Bauernhaus reloaded
Ein Hof im Münchner Umland wurde zum Ort, der Geschichte atmet und Zukunft lebt
Seit dem 18. Jahrhundert befindet sich der Ostermaier-Hof im Landkreis Erding im Besitz der Familie von Sabrina Schmidpeter. Bis 2009 wohnten dort ihre Großeltern, danach stand der alte Hof im Münchner Umland zehn Jahre lang leer – erstmals in seiner mehr als 300-jährigen Geschichte. Als Sabrina Schmidpeter und ihr Partner das Anwesen 2018 übernahmen, spürten sie sofort: Dieser Ort darf nicht in Vergessenheit geraten. Die Sanierung wurde zu einer Herzensaufgabe, getragen von dem Wunsch, das Familienerbe zu bewahren und in ein Zuhause für kommende Generationen zu verwandeln: Mit Feingefühl und einem sicheren Blick für Raum, Licht und Material entstand der hof47 – ein Ort, an dem Geschichte spürbar bleibt und modernes Wohnen selbstverständlich wirkt.
Das historische Gewölbe mit Granitsäulen, einst ein Kuhstall, dient heute als heller Wohn- und Essbereich. Ein klar geformter, dunkler Küchenblock steht im Kontrast zur historischen Struktur und symbolisiert das Zusammenspiel von Alt und Neu, das sich durch das gesamte Haus zieht. Naturmaterialien wie Kalkfarbe, Leinen, regionales Leder, bayerisches Eichenholz und Naturstein prägen die Räume. Alles stammt aus der Region, gefertigt von Handwerksbetrieben, die den Hof mit derselben Leidenschaft begleitet haben. In Zusammenarbeit mit dem Münchner Designstudio 1zu33 und der Schreinerei Würzburger entstanden maßgefertigte Lösungen und Details, die die Handschrift des Hauses präzise fortführen. Die Möbel und Accessoires stammen überwiegend aus der Region oder von deutschen Designern – ein Bekenntnis zu Qualität, Nachhaltigkeit und lokaler Handwerkskunst: so wie der lange Esstisch aus heimischem Holz und die rundherum bequemen Armchairs mit geöltem Eichenholzgestell und hellem Stoffbezug einer norddeutschen Manufaktur. Diese fertigte auch die Hochstühle mit Sitzflächen aus braunem Leder für die Küche, die Funktionalität mit stilvoller Leichtigkeit verbinden. Bodenbeläge aus Naturstein und Holz unterstreichen die ruhige Atmosphäre im Haus, ebenso wie das Lichtkonzept mit wenigen Statementleuchten und indirektem Licht.
Feine, in die Dachschrägen integrierte Lichtbahnen tauchen das gebürstete Gebälk des ehemaligen Heulagers in warmes Licht. Licht, Heizung und Sicherheitssysteme lassen sich über KNX-Technologie und smarte Lösungen zentral steuern und schaffen ein modernes Wohngefühl im historischen Rahmen. Heute ist der hof47 nicht nur ein Zuhause für die Schmidpeters, sondern Ausdruck einer Haltung: Bewahren, was trägt und neu denken, was möglich ist. Über 300.000 Menschen verfolgen auf Instagram (@hof_no47) die Geschichte dieses Hauses – das zeigt, wie Architektur, Handwerk und Emotion zu einer neuen Form von Zuhause verschmelzen können.
Fotos:
hof47®
(Erschienen in CUBE München 01|26)