Erneuert und doch erhalten
Die Ossendorfer Gartenhöfe ersetzen eine alte Wohnsiedlung nachhaltig und ohne Mietertausch
Eine Wohnsiedlung aus den 1930er-Jahren war derart sanierungsbedürftig, dass eine Revitalisierung der rund 300 Wohneinheiten ausgeschlossen schien. Molestina Architekten aus Köln konnten sich mit einem überzeugenden Konzept durchsetzen und planten ein neues Wohnviertel. Die „Ossendorfer Gartenhöfe“, die von der gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft „Die Ehrenfelder“ betrieben werden, bieten einen zeitgemäßen Wohnstandard, der langjährige Mieter:innen nicht vertreibt und Mieten auch für sensible Mietergruppen erschwinglich hält. Auch Nachhaltigkeit wurde berücksichtigt, sodass das ambitionierte Projekt zuletzt auch als Preisträger der Auszeichnung Vorbildliche Bauten in NRW 2025 gewürdigt wurde. Das neue Wohnviertel basiert grundsätzlich auf drei Säulen: Neben einer möglichst geringen Umsiedlung der Bewohnerschaft während der Bauphase sollte die Gesamtwohnungszahl von 300 auf 435 barrierefreie, bezahlbare Wohnungen erhöht werden, um insgesamt den Mietdurchschnitt zu stabilisieren. Zudem sollten Kosten bei der städtebaulichen Planung und der Architektur auf ein absolutes Minimum reduziert werden, jedoch nicht auf Kosten ökologischer und sozialer Ziele. Ungefähr ein Drittel der Wohnungen ist öffentlich gefördert, was sich auch in der Wohnstruktur und weiteren Nutzungen widerspiegelt: So gibt es neben speziell eingerichteten Wohngruppen für Demenzkranke auch ein Eiscafé, das als neuer gemeinschaftlicher Treffpunkt des Viertels fungiert. Alle bestehenden Wohngebäude wurden durch Neubauten am ursprünglichen Standort ersetzt, wodurch Bewohner:innen, die zeitweise in Ersatzwohnungen untergebracht waren, sowohl ihre Adresse als auch die frühere Wohnungsgröße beibehalten konnten. Die Zeilen-Siedlungstypologie der 1930er-Jahre wurde dabei bewusst aufgenommen und gleichzeitig neu interpretiert – einerseits, um die Wohnungen wohnlicher und bequemer zu gestalten, andererseits aber auch, um den Gemeinschaftsgedanken weiter zu stärken. Dadurch konnte auch die Umgebung aufgewertet und die Lebendigkeit des Quartiers insgesamt gesteigert werden.
Die Architektur der Siedlung ist bewusst durch eine zurückhaltende Formensprache geprägt und gewinnt durch expressive Farbgestaltung. Zudem erzeugen die sich überwiegend vertikal wiederholenden Fensterbänder mit Klappläden an den Fassaden eine gewisse Dynamik. Leichte Geschossvorsprünge vermitteln den Eindruck kleinmaßstäblicher Zeilenbauten. Bei der Bauweise wurde ökologisch nachhaltig auf monolithisches Mauerwerk gesetzt, ohne zusätzliches WDVS.
Die Freiraumgestaltung reagiert sensibel auf aktuelle Herausforderungen durch Klimaveränderung (etwa Starkregenereignisse) und die steigenden Ansprüche an Spiel, Kommunikation und Aufenthalt im Freien. Ziel war es, insbesondere Flächenversiegelungen zu minimieren, den wunderschönen Bestand alter Kirschbäume weitestgehend zu erhalten und neue Freiraumelemente wie größere Spielbereiche möglichst harmonisch zu integrieren. Durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten wurde zeitgemäße Architektur in nachhaltiger Bauqualität zu äußerst günstigen Konditionen realisiert: Die Gesamtkosten lagen – nahezu konkurrenzlos – bei 2.541,55 Euro pro Quadratmeter Wohn- und Nutzungsfläche inklusive Umzugskosten.
Fotos:
Roland Halbe
www.rolandhalbe.eu
(Published in CUBE Cologne Bonn 01|26)