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Generationenwohnen im Doppel

Wer hier wohnt, hat einen Tandempartner aus einem anderen Lebensabschnitt

Mehrere Generationen unter einem Dach? Ein gesellschaftlicher Ansatz, der gewünscht und... mehr

Mehrere Generationen unter einem Dach? Ein gesellschaftlicher Ansatz, der gewünscht und gefürchtet zugleich ist. Das Zusammenleben gestaltet sich nicht immer einfach, sind doch Bedürfnisse junger Familien nicht in allen Belangen kompatibel mit denen älterer Menschen. Das war schon immer so und ist vielleicht auch ein Grund dafür, warum wir heute kaum noch mit mehreren Generationen unter einem Dach wohnen. Auf der anderen Seite wächst aber die Erkenntnis, dass die Generationen durchaus voneinander profitieren können, wenn sie wieder näher beieinanderleben. Die Lösung des Dilemmas scheint im richtigen Maß von Nähe und Distanz zu liegen. Und in der grundsätzlichen Bereitschaft, wieder mehr in gemischten Wohnsiedlungen zu leben. In der Stavangergasse im 22. Bezirk haben die Architekten von trans_city und einszueins Architektur den Versuch gewagt, wieder mehr Nachbarschaft zwischen Generationen entstehen zu lassen. Jeweils zwei Wohnungen werden an Tandems vergeben, die sich in zwei unterschiedlichen Lebensabschnitten befinden. Echte Verwandtschaftsverhältnisse können, müssen aber nicht bestehen, es zählen auch Wahlverwandtschaften. „Die Tandempartner wohnen so nah, dass sie sich unterstützen können, aber so weit voneinander entfernt, dass die Privatheit gewährleistet ist“, beschreibt Architekt Mark Gilbert.

Einfach und effizient ist die Kubatur der vier L-förmigen Baukörper. Hervorspringende Bauteile in den oberen Geschossen und Arkaden im Erdgeschoss bestimmen die Proportionen. Das gewisse Etwas bewirkt goldmetallic lasiertes Holz, das die Balkone umfasst und die Fassaden des Erdgeschosses verkleidet. Hinter den Arkaden liegt ein Gemeinschaftscafé, ein gemeinsam genutzter Kinderspielraum und ein Waschsalon. Auch ein viergruppiger Kindergarten ist entstanden, in dem sich die Bewohner an der Betreuung beteiligen können. Mit diesen Einrichtungen soll das Miteinander in der Wohnanlage gefördert werden. Der Gedanke an Austausch und nachbarschaftliches Miteinander war auch für die Gestaltung der Erschließung jedes Baukörpers ausschlaggebend. Entlang der offenen Laubengänge gibt es teilweise halbprivate Loggien, die geradezu zu Gesprächen mit Vorbeigehenden einladen.

Zusätzlich war es den Architekten wichtig, auch den Außenraum so anzulegen, dass genügend Raum für Austausch und Begegnung entsteht. „Wir haben die Baukörper so angeordnet, dass sich zwischen ihnen ausgedehnte Grünflächen aneinanderreihen“, erläutert Gilbert. So besteht auch über die Tandems hinweg allerorts die Möglichkeit, mit den anderen Bewohnern in Kontakt zu kommen. Über Häuser und Generationen hinweg.

www.trans-city.at
www.einszueins.at


Fotos:

Hertha Hurnaus
www.hurnaus.com

(Erschienen in CUBE WIen 02|19)