Architektur als aktiver Rahmen
Industriebestand wird modular und nachhaltig transformiert mit flexiblem Nutzungsmix
Mit dem „hive“ entsteht auf dem ehemaligen Böhringer-Areal in Göppingen ein Zukunftscampus, der zeigt, wie Transformation im Bestand architektonisch umgesetzt werden kann und dabei ein lebendiger Ort des Wandels entsteht. Das Projekt verbindet die Transformation eines industriell geprägten Bestands mit einem modularen, nachhaltigen Konzept und einem Nutzungsmix aus Forschung, Entwicklung und Anwendung. Architektur dient hier nicht als bloße Hülle für Innovation, sondern als aktiver Katalysator für neue Arbeitsformen, interdisziplinären Austausch und technologische Entwicklung.
Der Standort ist integraler Bestandteil des Konzepts: In Halle 1 des Werks 3 entsteht ein Ort, an dem der Wandel von industrieller Produktion zu wissensbasierter Wertschöpfung räumlich erlebbar wird. Die Industriearchitektur bildet die bauliche Hülle und den atmosphärischen Referenzrahmen für die neue Nutzung. Großzügige Raumhöhen, robuste Tragstrukturen und industrieller Maßstab prägen den Charakter und bleiben bewusst erhalten. Transformation wird als Weiterentwicklung verstanden: Strukturen bleiben erhalten, werden adaptiert und neu interpretiert. Im Mittelpunkt steht ein KI-Campus, der Anwendungen der Künstlichen Intelligenz in Entwicklung, Erprobung und Implementierung in realen Nutzungsszenarien ermöglicht. Architektonisch spiegelt der Hub eine klare Haltung: Sichtbare Konstruktionen, rohe Oberflächen und robuste Materialien betonen den industriellen Charakter des Bestands und übersetzen ihn in eine zeitgenössische Architektursprache. Kern des Konzepts ist ein zweigeschossiges „House-in-House“-System aus upgecycelten Schiffs-containern: Raumeinheiten für Werkstätten, Prototyping-Zellen, Testlabore und Entwicklungsräume, jeweils mit eigenem Innenraumkonzept. Ihre modulare Organisation ermöglicht hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Die Containerstruktur erzeugt ein Spannungsfeld zwischen Offenheit der Halle und konzentrierten Arbeitsbereichen; eine vertikale Gliederung stärkt Durchlässigkeit und Vernetzung. Herz des Campus ist der zentrale Marktplatz: Cafeteria, Besprechungsräume und Informelles bilden ein offenes Raumkontinuum. Der Marktplatz fungiert als sozialer Knotenpunkt und räumlicher Vermittler zwischen Nutzungseinheiten. Weitere Plätze und große Fensteröffnungen schaffen visuelle Bezüge und ermöglichen Einblicke in das Innenleben. Die Weiternutzung der Halle und das House-in-House-Prinzip reduzieren zusätzlich den Ressourcenverbrauch und verlängern Lebenszyklen der Materialien, während begrünte Wände und Pflanzen das Raumklima verbessern.
Fotos:
Paul Göser
www.paulgoeserfoto.de
(Erschienen in CUBE Stuttgart 01|26)