Skelett erhalten, gelände entsiegelt
Transmission eines Autohauses in eine Multi-Gewerbeimmobilie
Wo bis vor wenigen Jahren ein Autohaus mit Werkstatt stand, befindet sich heute ein Gewerbegebäude mit flexiblen Nutzungsmöglichkeiten. Den Namen „79 West“ verdankt es seiner Lage an einer Ausfallstraße im Westen von Straubing. Das ortsansässige Büro Pielmeier Architekten erhielt den Auftrag für die Planung und Umsetzung der neuen Immobilie. Planungsbeginn war 2022 und schon im Frühjahr 2025 konnten die Gebäude in Betrieb genommen werden. Heute beherbergt es neun Mietparteien unterschiedlicher Branchen.
Ein Teil des alten Gebäudebestands konnte nicht erhalten werden: Die Kontaminierung des Bodens der ehemaligen Autowerkstatt machte einen Abriss des Gebäudes und den Austausch des Erdreichs erforderlich. Dieser Gebäudeteil wurde durch einen doppelgeschossigen Neubau ersetzt. Der Betonskelettbau des Autohauses hingegen wurde erhalten, saniert und umgebaut, um graue Energie einzusparen. Das gesamte bis dato versiegelte Gelände wurde entsiegelt. Die Gestaltung der Keramikfassade der neuen Gebäude – der straßenseitigen Schauseite – musste mit dem Denkmalamt abgestimmt werden, nicht nur wegen der denkmalgeschützten gegenüberliegenden Bildungsstätte St. Wolfgang, sondern auch um der Anpassung an die Nachbarhäuser willen.
Gewählt wurde hierfür eine anthrazitfarbene vorgehängte und hinterlüftete Keramikfassade, deren Elemente eine gerillte Oberflächenstruktur aufweisen, um Licht- und Schatteneffekte zu erzielen. Die Art der Befensterung ist ebenfalls ein zusätzliches gestalterisches Element: Die Fenster sind in den zwei Obergeschossen des Bestands innenbündig und im Erdgeschoss außenbündig eingesetzt, da sich hier Gewerbe mit Publikumsverkehr niedergelassen hat und hierfür auch die „Schaufenster“ des Autohauses erhalten blieben.
Auch innen wurden nach Möglichkeit die großzügigen Raumhöhen und Spannweiten sowie die Betonrippendecke des Bestands beibehalten und teilweise gestalterisch auch in den Neubau übernommen. Neu hinzugekommen ist eine gemeinsame Dachterrasse für alle Parteien. Beim Innenausbau und bei der energetischen Ausrüstung wurde auf Nachhaltigkeit geachtet: Für die Dämmung setzten die Architekten auf Holzfaser, die Böden sind überwiegend aus Kautschuk. Die Heizung erfolgt mittels einer Luft-Wärme-Pumpe in Kombination mit einer PV-Anlage für den Strombedarf.
Für die Mieteinheit einer Kinderzahnarztpraxis wurde die Innenarchitektin Sarah Knauer, büro aestäs, hinzugezogen. Sie entwarf eine auf die kleinen Patient:innen bezogene Raumgestaltung, wie beispielsweise Wald-, Wasser- und Wolkenmotive in den zugehörigen Farbwelten Grün, Blau und Grau sowie eine irisierende Folierung der Türen. Dies alles in einer gewissen unperfekten Rauheit, um sich dem industriellen Look der Betonrippen anzupassen.
Fotos:
Simon Burko
www.simonburko.com
(Erschienen in CUBE München 04|25)