Neues Arbeiten in alten Hallen

Von industrieller Nutzung zur Bürolandschaft für den Carlsen Verlag

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In der gut 120 Jahre alten, früheren Maschinenfabrik Gutmann in Ottensen hat das Berliner Büro de Winder Architekten für den Carlsen Verlag eine neue Bürowelt geschaffen. Sie ist Teil des Verlagscampus, der zur Zeit auf dem Areal Völckersstraße 20 entwickelt wird und ergänzt das Stammhaus um einen Standort in direkter Nachbarschaft. Eine große Herausforderung war die Umwandlung der heterogenen Hallengebäude in eine effiziente Büroumgebung für rund 70 MitarbeiterInnen. Durch behutsame Interventionen bleibt die alte Nutzung der Hallen ablesbar und wird zugleich der neuen Nutzung Raum gegeben.

Die zweigeschossige Bürofläche gliedert sich in zwei Abschnitte, die große Halle mit hoher Dachkonstruktion und die kleine Halle als eine Art Seitenflügel. Hier liegt der Haupteingang. In der sich anschließenden „Promenade“ sind bis zur Galerieebene aufragende Boxen versetzt angeordnet, sie nehmen Einzel-, Doppel- und Viererbüros auf. Der 35 m lange Gang ermöglicht informelle Meetings und gibt den Blick frei in die große Halle. Im Herzstück des neuen Verlagshauses ist ein rund 230 m² großer „Marktplatz“ angesiedelt, der mit Vorhängen abtrennbar ist. Ein grüner, grafischer Bodenanstrich im Industriebodenlook prägt diese Eventfläche und schafft Zonierungen für verschiedene Nutzungsszenarien. Ein transluzenter Vorhang erlaubt Tageslichteinfall. Die grafische Gestaltung des Bodens erstreckt sich bis in die Promenade. Als Besonderheit und in Anlehnung an die frühere Atmosphäre umfassen raumhohe rote, nach oben auslaufende Baugerüste auf drei Seiten die Fläche und ermöglichen flexible Bespielungen. Sie nehmen Sitzbänke und temporäre Arbeitsflächen auf, sind Stauraum, integrieren Bibliothek und Technik, bieten Möglichkeiten zum Aufhängen und Hinterleuchten von bedruckten Planen für verschiedene Veranstaltungsformate und lassen sich bedarfsgerecht umbauen. Im Obergeschoss befinden sich feste Galeriearbeitsplätze, ein kleiner Open Space für das Presse- und Marketingteam und eine Bibliothek mit Loungecharakter sowie ein verglaster Meetingraum für bis zu 16 Personen, der in die offene Eventfläche hineinragt. Über den umlaufenden Erschließungsgang ergeben sich Blickbeziehungen ins Erdgeschoss.

Um den Charme der Halle zu erhalten, wurden historische Spuren der Nutzung aufgespürt und aufgearbeitet. So sind jetzt alte Schalthebel und Bedientableaus, frühere Wand- und Fensterdurchbrüche oder Reste von Kranzügen ein atmosphärischer Teil der neuen Raumnutzung. Auch das Farbkonzept greift die Geschichte der Halle auf: Die vorgefundenen Bestandsfarben Grün und Rot aus der Zeit der industriellen Nutzung ziehen sich durch das ganze Gebäude und werden als Ergänzung zum zurückhaltenden Weiß und Grau in Böden, Textilien und Fliesen der Bürofläche in Szene gesetzt.

www.dewinder.de

Fotos:

Mark Seelen Photography
www.seelenplus.com

(Erschienen in CUBE Hamburg 03|22)

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