CUBE Hamburg · 04|18

74 KUNST UND KULTUR Ein zentrales Thema Barakehs ist der Verlust von Identität. In seiner Arbeit „Damascus 3D“ erschafft er ein Stadtmodell von Damaskus mit der traditionellen Technik der Holzintarsien- kunst. Mit diesemWerk kritisiert er den moder- nistischen Stadtumbau in Damaskus unter der Herrschaft des Assad-Regimes. Viele traditionel- le Basare – und damit auch ein Teil der syrischen Kultur – wurden für den Bau von Stadtauto- bahnen und großen Plätzen unwiederbringlich Der aus Damaskus stammende Khaled Barakeh lebt seit 2012 in Deutschland und beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Langzeitkonflikten und ihrer möglichen Befriedung, mit der Er- fahrung von Folter, Flucht und Exil und damit, wie geflüchtete Menschen mit ihren Kriegser- lebnissen, biografischen Brüchen und einem Neuanfang umgehen. Seine zum Teil eigens für die Ausstellung entstandenen Arbeiten thematisieren das Phänomen des Übergangs. Der Ausstellungstitel „Die blaue Stunde“ greift ein in vielen Kulturen bekanntes Motiv auf, das die Phase der Dämmerung nach Sonnen- untergang bis zum Eintritt der nächtlichen Dunkelheit beschreibt. Barakeh überträgt das Bild auf die Situation von Migranten, die sich in einer neuen Gesellschaft zurechtfinden und zugleich Fluchterlebnisse und Heimatverlust verarbeiten müssen. Der Konflikt zwischen der verlorenen Identität, dem ungesicherten Status und der Suche nach einer neuen Perspektive und Zugehörigkeit in der fremden Kultur sind geprägt von Trauer, Unsicherheit und Hoffnung. Zu sehen sind Skulpturen, Collagen und Me- dieninstallationen. Khaled Barakeh: Transparancies, 2009 bis heute, © Khaled Barakeh Khaled Barakeh: The Shake – Materialising the Distance, 2013, © Khaled Barakeh Khaled Barakeh: Syngamy, detail, 2010, © Khaled Barakeh DIE BLAUE STUNDE Bild-/Textquelle: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Khaled Barakeh

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