CUBE Berlin · 02|23

02|23 WOHNGEBÄUDE Ganz- oder Part-Time-Wohnen – Endlich „was Eigenes“ auf dem Lande MIXED-USE GEBÄUDE Stapeln – Zonieren – Wege schaffen – Neues Quartier „Eiswerk“ in Mitte BAD UND WELLNESS Es wird bunt – Bei der Badgestaltung liegen ausdrucksstarke Farben im Trend KUNST UND KULTUR Visuelle Kommentare – Alice Springs. Retrospektive im Museum für Fotografie www.cube-magazin.de Das Berliner Magazin für Architektur, modernes Wohnen und Lebensart © Noam Rosenthal/ Trockland

3 GANZ- ODER PART-TIME WOHNEN – Endlich „was Eigenes“ auf dem Lande 4 QUASI IMHANDUMDREHEN –Mit wenigen Umbaumaßnahmen wurde das Stadthaus zumZweifamilienhaus 10 AUS EINS MACH VIER – Wandelbarer Neubau für ein Mehrgenerationenhaus in spe 12 GEMEINSAM FÜR EINE BAUGRUPPE – Erfreulich virtuos: Ein verspieltes und effizientes Ensemble 14 STAPELN – ZONIEREN – WEGE SCHAFFEN – Neues Quartier „Eiswerk“ in Mitte 19 ARBEITEN IM DENKMAL – Aus historischen Viehhallen wurden moderne Bürowelten 22 FARBENFROHE „BÄRENSCHULE“ – Erweiterungsbau der Grundschule in Friedrichshain 24 ALTE PRACHT WIEDERHERGESTELLT – Ehemalige Schau- und Verkaufsräume originalgetreu erneuert 26 EIN DORF IM FABRIKLOFT – Umbau einer Fabriketage in Kreuzberg 29 WELTWEIT AKTIV – Wie das zu schaffen ist, erklärt Architekt Martin Jasper 30 NEUE IMMOBILIEN in und um Berlin 32 WELTREISE AN EINEM TAG – Die „Gärten der Welt“ sind ein Erlebnis – auch sechs Jahre nach der IGA 34 VOM LANDHAUSGARTEN ZUM PARK – Noch heute trägt das Areal den ursprünglichen Namen Fraenkel 36 GEOMETRISCH UND BUNT – Die Möbel und Raumkonzepte von Sina Gwosdzik und Jakob Dannenfeldt 41 ALTER BODEN IN NEUEM GLANZ – Renovieren statt rausreißen – ressourcensparend und nachhaltig 46 ES WIRD BUNT – Bei der Badgestaltung liegen ausdrucksstarke Farben im Trend 48 WASSER IN BESTER FORM – Ein Architektenduo brachte in den 1970er-Jahren Farbe in die Armaturen 52 VISUELLE KOMMENTARE – Alice Springs. Retrospektive im Museum für Fotografie 54 CUBE IN BERLIN UND UMGEBUNG 56 GEWERKE- UND HERSTELLERLISTE 57 IMPRESSUM 58 Wohngebäude Mixed-Use Gebäude Gewerbliche Bauten Öffentliche Gebäude Baukultur Innenarchitektur Interview Immobilien Garten und Landschaft Design aus Berlin Werterhaltung Bad und Wellness Möbelklassiker Kunst und Kultur Service Impressum Wandelbarer Neubau für ein Mehrgenerationenhaus in spe – Seite 12. Aus historischen Viehhallen wurden moderne Bürowelten – Seite 22. Umbau einer Fabriketage in Kreuzberg – Seite 29. INHALT

4 GANZ- ODER PART-TIME WOHNEN Endlich „was Eigenes“ auf dem Lande Fotos: Marc Goodwin, archmospheres

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6 Einfamilienhäuser sucht man in Berlin vergebens. Nach der Wende bestand für die Berliner:innen endlich die Möglichkeit, aufs Land zu „fliehen“ und sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. InWandlitz zum Beispiel, wo früher die DDR-Elite hinter hohen Mauern ihre Feste feierte, konnte Grund und Baugenehmigung erworben werden. Seither wachsen zahlreiche Wohnbauten und Freizeithäuser an den Seeufern rund um Berlin. So wie in Zühlsdorf, unweit von Wandlitz, wo der Architekt Patrik Sonntag aus Berlin ein Wohngebäude für vier Personen auf knapp 100m2 gebaut hat. Das Haus trägt den Namen „Lichten – zuvor hatte ein Bungalow aus DDR-Zeiten hier gestanden, der vor Baubeginn demontiert wurde. Das Haus ist bis ins letzte Detail durchdacht und auf die Bedürfnisse der Bauherren zugeschnitten. Architekt und Bauherr standen in jeder Phase in engem Austausch. Mit Martin Lukasczyk (ortraum architects) konnte ein Experte im Umgang mit Massivholzbau in die Entwurfsplanung involviert werden. Das Haus ist vollständig aus massiven Holzelementen errichtet. In der Vorfertigungsphase erfolgte u. a. die Integration der Elektroinstallation in die Rohbauwände. Insgesamt wurde großen Wert auf die Nachhaltigkeit der Baustoffe und die Verwendung ökologischer Materialien gelegt: z. B. WOHNGEBÄUDE

