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Individuell und detailreich

Ein Gespräch mit dem Düsseldorfer Architekten Georg Döring über Einfamilienhäuser, Lehrer und Väter

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Georg Döring
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Einfamilienhäuser, Wittlaer
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Zweifamilienhaus, Zooviertel
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Zweifamilienhaus, Zooviertel
CUBE: Wenn sich durch Ihre Entwürfe ein Leitmotiv zieht, dann ist es die plastische Komposition... mehr
CUBE: Wenn sich durch Ihre Entwürfe ein Leitmotiv zieht, dann ist es die plastische Komposition von kubischen Volumen. Darf man Sie einen „Verfechter des rechten Winkels“ nennen?

Georg Döring: Ja, das bin ich. Denn wie man so schön sagt, hat der rechte Winkel auch fast immer recht! Vor allem, weil Möbel ja auch immer rechtwinklig gebaut sind, ist das flexibelste Wohnen nur in rechtwinkligen Räumen möglich. Diese vielen schrägen oder auch amöbenhafte Formen sehen oft spektakulär aus, aber sie lassen sich einfach nur schwer bewohnen, weil sie doch überwiegend aus Resträumen bestehen. Trotzdem gibt es natürlich auch Grundstücke, bei denen es wegen des Zuschnittes oder des Kontextes Sinn macht, auf polyederartige Baukörper zurückzugreifen. Nur so als eine kosmetische Anwendung wird die Architektur allerdings zum beliebigen Aperçu.

Wie kreativ können Sie da mit Bebauungsplänen umgehen, die ein klassisches Satteldach vorschreiben?

(lacht) Definitiv nehmen wir auch Aufträge mit Satteldach an – gerade haben wir drei in der Planung. Ein Satteldach kann man wunderbar modern interpretieren und man hat bei der Gestaltung durchaus eine Bandbreite unterschiedlicher Entscheidungsoptionen.

Bei aller Liebe zum rechten Winkel erscheinen Ihre Gebäude aber keineswegs wie der Inbegriff eines weißen Bauhausstils, wie er so oft für deutsche Einfamilienhaussiedlungen geklont wird.

Einen Bauhausstil hat es ja eigentlich nie gegeben, das ist leider ein Begriffsmissverständnis! Aber wenn Sie diese Uniformität im Einfamilienhausbau der letzten 20 Jahre mit den weißen Pappschachteln meinen, ist diese natürlich schon bedenklich. Sie zieht sich ja geografisch durch alle Ecken und Winkel Deutschlands. Und dabei kommt es gar nicht einmal auf das Budget an. Wir haben auch schon kleine, bescheidene Einfamilienhäuser gebaut, aber die wirken dann trotzdem individuell, zum Beispiel auch durch eine andersfarbige Putzfassade. Das Grundproblem ist, dass die Bauherren oft Angst vor dem Architekten haben wegen angeblicher Kostensteigerungen. Stattdessen gehen sie dann lieber zum Fertighaushersteller, der ihnen zum Fixpreis die Wahl zwischen vier verschiedenen Typen lässt – auch wenn es das dann auch schon oft war hinsichtlich der Einflussmöglichkeiten! Viele unterschätzen dabei die kreative Gabe des Architekten, für jedes Budget einen individuellen Wohnwert zu schaffen.

Dass in Ihren Bauten, Farbigkeit und Materialität so eine wichtige Rolle spielen, ist das auch dem Einfluss Ihres Studiums in der Schweiz geschuldet?

Nach dem Studium an der TU Braunschweig und der TH Darmstadt habe ich zwei Jahre an der ETH Zürich verbracht. Dort habe ich in den 1980er-Jahren an dem Experimentallehrstuhl studiert, der durch den Berliner Architekten Hans Kollhoff besetzt war. In der Auseinandersetzung mit dem damals im Architekturdiskurs vieldiskutierten Dekonstruktivismus ging es vor allem um das Thema Raum. Dabei hat sicher auch die Materialgerechtigkeit eine Rolle gespielt – also die Auffassung der klassischen Moderne, dass das Material seine ursprüngliche Tragkraft und Ausstrahlung bewahren und sich beim Bauen nicht bis zur Unkenntlichkeit optisch verbiegen sollte. Hans Kollhoff, der bis vor einigen Jahren Professor an der ETH war, hat Architektur damals auch noch nicht so klassizistisch gedacht wie heute – eine sehr spannende Zeit war das!

Ihr Vater Wolfgang Döring hat die westdeutsche Architekturszene der 1960er- und 1970er-Jahre mitgeprägt und durch seine Professur an der RWTH Aachen auch eine Generation bekannter Architekten hervorgebracht. Gab es da nie für Sie die Option, in sein Büro einzusteigen?

