Rendezvous mit der Zeitgöttin
Ein Kärntner Weingut vereint Wein, Kunst und Architektur
Hier verschmelzen Geschichte, Wein und Kunst zu einem Gesamterlebnis: Inmitten der sonnenverwöhnten Hügel Kärntens liegt Taggenbrunn. Was einst als mittelalterliche Burg im 12. Jahrhundert errichtet wurde, erstrahlt heute als Hotel und visionäres Ensemble aus Architektur, Kultur und Weinbau – getragen von der Leidenschaft von Andrea und Alfred Riedl. Die Burg, 1157 erstmals als Castrum Takenprunn erwähnt, war über Jahrhunderte Wohn- und Verwaltungssitz regionaler Adelsgeschlechter. Doch sie verfiel zusehends, bis das Ehepaar Riedl 2011 die Anlage erwarb. Als Inhaber der österreichischen Uhrenmanufaktur Jacques Lemans haben sie so ihr Portfolio aus Uhren und Schmuck um Hotellerie und Weinbau erweitert.
Anstatt einer musealen Wiederherstellung entschieden sie sich für ein mutiges Konzept: eine Neudefinition der historischen Substanz. Glas, Stahl, Holz und Stein treten in einen spannungsvollen Dialog. Der Innenhof mit seiner 410 m² großen Glasdecke und einer beeindruckenden Raumhöhe von zehn Metern erzeugt ein Lichtspiel, das selbst an trüben Tagen eine beinahe sakrale Atmosphäre entfaltet. Auch der spätgotische Getreidespeicher, um 1500 unter Leonhard von Keutschach erbaut, wurde mit Respekt und Feingefühl adaptiert. Unterhalb der Burg breiten sich 40 Hektar terrassierte Süd- und Südwesthänge aus – die Heimat des Weinguts Taggenbrunn. Hier wachsen Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Riesling, gepflegt von einem Team, das Nachhaltigkeit nicht als Schlagwort, sondern als Selbstverständnis lebt. „Wir begleiten die Traube vom Rebstock bis ins Glas – mit Geduld, Hingabe und Respekt vor der Natur“, erklärt Andrea Riedl, die das Weingut leitet. Die Erträge werden bewusst reduziert, um den Charakter der Lagen in jedem Tropfen spürbar zu machen. Neben dem Wein ist es die Kunst, die Taggenbrunn zu einem Ort der Inspiration macht: Die monumentale, zwölf Meter hohe Skulptur „Die Zeitgöttin“, von André Heller aus Pflanzen, Metall, Bergkristall, Licht und Wasser gestaltet, wacht als symbolische „Wächterin“ über das Weingut. In den historischen Mauern inszeniert der österreichische Künstler zudem seine multimediale Ausstellung „Zeiträume“. Seit 2019 ziehen die Festspiele Taggenbrunn zudem Musikliebhaber:innen aus aller Welt an. Unter der Leitung von Arno Steinwider verwandelt sich der Burghof jeden Sommer in eine Bühne – ein kulturelles Highlight, das Musik, Kulinarik und Weingenuss unter freiem Himmel vereint. In der Saison 2026 stehen hier Hochkaräter wie Jonas Kaufmann und Philipp Hochmaier auf der Bühne.
Fotos:
Weingut Burg Taggenbrunn
(Erschienen in CUBE Select 01|26)


