere Weißbuchenhecke (Carpinus betulus) und auf der Innenseite eine ein Meter hohe Eibenhecke (Taxus baccata). So ergab sich nicht nur eine gute Trennung von Eingang und privatem Wohngarten, es entstand auch der ideale Platz für den Brunnen aus Schlesischem Sandstein.

Das Zentrum bildet die 4,50 x 4,50 m große Terrasse aus belgischem Blaustein mit seinem angenehmen Farbton. Hier ist Platz für die große Familienrunde, den Grill und auch die Bonsai-Schmuckstücke. Um in dem kleinen Garten Geborgenheit und eine schöne Raumbildung entstehen zu lassen, wurden vor der Sichtschutzhecke hochstämmige Hainbuchen-Kastenformen ergänzt. Im Sommer sind zwei große Oleander-Kübelpflanzen ein toller Blickfang. Damit Zeit genug fürs Genießen bleibt, wurde reichlich Technik eingesetzt. Ein Mähroboter hält den Rasen kurz und die automatische Bewässerung regelt die optimale Feuchtigkeit für die Pflanzen.

www.ulrichtimm.de

(Erschienen in CUBE Berlin 01|20)

Landschaftarchitekten:

Ulrich Timm Landschaftsarchitekt
www.ulrichtimm.de

Garten- und Landschaftsbau:

Baum & Park Landschaftsbau
www.baum-und-park.de

Brunnenbau:

Natursteinfachbetrieb Jens Bellin
www.steinmetz-bellin.de

Beleuchtung:

Lichthaus Ammon
www.lichthaus-potsdam.de

Fotos:

Gary Rogers

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