Vom Telegraphenamt zum Hotel

Neobarocke Postarchitektur in neuer Nutzung

Das ehemalige Kaiserliche Telegraphenamt in Mitte zählt zu den markantesten Postbauten des frühen 20. Jahrhunderts. Zwischen 1910 und 1916 nach Plänen des Architekten Max Lehmann im Stil des Neobarocks erbaut, galt es als der teuerste Postbau Deutschlands seiner Zeit. Seit 1919 war das Gebäude über Jahrzehnte hinweg ein zentrales Zentrum der Kommunikation. Dank einer damals hochmodernen Rohrpostanlage, die noch bis 1976 in Betrieb blieb, wurden von hier aus täglich 20.000 Telegramme auf den Weg gebracht.

Heute ist das natürlich alles längst Geschichte. Aus dem denkmalgeschützten Gebäude ist nach aufwendiger Restaurierung und Modernisierung ein privatgeführtes Boutiquehotel geworden, das – 2022 eröffnet – historische Elemente mit zeitgemäßem Komfort verbindet. Damals wie heute sind die markante Natursteinfassade mit den großen Rundbogenfenstern und die großzügige Auffahrt gegenüber dem Monbijoupark prägende Merkmale. Innen kontrastieren freigelegte Backsteinwände, historische Säulen, Mosaikböden und Kappendecken mit modernen Gestaltungselementen des Designbüros Dreimeta. Beige- und Grautöne, kombiniert mit bronzefarbenen Details, prägen die Atmosphäre. Besonders hervorzuheben sind die sieben Maisonette-Zimmer mit bis zu fünf Metern Deckenhöhe und bodentiefen Fenstern. Handwerkliche Details wie Fischgrätparkett und maßgefertigte Möbel setzen die historische Substanz in einen neuen Kontext. Der Gebäudekomplex umfasst mehrere Flügel, Treppenhaustürme, Innenhöfe und große Säle, die heute für Veranstaltungen genutzt werden können. Der ehemalige Kutscherhof erhielt ein Glasdach, das eine neue Nutzung als Eventfläche ermöglicht. Das Frühstück wird in den einstigen Arbeitssälen serviert, während Restaurants, eine Bar und Cafés das kulinarische Angebot ergänzen.

Mit seiner Lage unweit der Museumsinsel, der Hackeschen Höfe und des Fotografiska Museums gehört das Telegraphenamt heute zum „Forum an der Museumsinsel“, einem Stadtquartier, das historische Architektur aus mehreren Jahrhunderten in eine neue städtebauliche Nutzung einbindet. Das Gebäude wird damit zu einem Beispiel für den Wandel von Infrastrukturbauten zu Orten des städtischen Lebens – und für den schonenden Umgang mit einem bedeutenden Baudenkmal der Berliner Stadtgeschichte.

www.patzschke-architektur.de
www.telegraphenamt.com 

Fotos:
Florian Groehn
www.floriangroehn.com

(Erschienen in CUBE Berlin 04|25)

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