Smarter Lückenschluss
Ein Bürohaus in Friedrichstadt verdichtet nach und nimmt dabei eine Stadtreparatur vor
In der Helmholtzstraße klaffte jahrzehntelang eine große Baulücke. Die Becken-Gruppe als Entwicklerin lobte einen Wettbewerb für die Bebauung des Grundstücks aus, das sich tief in das Innere des Blocks erstreckt. Ziel war ein zukunftsfähiger, hochwertiger und funktionsgerechter Neubau der Büroimmobilie. Das erstplatzierte Architekturbüro JSWD aus Köln entwarf ein Haus mit X-förmigem Fußabdruck und einer markanten Fassade, das die Baulücke optimal nachverdichtet und gleichzeitig harmonisch schließt.
Das Grundstück nahe dem Düsseldorfer Hauptbahnhof gehört zu einem innerstädtischen Baublock, der seit der Nachkriegszeit nur eingeschossig überbaut war und größtenteils als Parkplatz genutzt wurde. Grundlage des Entwurfs ist ein städtebaulicher Ansatz: Um den Block straßenseitig wieder vollständig zu schließen, sollte der Neubau harmonisch an die bestehende Nachbarbebauung anschließen. Mit vier Volletagen und einem zurückspringenden Staffelgeschoss orientiert sich das Gebäude an den First- und Traufhöhen der direkten Nachbarn, ohne das Firstmaß des gegenüberliegenden gründerzeitlichen Schulgebäudes zu überschreiten. Um die Länge der Häuserfassaden entlang der Helmholtz-straße zu brechen, tritt der Neubau in seiner Mitte gegenüber der Fassadenflucht zurück. Die geschwungene Front mit optisch abgesetzten Schaufenstern im Erdgeschoss leitet über einen neu angelegten Vorplatz fließend in das Gebäude hinein. Diese Geste trägt zur Adressbildung bei, indem sie einen neuen öffentlichen Raum vor dem Haupteingang schafft, der durch ein Pflanzbeet von der Straße separiert wird. Die vertikale Strukturierung der Fassade mit durchgehenden Lisenen unterstreicht im Zusammenspiel mit der markanten monochromen Farbgebung die besondere Dynamik des Baukörpers. Die Bürofenster sind zur Komfortlüftung begrenzt öffenbar und mit einem außenliegenden Sonnenschutz in Form von elektrisch beweglichen Lamellenraffstores versehen. Im Blockinneren terrassiert sich der Neubau von fünf auf drei Geschosse herab, wobei er sich ebenfalls unter Berücksichtigung der Abstandsflächen an den First- und Traufhöhen der Nachbarbauten orientiert. Dabei entstehen gleichzeitig mehrere nutzbare Dachterrassen für Aufenthaltsbereiche.
Die kreuzförmige Volumetrie gliedert zusätzlich den Binnenraum des Grundstücks in grün gestaltete Freiräume sowie Abstellzonen für PKW und Fahrräder. Der ruhende Verkehr wurde dagegen überwiegend in einer Tiefgarage untergebracht. Erhöhte Pflanzbeete mit Sitzflächen sowie schattenspendende Bäume laden im Innenhof zum Verweilen ein und verbessern zugleich das urbane Mikroklima. Erschlossen wird das kreuzförmige Bürogebäude aus der Gebäudemitte heraus: Treppenhäuser, Aufzüge sowie Sanitär-und Nebenräume sind zentral angeordnet. Alle Varianten moderner Arbeitsplatzkonzepte lassen sich so flexibel unter Ausnutzung des Tageslichts realisieren. Das Gebäude ist mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, im KfW-40-Standard konzipiert sowie DGNB-Gold zertifiziert und hat das Zertifikat WiredScore Gold erhalten.
Fotos:
Franco Casaccia
www.franco-casaccia.com
Max Leitner
www.maxleitner.com
Nils Koenning
www.nilskoenning.com
(Published in CUBE Düsseldorf 02|26)