Neu durchkomponiert, in Farbe
Ein Apartment als urbane Bühne für das tägliche Großstadtleben
Ein Umbau im Bestand formte ausdrucksstarke, individuelle Räume, getragen vom Continuo einer durchgehenden Farbdramaturgie. Der Auftrag für das Apartment Berlin IX kam ohne Wettbewerb zustande und die Ausführung erfolgte in enger Abstimmung mit der Bauherrschaft: „Wir wollten kein austauschbares Interior, sondern Räume, die sich jeden Tag selbstverständlich anfühlen und trotzdem besonders sind.“ Ziel der Bauherrin war es, eine Wohnung zu schaffen, die sich urban, charakterstark und zugleich wohnlich präsentiert: ein eigenständiges Interieur mit Tiefe und Persönlichkeit, das sich deutlich von standardisierten Wohnkonzepten abhebt. Funktional gesehen sollte die Wohnung zudem klar strukturiert, alltagstauglich und langlebig sein – ästhetisch hingegen mutig, atmosphärisch und detailreich.
Die Leitidee bestand darin, eine ruhige und doch ausdrucksstarke, urbane Bühne für das tägliche Leben umzusetzen. Architektur, Farbe, Material und Licht sollten dabei kein dekoratives Nebeneinander bilden, sondern als zusammenhängendes Raumkonzept funktionieren. Jeder Raum sollte eine eigene Stimmung vermitteln, dabei aber Teil eines übergeordneten gestalterischen Narrativs bleiben. Der Entwurf verbindet klare funktionale Abläufe mit einer durchgehenden Ästhetik und einer starken gestalterischen Handschrift. Die klassischen Berliner Holzdielenböden im Bestand wurden hierzu durchgängig abgeschliffen und neu versiegelt. Das Highlight bildet das kleine, aber feine Wohn- und Fernsehzimmer: Durch Color Drenching entstanden visuelle Tiefe und ein Gefühl von Geborgenheit. Die Küche indes war zuvor einzeilig gestaltet. Durch das Versetzen und den Austausch eines Heizkörpers an der Fensterwand besitzt die neue Einbauküche nun eine L-Form – und bietet wesentlich mehr Stauraum und Arbeitsfläche als vorher.
Die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Projektes lag in der Transformation des bestehenden Grundrisses, der nur bedingt den neuen Ansprüchen der Bauherrin entsprach: Von insgesamt sieben Monaten Bauzeit entfielen daher zunächst vier Monate auf die Planung sowie drei Monate auf Abriss, Bauausführung und Möblierung. Durch funktionale Zonierung, eine präzise Möblierungsplanung und den bewussten Einsatz von Farbe und Licht konnte die Fläche letztendlich optimal genutzt und funktionale Brüche aufgelöst werden: Die Räume sind jetzt logisch gegliedert, ohne dabei ihre Offenheit zu verlieren. Ästhetisch lebt das Projekt von einem bewussten Spiel dunkler Farbtöne, warmer Materialien und gezielter Kontraste, die in der Wohnung Tiefe und Spannung erzeugen.
Photography:
Manuel Strunz
www.manuelstrunz.de
(Erschienen in CUBE Berlin 01|26)