Aus klein wird fein

Umgebautes und erweitertes Wohnhaus aus den 1960er-Jahren am Hang spielt sein Potenzial aus

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Zunächst interessierte sich die junge Bauherrenfamilie für ein Grundstück in einem Neubaugebiet auf dem Land zu einem erschwinglichen Preis. Bereits im ersten Gespräch mit Baurmann Dürr Architekten kristallisierte sich allerdings heraus, dass der Bebauungsplan die gewünschte Bauform nicht zuließ. Das war aber noch nicht alles: Das Grundstück war klein und ungünstig orientiert, die Nachbarn zu nah und die umgebende Bebauung nicht das, was man sich unter anspruchsvoller Architektur vorstellt. Das neue Haus wäre also unabhängig von seiner gestalterischen Ausformung ein Kompromiss geworden. Wenige Wochen nach dieser ernüchternden Bilanz bat der Bauherr die Architekten, sich ein kleines Haus aus den 1960er-Jahren in bester Wohnlage anzusehen und zu prüfen, ob sich ein Umbau lohnen würde. Dunkel, eng, verwinkelt und abgewohnt wie es war, überzeugte das Haus dennoch mit seinem großen Grundstück, der inneren Erschließung über Split-Level aufgrund der Hanglage sowie einem erfolgversprechenden Potenzial für Veränderungen. Den zugewucherten Vorgarten strukturierten die Architekten komplett neu, schufen eine Auffahrt zur Doppelgarage und legten am Hang bepflanzte Bereiche in unterschiedlichen Höhen an. Im Obergeschoss verläuft ein Balkon über die gesamte Breite des Bestandsgebäudes. Mit nur wenigen Eingriffen ließ sich das Innere des Hauses in eine spannende Abfolge von Räumen und Zonen verwandeln – zwar klein, aber durch das Hanggeschoss erweiterbar. Wo früher Keller waren, sind nun – auf der Eingangsebene – die Kinderzimmer.

Was sich einst als düstere Wohnhalle zeigte, wandelte sich zur großzügigen und hellen Küche mit Dachschräge. Der Essbereich ist vor dem Kamin platziert und neben dem Kamin wird Brennholz in einem Wandauschnitt aus Sichtbeton gelagert. Auch ein Regal fügt sich auf diese Art dekorativ und funktional in die Trennwand zum Treppenaufgang. In Fischgrätmuster verlegtes Eichenparkett belebt den Raum und schafft einen Bezug zur Historie des Hauses. Die konsequente Beschränkung auf wenige Materialien wie weißer Putz und Eichenholz gibt den eigentlich bescheidenen Raumfolgen jene Großzügigkeit, die die Familie sich von ihrem Neubau erträumt hat. Und die konsequente Einbeziehung des Grundstücks verleiht dem Haus den Eindruck eines nordischen Sommerhauses – auch das ganz im Sinne der designbegeisterten Bauherren.

www.bdarchitekten.eu

Fotos:

Swen Carlin
www.swencarlin.com

(Erschienen in CUBE Stuttgart 02|21)

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