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Arbeiten mit dem Well-Being-Effekt

Das Büro als Hotel, Sehnsuchtsort, Ideengenerator, Experimentierfeld und Wellnessoase

Stellen wir doch einmal den Begriff des Büros infrage und erheben die kühne These, dass der Ort... mehr

Stellen wir doch einmal den Begriff des Büros infrage und erheben die kühne These, dass der Ort des Unternehmensbüros zukünftig Hub heißt – sozusagen: „Ich gehe heute ins Hub und treffe mich mit …“ Denn wohin sich die Arbeitswelt derzeit entwickelt, lässt durchaus Rückschlüsse zu, dass die Bürolandschaften dem Wohnumfeld zunehmend ähnlicher werden und zu einem Kreativort für Austausch, Zusammenkommen sowie gemeinsam Ideen entwickeln avancieren. Der Gedanke ist nicht so abwegig, denn hört man sich unter den Experten für Büro- und Arbeitswelten um, scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass genannte Kriterien zukünftig für resiliente und akzeptierte Arbeitsumgebungen in den Fokus rücken. Dabei fallen immer wieder Begrifflichkeiten wie Begegnungsstätte, Möglichkeitsräume oder Kommunikationszonen.

Laut Prof. Jan Teunen, Cultural Capital Producer und Geschäftsführer der Teunen Konzepte, muss sich das Büro der Zukunft obendrein als Kulturraum etablieren. Das kann seiner Meinung nach nur gelingen, wenn die Fragen im Hinblick auf die Qualität im Umgang mit Menschen sowie die Qualität im Umfeld des Menschen ausreichend beantwortet sind. Wie das jedoch in konkrete Gestaltungskonzepte umzusetzen ist, hierfür muss jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden. Es empfiehlt sich jedoch, die Mitarbeiter in den Gestaltungsprozess miteinzubeziehen. Finden deren Wünsche Berücksichtigung, dann tut man nicht nur ihrer Wertschätzung genüge, vor allem entspricht die spätere Arbeitsumgebung und die Arbeitsmodelle genau dem, womit sich die New Worker wohlfühlen. Und bekanntermaßen setzt das Wohlgefühl neues Energiepotenzial frei und führt zur stetig gewünschten hohen Produktivität. Um dies zu erreichen, sollte sich die hybride Arbeitsweise verstetigen. Zumindest, wenn es nach dem am häufigsten genannten Wunsch der Belegschaft geht. Hierbei kristallisiert sich das 2:3- oder 3:2-Verhältnis heraus. Das bedeutet entweder zwei Tage im Büro und drei im Homeoffice oder eben umgekehrt. Gleichwohl setzt sich das Bewusstsein fest, dass die Gewichtung der Arbeitsstrukturierung eine Veränderung erfährt. So wird Konzentration immer mehr im Homeoffice, sprich beim mobilen Arbeiten, stattfinden. Kollaboration und Kommunikation hingegen im Unternehmen verankert sein. Infolgedessen braucht es sogenannte Multiple-Use-Bereiche, die auf Vielfältigkeit und Bedürfnisorientierung setzen. An dieser Stelle darf ruhig mehr experimentiert werden, um die optimale Zusammensetzung der Flächengestaltung zu finden und Störfaktoren wie Lärm, ungenügendes Licht oder schlechte Luft zu eliminieren. Im ersten Immune Office Deutschlands in Aschheim wurden zum Beispiel in großem Stil Anlagen für Lüftungstechnik verbaut, wie man sie in Krankenhäusern vorfindet. Das führt nicht nur zu einer höheren Luftreinheit, in Kombination mit einer ausreichenden Luftfeuchtigkeit durch biophiles Design lassen sich so Atemwegserkrankungen um über die Hälfte eindämmen. Auch der Faktor Licht ist ein entscheidender, denn heutige Technologien müssen ebenso emotionale und biologische Bedürfnisse erfüllen.

Das Konzept eines Immune Office greift also im Kern die Themen Gesundheit, Aufenthaltsqualität und Bürodesign auf und forciert sozusagen ein Feelgood mit Initialzündung zur besseren Arbeitskultur. Genau nach diesem Prinzip handelt das Baseler Pharmaunternehmen Roche. Im Bürogebäude „Turm 2“ widmeten sie eine ganze Etage dem Motto „well-being & recharge“. Darin können die Angestellten zum Beispiel meditieren, schlafen oder Yoga praktizieren. Auch der Rest der Etagen klingt eher nach Hotel oder einem Zuhause. Arbeitsplätze heißen dort Sessel, Fokusraum oder Küche. Selbigen Ansatz zukünftigen Arbeitens zeigt der Siegerentwurf „Urban Kingdom“ von Anna Lena Mergenthaler, die damit den „Gesundbüro – The ActiveOffice Award“ von Eurocres in diesem Jahr für sich entschied. Mit ihrer Idee eines fünfstöckigen Sehnsuchtsorts für Arbeitswelten rüttelt sie an bisherigem Denken und treibt das Verschmelzen von Arbeit und Leben in einem Bürogebäude auf die Spitze. Wir werden in den kommenden Jahren viele solcher Ideen sehen, die jedoch alle eines eint: Der Mensch wird wichtigste Komponente eines Unternehmens.

(Erschienen in CUBE Inspire 01|22)