Wohnraum durch Wandel
Verblüffende Metamorphose – vom „Diskreten Haus“ zum mehrgeschossigen Wohnhaus
Eines der größten Neubaugebiete für Wohnquartiere liegt „hinter“ dem Pasinger Bahnhof und der Bahnhaupttrasse und erstreckt sich bis zum Rand des Nymphenburger Schlossparks, der in wenigen Minuten über eine Unterführung unter den Gleisen erreichbar ist. Bis in die Nullerjahre war dieses Areal ein Mischgebiet, hauptsächlich geprägt von Gewerbebauten – aber nicht nur – auch einige Clubs und ein Bordell hatten hier Quartier bezogen. Seit 2008 wird dieses Gebiet im Rahmen der Stadtentwicklungsplanung grundlegend umgestaltet. Aus ungeordneten Gewerbeflächen entstanden qualitätsvolle Wohnquartiere, die meist als Karree mit begrünten gemeinschaftlich genutzten Innenhöfen ausgebildet sind.
So richtig wollten das Nachtleben und das Rotlichtgebäude nicht mehr in die neue Umgebung passen, daher entschloss sich der Bauherr, es zu einem Wohngebäude umbauen zu lassen, das sich besser in das neue Umfeld aus Wohnhäusern, Kitas, Schulen und Nahversorgung einfügt. Die Wahl fiel auf a+p Architekten aus München, die ein attraktives mehrgeschossiges Wohnhaus schufen. Bis das Gebäude bezugsfertig seiner neuen Funktion übergeben werden konnte, hatten die Architekten einige Komplikationen zu bewältigen. Sie entwickelten ein Konzept mit einem Anbau und der Aufstockung auf vier Etagen. Ein Vorbescheid wurde zwar erstellt, aber nicht genehmigt. Das Bauvorhaben stagnierte, bis in Abstimmung mit der Lokalbaukommission ein finaler Baukörper für die weitere Planung festgelegt werden konnte.
Das bestehende Grenzbaurecht blieb erhalten, doch konnten durch Anbau und Penthouse-Aufstockung zusätzliche Flächen hinzugewonnen werden. Zunächst wurde der Stahlbetonskelettbau entkernt, um die geplante hochwertige Wohnnutzung zu ermöglichen. Die Stahlbetonkonstruktion war sanierungsbedürftiger als erwartet. Weder Tragfähigkeit noch Geometrien entsprachen den geltenden Normen, sodass eine umfangreiche statische Ertüchtigung erforderlich war. Im Bereich der Gründung mussten Lasten umverteilt werden, um bestehende und neue Lasten sicher abtragen zu können. Die Penthouse-Aufstockung erfolgte in Leichtbauweise, sodass die erforderliche Speichermasse durch externe Begrünung erzielt werden musste. Auch war die Befestigung von Geländern im Bestand nicht möglich und man wich auf Auflastgeländer aus.
Die großzügigen Geschosshöhen konnten trotz statischer Ertüchtigung erhalten bleiben, was den Wohnungen einen offenen, loftartigen Charakter verleiht. Das Gebäude erhielt eine Klinkerfassade aus blau gebranntem roten Klinker, die dem Baukörper eine starke Präsenz verleiht. Alle Wohnungen sind nach Süden orientiert und verfügen über Balkone oder Terrassen.
Fotos:
Michael Voit
www.michaelvoit.de
(Erschienen in CUBE München 04|25)