Glückstreffer

Aus einer ehemaligen Drogerie wird ein Architekturbüro

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In Moabit, an der Ecke Stephan- und Rathenower Straße, war einst eine Drogerie. 2012 wurde der Drogeriemarkt aufgegeben und die Räumlichkeiten standen – abgesehen von kurzen Zwischennutzungen – leer. Erst 2019 wurde ein Architektenteam auf den Leerstand aufmerksam und hatte sofort die Idee, hierher umzuziehen und ein neues Büro in den leeren Räumen zu eröffnen. Von der Größe mit 180 m² schien es genau zu passen. Das Ladengeschoss schiebt sich unter ein Wohnhaus wie ein flacher Bungalow und erinnert mit seiner Schaufensterfront und teils gefliester Fassade an Edward Hoppers berühmtes Gemälde „Nighthawks“. Gebaut wurden der Laden und wohl auch das Wohnhaus darüber in den 1960er-Jahren.

Im Oktober 2019 mieteten die Architekten Kirchberger & Wiegner Rohde die leerstehenden Räume, sanierten das Ladengeschäft, bauten es um und konnten schon drei Monate später hier einziehen. Dabei wurde die große Fläche des ehemaligen Verkaufsraums unterteilt um einen Eingangs- und Besprechungsbereich vom offenen Arbeitsraum zu trennen. Hier haben die Architekten auch genügend Platz für ihr wachsendes Team. Verbunden werden die beiden Bereiche über eine raumhohe Punktscharniertür. Auch die raumhohen Vorhänge in den Farben Stahlblau, Grün und Senfgelb dienen der Unterteilung und dämpfen Geräusche, wenn konzentriert gearbeitet wird. Entlang der großzügigen Schaufenster wurden maßgefertigte Heizungsverkleidungen montiert, die zugleich als Ausstellungsfläche für Modelle dienen, um so auch Passanten Einblicke in die in den Räumen stattfindende Architekturproduktion zu ermöglichen. Raumhohe Regale schaffen Ordnung und halten den Hauptraum frei für die Arbeitsplätze mit ihren großen Schreibtischen. Ein im Zwischengeschoss gelegener Raum, der ursprünglich das Büro des Marktleiters war, wurde zur Teeküche mit Pausenraum umgenutzt. Insgesamt wurde viel Wert darauf gelegt, den Charme der 1960er-Jahre in das kontemporäre Gestaltungsprinzip zu integrieren. Dazu gehörte auch, den bestehenden Terrazzoboden zu erhalten, der aufgearbeitet wurde. Auch die filigran gearbeitete Fassade wurde vorsichtig saniert. Wände, Türen und Fenster sind hellgrau, die Decken weiß gestrichen, um viel Licht im Raum zu binden und einen neutralen Hintergrund für die schwarzen Tischinseln und farbigen Vorhänge zu bilden. Lichtschienensysteme und Spots sorgen für eine flexible Arbeits- und Effektbeleuchtung. Im Zuge der Sanierung wurden alle Sanitärobjekte sowie die gesamte Elektro- und Datenverkabelung ausgetauscht. So entstand aus einer in Vergessenheit geratenen Einzelhandelsfläche mit wenigen Eingriffen eine zeitgemäße, minimalistische und repräsentative Büroeinheit.

www.kirchbergerundwiegnerrohde.de

Fotos:

Aya Schamoni
http://interior.ayaschamoni.de/

(Erschienen in CUBE Berlin 03|22)

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