In der Welt ruhend

Eine Kapelle für ein Hospiz zieht ihre spirituelle Kraft aus der Geometrie

Am Ortsrand von Mechernich liegt das Hospiz des Sozialwerks Communio in Christo mit Ausblick in die grüne Voreifel-Landschaft. Die Langzeitpflegeeinrichtung wollte für Bewohner, Personal und Besucher einen zentralen Ort der Stille für das Gebet und der inneren Einkehr schaffen. Das mit dem Entwurf und der Ausführung beauftragte Kölner Architekturbüro Kaspar Kraemer schuf einen Andachtsraum, der formal ebenso reduziert wie symbolisch im Ausdruck ist.

Als die größte Herausforderung gestaltete sich dabei die exakte Positionierung der Kapelle: Das heterogene bauliche Umfeld der Einrichtung, das in verschiedenen Bauabschnitten entstanden war, sollte einerseits auf Distanz gehalten werden, um eine dem Inhalt angemessene Aura zu schaffen. Andererseits durfte der Raum aber auch nicht zu weit vom Leben der Gemeinschaft entfernt und musste leicht zugänglich sein. Die architektonische Lösung wurde in einem Plateau mit einer zur Landschaft geöffneten, zur Bebauung abschließenden Mauer gefunden, die den Besucher offen empfängt und – vom Alltag sukzessive entfernend – in den Andachtsraum hineinleitet. Der reduzierte Baukörper, der in seinen Kantenmaßen exakt einem euklidischen Würfel nachempfunden wurde, strahlt Reduktion und Konzentration aus und schafft einen würdevollen, zugleich aber auch unaufgeregten Rahmen für die Besinnung und das Gespräch mit Gott. Sowohl die Kantenlänge des Würfels (6 m) als auch des Plateaus (12 m) referieren dabei bewusst auf Traditionen christlicher Zahlensymbolik: So gilt die quadrierte Zahl 12 als Symbol des himmlischen Jerusalems und die Geometrie des Quadrats generell als Ausdruck des stabilen Ruhens in der Welt und somit Basis des Glaubens überhaupt. Ebenso wird die Zahl 6 als Symbol für die Schöpfung und das göttliche Sechs-Tage-Werk gesehen, aus dem sich gleichsam jegliches menschliche Tun auf Erden ableiten sollte. Im Gegensatz zu der äußeren Fassadenhülle und dem Plateau, die als Mauerverband mit Sandsteinplatten bekleidet wurden, beließ man den hohen Innenraum komplett weiß verputzt. Der separierte, neben dem Eingang situierte Andachtsraum nimmt eine Pietà-Bronzestatue der Künstlerin Maria Fernandez auf. Sie ruht auf einem Kerzentisch aus Ibbenbürener Sandstein mit davor aufgestellten Sedilien zum Sitzen. Hinterleuchtet wird der Raum indirekt über eine breite, unsichtbare Lichtöffnung im Dach. Das hohe, schmale Fenster vis-à-vis des Zugangs öffnet sich dagegen in den Himmel.

www.kaspar-kraemer.de

Fotos:

Annika Feuss
www.annikafeuss.com

Bronzestatue der Künstlerin:

Maria Fernandez

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 02|21)

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