Dichte und Distanz
Zwei Mehrfamilienhäuser „tarnen“ sich als Einfamilienhäsuer
In Stahnsdorf, unweit des Wannsees, wurden auf einem verhältnismäßig kleinen Grundstück von nur 800 m² gleich zwei Häuser errichtet. Sie „tarnen“ sich als Einfamilienhäuser, doch handelt es sich um ein Ensemble, das insgesamt vier Wohnungen umfasst: individuell zugeschnitten, zwischen 56 und 145 m² groß – von der Single- bis zur Mehrgenerationenwohnung. Das „Kunststück“, so viel Wohnraum auf zwei Häuser zu verteilen, gelang Daniel Matis von SMAP-Architekten, Berlin. Seit mittlerweile fünf Jahren hat das Büro seinen Fokus konsequent auf das nachhaltige Bauen ausgerichtet. Dabei spielt der Holzbau in Kombination mit innovativen Materialien und energieeffizienter Bauweise eine zentrale Rolle. Die Wohnungen sind sozusagen verschachtelt angeordnet: In einem der beiden Gebäude finden sich eine zwei- und eine dreigeschossige Wohnung, im Nachbarhaus eine zweigeschossige und eine eingeschossige Einheit. Bis auf die letztgenannte erstrecken sich die übrigen drei über mehrere Stockwerke, was spannende Grundrisse vermuten lässt. Damit beide Baukörper optisch gleich hoch erscheinen, obwohl einer höher ist, wurde das Erdgeschoss des höheren unter das Geländeniveau abgesenkt. Jede Wohnung besitzt ihren eigenen, separaten Eingang, was Autonomie trotz des begrenzten Raums schafft. Der Baugrund liegt zwischen zwei Straßen, wodurch jedes Haus auch seine eigene Anschrift erhält. Beide Gebäude wurden in Holztafelbauweise errichtet. Die Brandenburger Firma Max Holzbau lieferte alle Teile vorgefertigt, sodass auf der Baustelle nur wenige Tage nötig waren, um die Häuser aufzubauen. Die Dächer sind als Satteldächer mit einer nur geringen Neigung ausgebildet und bestehen aus einem Indach-Photovoltaik-System: Die PV-Paneele sind nicht aufgesetzt, sondern in das Dach integriert, wodurch PV-Anlage und Dach funktional zusammengefasst werden. Eine gestalterisch vollendete, elegante und platzsparende Lösung. Dächer dieser Art generieren bis zu 35 kWp, mehr als aufmontierte Paneele. Die Energieversorgung wird durch eine Geothermieanlage mit Wärmepumpe und Lüftung mit Wärmerückgewinnung ergänzt. Dank dieser Kombination wurden die Häuser nach dem QNG-Standard (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) zertifiziert. Auch das Wassermanagement folgt ökologischen Prinzipien: Regenwasser wird gesammelt und zwei 10.000-Liter-Zisternen zugeführt. Überschüssiges Wasser wird in Rigolen mit dem doppelten Fassungsvermögen aufgefangen und so das Kreislaufsystem ergänzt. Für dieses nachhaltige Gesamtkonzept erhielten die Architekten beim Real Estate Architecture Award die Auszeichnung als Gewinner.
Fotos:
Thomas Voßbeck
www.iv-fotografie.berlin
(Erschienen in CUBE Berlin 04|25)