Als Student habe ich in seinem Büro immer mal wieder gearbeitet. Nach meinem Amerikaaufenthalt wurden daraus dann anderthalb Jahre. Unter den Projekten war auch ein von mir geplantes Einfamilienhaus, für das ich die Bauleitung übernehmen sollte. Fertiggestellt habe ich das Haus allerdings nie, weil mein Vater und ich in den Details der Ausführung doch sehr konträrer Auffassung waren. Wir sind bzw. waren – letztes Jahr ist er ja verstorben – zwei starke, aber eben auch recht unterschiedliche Charaktere! Die Zusammenarbeit haben wir daraufhin aufgelöst. Nicht nur im Nachhinein bin ich ihm dafür dankbar, dass es zwischen uns nicht geklappt hat. (lacht) Ich bin gerne für mich und mein eigenes Büro verantwortlich und beneide auch deshalb keinen Architekten, der in dieser schwierigen Rolle des Juniorpartners steckt.

Geografisch sind Sie mit ihren Projekten vor allem im Rheinland aktiv – ist das allein der überschaubaren Größe Ihres Büros geschuldet oder steckt da mehr dahinter?

Die Bürogröße ist natürlich auch immer den Schwankungen der Auftragslage unterworfen. Das Entscheidende ist: Du kannst im Einfamilienhaus nur eine bestimmte Qualität erreichen, wenn du das Haus auch selbst baust und die Bauleitung übernimmst. Und da sind wir natürlich regional beschränkt. Wir haben zwar auch schon mal in Frankfurt ein Objekt realisiert, aber im Regelfall bewegen wir uns doch im 50-km-Radius um Düsseldorf herum. Alles andere wird schnell unwirtschaftlich. Mein Anspruch ist dabei natürlich auch an die Gebäude, dass sie dauerhaft und im Detail perfekt sind. Und wir duplizieren keine Details, wir entwerfen sie wirklich für jedes Projekt neu. Das ist auch nicht das unbedingt Wirtschaftlichste, aber ich lebe auch nur einmal, habe damit den größten Spaß und am Ende spricht die Qualität für sich.

Vor Wochen hat es ja etwas politischen Aufruhr um das Einfamilienhaus gegeben. Es wird zunehmend in Konkurrenz zum verdichteten Wohnen gesehen. Ist das Einfamilienhaus immer noch die richtige Zukunftsantwort?

Pauschal kann man das so nicht beantworten. Aber diese typischen Neubau-Einfamilienhausgebiete, die sich wie ein Teppich um die Städte und Dörfer ausbreiten, halte ich tatsächlich für schwierig. Der Landverbrauch ist dort sehr hoch, der Neubau verschlingt viel Energie und auch die Infrastruktur muss immer wieder neu hergestellt werden. Angesichts von Klimawandel, den CO₂-Emissionen und steigenden Energiepreisen ist das sicher ein falsches Zeichen! Dem muss in Zukunft deutlich mehr als bisher durch Um- und Weiterbau von bereits bestehenden Gebäuden begegnet werden – ohne Vergeudung von grauer Energie und in den bestehenden, erschlossenen Siedlungskernen.

Das Einfamilienhaus – eine jüngste Umfrage des Handelsblattes hat es wieder gezeigt – steht bei den Deutschen ganz oben auf der Beliebtheitsskala, gefolgt vom Reihenhaus. Weit abgeschlagen rangiert mit 13 Prozent das Mehrfamilienhaus. Was meinen Sie, könnte man das im Flächenverbrauch kritische Einfamilienhaus in eine andere Typologie übersetzen?

Ich bin ein Verfechter des Einfamilienhauses, weil es Freiräume für die Familie im Inneren und Äußeren eröffnet, gerade jetzt auch unter Pandemiebedingungen. Natürlich ist es auch ein hohes Privileg, ohne Frage. Gerade weil das so ist, brauchen wir heute Mehrfamilienhäuser mit einem neuen Ansatz, der mehr Individualität für die Bewohner ermöglicht. Vor allem mit mehr und auch größeren Austrittsmöglichkeiten, aber auch mit flexibleren Grundrissen, die selbst bei vielen aktuellen Bauprojekten immer noch aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen.

Herr Döring, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Paul Andreas.

Georg Döring

1962 geboren in Düsseldorf; Architekturstudium an der TU Braunschweig, TH Darmstadt und ETH Zürich; 1992 Architekturdiplom

1992–93 Angestellter Architekt bei Murphy/Jahn in Chicago; 1993–95 Tätigkeit im Architekturbüro von Wolfgang Döring und danach bei HPP; 1995–99 Juniorpartner im Architekturbüro Kiemle Kreidt in Düsseldorf; 1999 Gründung des eigenen Büros Georg Döring Architekten.

2012 Berufung in den BDA Düsseldorf; 2015 Ernennung zum stellvertretenden Vorsitzenden des BDA Düsseldorf; seit 2017 Vorsitzender des BDA Düsseldorf.

Georg Döring startete sein Büro in Bilk zunächst mit Mehrfamilienhausprojekten. Seit zehn Jahren ist er als Architekt auch verstärkt im Bereich des Einfamilienhauses tätig.
www.doering-architekten.de

Fotos:

Michael Reisch
Anna Meyer-Kahlen
Georg Döring Architekten

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|21)

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