Neuanfang unter einem Dach
Modernes Gebäude verbindet Arbeiten und Wohnen auf harmonische Weise
Die Flutkatastrophe im Ahrtal war vor fünf Jahren für viele Menschen verheerend; für das Bauunternehmen Otto Bau bedeutete sie vor allem einen räumlichen Neuanfang. Um diesen Weg zu initiieren, wandte sich der Firmeninhaber an den befreundeten Architekten Thomas Prior, der im Industriegebiet außerhalb von Dernau eine Mischlösung entwickelte, die Gewerbe und exklusives Wohnen verbindet. Dabei war der Wunsch des Bauherrn deutlich: Es sollte eine hochwertige Erdgeschossebene mit viel Licht und klarer Struktur entstehen, ergänzt durch eine repräsentative Fassadengestaltung. Im Obergeschoss war eine exklusive und individuelle Gestaltung gefragt, wobei insbesondere die Möbel nicht „von der Stange“ sein sollten. Mit anderen Worten: Angestrebt war ein modernes Gebäude mit Alleinstellungsmerkmal in der Region. Ein Ziel, das in vielerlei Hinsicht erreicht wurde.
Der Rohbau entstand in Brettstapelbauweise aus massiven Holztafeln, nachhaltig errichtet, energetisch ergänzt sowie in Teilen verblendet und verputzt. Ein Keller war von Anfang an nicht vorgesehen. Stattdessen plante man das Gebäude aufgrund des Flutniveaus um rund einen Meter höher. Da es sich um ein sehr in die Tiefe reichendes Bauwerk handelt, entschieden sich Architekt und Bauherr dafür, ein Atrium zu integrieren, das in der Mitte des Hauses Tageslicht spendet. Nachdem der Entwurf feststand, ging es an die Fassadengestaltung. „Da der Bauherr selbst aus dem Baugewerbe kommt, schlug ich vor, einen Verblendstein mit seinem Namen zu entwerfen und ihn selbst zu produzieren“, so Prior. Eine Idee, die ankam. Und so ziert heute ein „beschriebener“ lichtgrauer Betonklinker das Gebäude, der bis in den Erdgeschossinnenbereich führt. Das Besondere: Während die Fassade aus der Ferne betrachtet wie ein Relief wahrgenommen wird, ist erst aus der Nähe der Name lesbar. Als spannender Kontrast zum Beton dient im Obergeschoss eine Lamellenfassade mit dunkelbraunen Alupaneelen in Holzoptik. Die Farbgebung wird im Boden aus Ipéholzdielen fortgeführt, wodurch das Erd- und Obergeschoss optisch klar voneinander abgegrenzt werden.
Neben der Hochbaugestaltung beauftragte der Bauherr den Architekten auch mit der Gestaltung der Innenräume. „Eine Seltenheit heutzutage“, ist sich der Architekt bewusst, der voller Engagement in die Arbeit eintauchte: Alle Möbel, die Einrichtung der Tische, Schränke und die Teeküche im Erdgeschoss bis hin zu den Symbolen an den Toilettentüren wurden individuell gestaltet. Zudem entwarf der Architekt im Obergeschoss sämtliche Möbel selbst – ausgenommen das Sofa und die Esstischstühle, die von einer regionalen Tischlerei gefertigt wurden.
Fotos:
Leon Otto
(Published in CUBE Cologne Bonn 01|26)
