Vollendete Schönheit

Ein lebensnahes Kunstwerk der Zeitlosigkeit

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Schönheit, Perfektion und sinnliches Erleben  – was für den Bauherren des Rudolph House in Stuttgart den Reiz historischer Porsche ausmacht, beschreibt zugleich den architektonischen Anspruch von Alexander Brenner. Kein Wunder, dass der enthusiastische Autosammler und einer der berühmtesten Architekten der Gegenwart zum zweiten Mal miteinander gebaut haben. Das Ergebnis? Ein Kunstwerk der Zeitlosigkeit, in dem es sich ganz entspannt leben lässt.

Von einer für Stuttgart bedeutenden Aussichts- und Panoramastraße aus fällt der Blick gleich auf zwei Brenner-Bauten: Links steht das Haus Robo, das 1997 für den Bauherren entworfen wurde, rechts das neue Rudolph House. Damals wie heute hat Alexander Brenner viel Wert auf die Dachgestaltung gelegt. Schließlich ist das Dach das Erste, das Spaziergänger wahrnehmen. Das mit Ziegeln belegte Dach des Neubaus – eine Reminiszenz an die Capri-Liebe des Eigentümers – offenbart nicht eine einzige Dachinstallation. „Es wirkt ganz ruhig und stört die Aussicht nicht. Gute Architektur sollte jedem etwas zurückgeben, der sie betrachtet“, so Brenner. Zwei Wege führen zum Rudolph House. Ein monolithischer Sichtbetonbau am Ende der Straße ermöglicht den Zugang samt Auto. Das gerasterte Schalungsbild und die goldenen Verschlusskonen verleihen dem Autoaufzug eine grafische Plastizität, wie sie typisch ist für Brenners Architektur. Zu Fuß gelangt man durch ein Tor aus Messing treppab auf die zentrale Piazza: Eine Oase der Ruhe oder freundschaftlicher Geselligkeit hoch über der Stadt. Eine Raumkante dieser Piazza bildet die verglaste Front der Garage, die ansonsten komplett von Grün bedeckt im Hang verschwindet. Hier findet die Sammlung klassischer Automobile adäquaten Raum. An der Südseite schließt der loftartige Wohnraum an. Über raumhohe Verglasungen ist er direkt mit dem Hof verbunden und gibt auf der anderen Seite den Panoramablick über die Stadt frei.

Brenners ganzheitlicher Anspruch an das Entwerfen und Bauen sowie an tradierte Handwerkskunst wird auch im Inneren der Villa deutlich. Form, Fläche, Raum, Körper und Materialien bilden ein perfektes Zusammenspiel: „Unser tägliches Streben gilt dem gut Gestalteten wie dem gut Gemachten.“ Gut gestaltet heißt dabei immer auch funktional: So stellte er in den weiten Wohnbereich einen Kubus ein, der auf der einen Seite Küchenrückwand ist und auf der anderen Wohn- und Bücherwand. Obwohl seiner Linie treu, beschreibt Alexander Brenner selbst einen Paradigmenwechsel in seinem jüngsten Werk hin zu einer gelasseneren, noch mehr dem Leben zugewandten Architektur. Ein einfaches Beispiel dafür ist der gerundete Küchenblock, der die arbeitsame Bewegung um ihn herum erleichtert. Er ist aus rohem Stahl, genauso wie die lange Wand, hinter der sich Vorrats- und Wirtschaftsräume verbergen. Der Architekt liebt solide, wertige Materialien, die in Würde altern. Industriell hergestellte Massenprodukte findet man nirgends. Auch nicht im Verborgenen. Außenwände werden energetisch optimal dimensioniert; Wandaufbauten so konzipiert, dass Dämmstoffe verzichtbar sind. Die privaten Schlafräume und Bäder liegen ein Geschoss tiefer, eine weitere Etage tiefer gibt es einen offenen Atelierraum für Arbeit, Freizeit oder Gäste.

Architektur und Kunst sind für Alexander Brenner eins. Aber: „Schon eine Nuance kann den Unterschied zwischen Kunst und Belanglosigkeit bestimmen.“ Leidenschaftlich denkt er deshalb bis ins Detail. Den illuminierten Platz für ein großformatiges Gemälde im Wohnbereich hat er ebenso eingeplant wie die Gestaltung des Raumes für ein Kunstwerk im Außenraum auf der Piazza. Unter dem weit auskragenden, filigranen Dach (eine Kunst für sich) der Außenkaminanlage schwebt es über einem Goldflies – eine Hommage an den italienischen Architekten Carlo Alberto Scarpa. Auffallend sind die leuchtend blauen Holzstühle auf der Piazza. Der Bauherr hat sie in Italien anfertigen lassen. Empfindet der perfektionistische Architekt sie als Bruch im Gesamtbild? „Ja, aber ich sehe das durchaus wohlwollend. Es müssen nicht immer überteuerte Klassiker sein.“ Letztlich ist es der ausgewogene Zusammenklang aller Elemente, der vollendete Schönheit ausmacht. Genau wie bei einem Porsche. 

www.alexanderbrenner.de

Fotos:

Zooey Braun
www.zooeybraun.de

(Erschienen in CUBE Stuttgart 04|22)

Architekten:

Alexander Brenner Architekten 
www.alexanderbrenner.de

Schalterprogramm:

Jung
www.jung-group.com

Beleuchtung:

Bega
www.bega.com

One A
www.onea.dk

Sanitär-Keramik:

Bette
www.my-bette.com

Fenster:

Sky-Frame
www.sky-frame.com

Autoaufzug:

Stricker Aufzüge
www.stricker-aufzuege.de

Dachsteine:

Backstein-Kontor
www.backstein-kontor.de

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