CUBE Frankfurt · 03|20

48 Raum gewinnen als Aufenthaltsorte oder begeh- bare Kunstobjekte immer mehr an Bedeutung. Nachdem Fahrstühle in öffentlichen Gebäuden oder Bürobauten Treppen in Nottreppenhäuser verdrängt hatten, gibt es wieder großartige Bei- spiele für denMehrwert ihrer Nutzung. Mit ihrer symbolischen Dimension sind Treppen längst Gegenstand von Film, Kunst und Literatur. Treppen sind fast so alt wie die Menschheit. Der Steigebaum – ein schräggestellter Baumstamm mit Kerben – war in der Steinzeit wohl das erste Hilfsmittel, einen Höhenunterschied zu über- winden. Sehr lange lebte der Mensch ausschließ- lich in Behausungen auf einer Ebene. In frühen Hochkulturen in Vorderasien oder Lateiname- rika waren Treppen kultischen Einrichtungen vorbehalten. Auch die Tempel der Antike nutzten die Symbolkraft von Stufen als Übergang zum Transzendenten. Das spiegelt auch die biblische Erzählung in der Genesis von der Himmelsleiter, einemAuf- und Abstieg zwischen Erde und Him- mel, den Jakob in einer Traumvision erblickte. Erst imMittelalter baute man zunehmend mehr- geschossig, Treppen wurden zum funktionalen Bauelement. Im Barock dienten äußerst prunk- voll ausgestattete Treppen und Treppenhäuser in Schlössern Repräsentationszwecken. Dieses Motiv wurde in der Neuzeit auch auf öffentliche Gebäude wie Theater oder Rathäuser übertra- gen. Die Moderne nutzte alle technischen und gestalterischen Möglichkeiten, um neue Kon­ struktionen und Formen für Treppen – nicht nur in Gebäuden – zu finden. Treppen im öffentlichen © Sonja Meistrowitz/gemeinfrei © Martin Jaeschke/HafenCity GmbH © GillyBerlin CC BY 2.0 Tiger and Turtle – begehbares Treppenkunstwerk von Heike Mutter + Ulrich Genth auf der Heinrich- Hildebrand-Halde in Duisburg Die Treppenanlage der Magellan-Terrassen in der Hamburger HafenCity ermöglicht vielfältige und gern wahrgenommene Nutzungen im öffentlichen Raum Luftig-leichte Treppen verknüpfen die Galerien der fünf Geschosse des Lesesaals der Stadtbibliothek Stuttgart DESIGNTREPPEN WELCHE VIELFALT! Von Himmelsleitern, Raumskulpturen und handgeschnitzten Geländern

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