Josef Kaiser – Bauen für die DDR
Ausstellung in der Berlinischen Galerie
Josef Kaiser (1910–1991) zählt zu den prägenden Architekten der DDR und ist dennoch weitgehend unbekannt. Mit „Bauen für die DDR“ widmet ihm die Berlinische Galerie die erste umfassende Ausstellung. Zwischen 1950 und 1984 war Kaiser an zahlreichen staatlichen und kommunalen Projekten beteiligt, darunter in Berlin das Kino International, das Café
Moskau und die Mokka-Milch-Eisbar an der KarlMarx-Allee. Seine Bauten fanden auch international Beachtung, galten als Ausdruck des kulturellen Selbstverständnisses der DDR, viele stehen heute als herausragende Beispiele der Nachkriegsmoderne unter Denkmalschutz. Kaiser hinterließ nicht nur in Berlin Spuren, sondern auch in weiteren Städten Ostdeutschlands, etwa mit dem Kulturhaus Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn oder dem Wohnkomplex II in Eisenhüttenstadt.
Die Ausstellung eröffnet Zugang zu dem umfangreichen, erst seit Kurzem verfügbaren Archivmaterial und versteht sich zugleich als Ausgangspunkt für eine weitere wissenschaftliche
Auseinandersetzung. Teils noch nie gezeigte Zeichnungen, Collagen, Fotografien, Modelle und Filme aus dem Bestand der Berlinischen Galerie sowie aus nationalen Sammlungen rekonstruieren Leben und Wirken des Architekten und beleuchten politische wie ästhetische Spannungsfelder. Zeitgenössische künstlerische Positionen von Veronika Kellndorfer, Karsten Konrad und Tracey Snelling erweitern den Blick und eröffnen neue Perspektiven auf das architektonische Erbe der DDR als Teil der deutsch-deutschen Baugeschichte. Josef Kaisers Tätigkeit reichte von repräsentativen Kulturbauten über Wohngebäude bis zu städtebaulichen Ensembles und Sonderbauten. In einer Zeit, in der sich das Bauen zwischen politischen Programmatiken, städtebaulichem Experiment, Tradition und internationaler Moderne bewegte, entwickelte er eine eigene architektonische Handschrift, die funktionale Klarheit mit repräsentativer Geste verband. Seine Berliner Bauten im zweiten Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee stehen exemplarisch für den Wandel der Architektur in der DDR von einer monumental-repräsentativen zu einer technisch-modernen, alltagsorientierten Formensprache.
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