Fantasies of „the Other“
Exotisierende Architektur in Stuttgart vom 19. Jahrhundert bis heute
Im Europa des 19. Jahrhunderts verstärkte die koloniale Expansion den Drang, in die weite Welt aufzubrechen. Reisen und Berichte über ferne Länder erzeugten märchenhafte, verführerische und gleichzeitig hierarchisierend rassistische und sexistische Fantasien, die sich in der Raumgestaltung materialisierten.
Auch in Stuttgart ist das Exotische bis heute im Stadtbild eingeschrieben – mal chinesisch oder indisch, afrikanisch oder orientalisch. Die Wilhelma, das Lindenmuseum, der Chinesische Garten, aber auch Fahrgeschäfte auf dem Cannstatter Wasen oder das Tipi im Winterdorf wirken inzwischen so vertraut, dass ihre kolonialen Ursprünge verschleiert bleiben. An anderer Stelle wurde die ideologische Problematik überbaut, sodass das orientalische Büchsenbad, Nills Tiergarten oder die Völkerschau aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind.
Die Ausstellung Fantasies of „the Other“ in der Architekturgalerie am Weißenhof macht Exotismus in Stuttgart ausfindig und kontextualisiert ihn in seiner städtebaulichen und architektonischen Relevanz. Die Dekonstruktion seiner architektonischen Merkmale und Bedeutungsursprünge lädt dazu ein, den Einfluss des historischen und zeitgenössischen Exotismus auf etablierte Wahrnehmungsmuster kritisch zu hinterfragen. Die Illusion des „Anderen“ soll als eine in Europa geschaffene und fortwirkende Fantasie entschleiert werden.
Kuratiert von Agata Wolbert, Aleksandar Kuzmanov, Ismael Rittmann, Jalma Fiolka, Jonathan Dawit, Justus Büttner, Mathilde Le Monnier, María Fernanda López Galindo, Marie Falkenhan, Nina Ludwig, Xia Hua, Yassmina Makhlouf & Mila Kostović
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