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Eigenständig und emotional

Mit dem Neubau ist die Propsteikirche St. Trinitatis ins Zentrum von Leipzig zurückgekehrt

Die Kirchweihe am 9. Mai 2015 beendete die über 70 Jahre andauernde Odyssee der Leipziger... mehr

Die Kirchweihe am 9. Mai 2015 beendete die über 70 Jahre andauernde Odyssee der Leipziger Propsteigemeinde – St. Trinitatis ist mit dem Neubau ins Zentrum der Stadt zurückgekehrt. Schulz und Schulz Architekten entwickelten die neue Propsteikirche aus dem Organismus der umgebenden Stadt. Ihre Präsenz erhält sie durch den hohen Baukörper und den Turm, vor allem aber durch die einladende Offenheit des Pfarrhofs. Die Silhouetten von Kirche und Rathaus definieren entlang des Martin-Luther-Rings eine städtebauliche Torsituation, die den Auftakt für die weitere Entwicklung des angrenzenden Stadtraums mit der S-Bahn-Station Wilhelm-Leuschner-Platz, dem Areal Nonnenmühlgasse und der weiteren Platzbebauung markiert.

Der hohe Kirchenraum ermöglicht eine transzendente Raumerfahrung, die durch das große Oberlicht über der Altarrückwand noch intensiviert wird. Das einfallende Tageslicht bestimmt die Atmosphäre des Raums. Das große ebenerdige Kirchenfenster des Künstlers Falk Haberkorn inszeniert die Kommunikation zwischen Gemeinde und Stadt wie über ein interaktives „Schaufenster“. Gegenüber liegt die Werktagskapelle. Die Orgel ist dritter „Verkündigungsort“ und deutlich sichtbar auf der Galerie angeordnet. Über den Luftraum erweitert sich der Kirchenraum auf die Empore. Die Querorientierung des Kirchenraumes schafft Platz für die Anordnung der Gemeinde in einem offenen Circumstantes, dessen optische und szenografische Mitte der Altarraum ist. Der Verzicht auf Stufen gegenüber der Gemeinde öffnet den Altarraum zusätzlich als mehrdimensional bespielbare Fläche für unterschiedliche liturgische Handlungsformen. Lediglich ein leichtes Gefälle vom Eingang zum Altar umschließt den Altarraum, folgt dabei der Anordnung der Kirchenbänke und erlaubt optimale Sichtbeziehungen.

Der Altarraum ist über fünf Wege mit dem Portal und dem Taufstein, dem Aufstellort der Madonna, dem Kirchenfenster (der Stadt), dem Tabernakel und der Kapelle verbunden. Sie unterteilen die Bankreihen in sechs Segmente. Gegenüber vom Kreuz an der Altarrückwand des Künstlers Jorge Pardo ist ein zweites Kreuz als negativer Abdruck in die große Wandfläche über der Empore eingeschnitten. Es leitet Licht der tiefstehenden Westsonne in den Raum. Die gezielt gesetzte Öffnung des großen Kirchenfensters versinnbildlicht die Schnittstelle zwischen profaner und sakraler Welt, zwischen gewünschter Offenheit der Gemeinde und notwendiger Geschlossenheit für Einkehr, Ruhe und Konzentration. Mit seiner Hülle aus gemauertem Rochlitzer Porphyr bekennt sich der Bau zu Region und Tradition. Durch die Vor- und Rücksprünge in der Schichtung wird die traditionsreiche regionale Baukunst in ein zeitgenössisches eigenständiges Gebäude von besonderem emotionalen Wert überführt.

www.schulz-und-schulz.com

Fotos:

Stefan Müller
www.stefanjosefmueller.de

(Erschienen in CUBE Leipzig 01|21)



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