7 fenbare Fensterfront gen Süden aus, sodass man sich selbst bei Regen auf der hölzernen Terrasse aufhalten kann. Bei komplett geöffneten Schiebefenstern ist die Südseite neunMeter lang und das Innere verschmilzt mit demGarten. Eigentlich sollte das Haus ein Ferienhaus werden – von Berlin aus benötigt man mit demAuto nur eine halbe Stunde – aber es ist durchaus denkbar, hier dauerhaft zu wohnen. Zwei kleine Schlafzimmer mit erhöhten Schlafkojen, ein Elternschlafzimmer, ein Gästebad und ein Elternbad schliessen an den großen offenen Wohnraum mit Küche Holzfaserdämmung, ökologische Vorvergrauung der Lärchenholzfassade und die schadstofffreie Imprägnierung des Estrichs – um nur einige Beispiele zu nennen. Das Besondere des Hauses ist jedoch seine Kubatur: Von Weitem wirkt es wie eine halb aufgeklappte Schatulle – die Bodenplatte ist flach, das Dach jedoch eine nach hinten abfallende identische Platte – ein gekipptes Flachdach. Die „Klappe“ vorn wird von hölzernen Stützen getragen und das Dach kragt weit über die öfWOHNGEBÄUDE

8 an. Selbst Gäste können auf einer eingezogenen Zwischendecke untergebracht werden. Ein Titanzink-Dach bürgt für eine lange Lebensdauer. So weit möglich, sind Möbel in die Architektur integriert, um Platz zu sparen. (Beteiligte Gewerke siehe S. 57) www.sonntag.biz WOHNGEBÄUDE Wohnfläche: 100m2 Grundstücksgröße: 900m2 Bauzeit: 9 Monate Bauweise: Massivholzbau Energiekonzept: Luft-Wasser-Wärmepumpe

Ob ausladende Liegewiese, lässige Récamiere oder extrabreites Sofa: Aus den drei Grundelementen des von Team Form AG gestalteten Trio lassen sich unzählige Kombinationen zusammenstellen und -schieben. Weil die rutschfesten Rückenlehnen zudem nur lose aufliegen, kann man das Möbelstück sogar von jetzt auf gleich verändern – mit wenigen Handgriffen und genau so, wie es einem gerade passt. COR Studio Grolmanstr. 36 10623 Berlin mo.– fr. 10 –19 Uhr, sa. 10 –18 Uhr T +49.(0)30.8892 0 888 info@corberlin.de cor.de/berlin Heute so, morgen so. M I T L I E B E H A NDG E F E R T I GT N AT Ü R L I C H N A C H H A LT I G 10 0 % M A D E I N G E RM A N Y C O R . D E / T R I O

10 denkmalgerecht umzubauen und zu sanieren. Nach 35 Jahren sollte das Haus an die Bedürfnisse der neuen Bewohner:innen angepasst werden. Den Ersteigentümern, einem Ehepaar im Ruhestand, war das Haus nach Auszug der Kinder zu groß geworden. Sie leben nun in der ErdDas Stadthaus ist Teil eines denkmalgeschützten Quartiers im Blockinnenbereich der Lützowstraße in Tiergarten, ganz in der Nähe des Landwehrkanals und des Bauhaus-Archivs. Seit 2019 ist das gesamte Quartier denkmalgeschützt. Es wurde im Rahmen der Internationalen Bauhausausstellung (IBA) Anfang der 1980er Jahre geplant und setzt sich aus vier Häuserzeilen zusammen, die über zwei Gassen erschlossen werden. Die Häuserzeilen bestehen aus sich abwechselnden Reihenhaustypen mit eigenen Gärten auf der Rückseite. Die Planung war als erschwingliche, innerstädtische Alternative zum Einfamilienhaus imGrünen gedacht und die Häuser wurden auch gleich nach Fertigstellung verkauft. Das Stadthaus mit der Nummer L47B, um das es hier geht, stammt aus der Planung der ArchitektenM. Schiedhelm und K.Axelrad aus dem Jahr 1985. Das Doppelhaus hat eine gemeinsame Erschließungstreppe auf der Mittelachse und wird so gespiegelt. Das Architekturbüro PAC – project architecture company – wurde beauftragt, das Haus mit seinen zwei Wohneinheiten auf vier Geschossen WOHNGEBÄUDE QUASI IM HANDUMDREHEN Fotos: bullahuth Mit wenigen Umbaumaßnahmen wurde das Stadthaus zum Zweifamilienhaus

11 anfertigen. Damit erhielt das Projekt eine KfWFörderung für energetische Sanierungsmaßnahmen. So entstand eine zeitgemäße Familienwohnung mitten in der Stadt und die – mittlerweile – Großeltern gewordenen Ersteigentümer können mit im gleichen Haus wohnen bleiben. www.project.ac geschosswohnung. Deren Tochter und Mutter eines Babys sowie ihr Mann hatten die Idee, die kleine Einliegerwohnung in der obersten Etage mit den beiden frei gewordenen Kinderzimmern zusammenzulegen. Mit minimalen Eingriffen und kleinem Budget wurde eine maximale Optimierung der Grundrisse erreicht. Der bestehende Split-Level-Treppenlauf zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss wurde demontiert und nach erfolgtem Deckendurchbruch ein halbes Geschoss höher gedreht wieder eingebaut. So wurden die beiden zur Gasse hin liegenden Kinderzimmer Teil der oberen Wohnung. Alle Originalbausteine wurden dabei in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde so weit wie möglich erhalten. Die obere Wohnung wurde nun gründlich saniert und neu organisiert: Die ursprüngliche Küche erhielt eine neue Trennwand und wurde so zum neuen Elternschlafzimmer. Aus einem Abstellraum entstand ein Kinderbad und aus dem Wohnzimmer eine großzügigen neue Wohnküche. Das ursprüngliche Schlafzimmer wurde mit neu eingebauter Lichtkuppel zum Studierzimmer. Die originalen Holzoberflächen der Treppen und Innentüren konnten erhalten werden. Neue Böden aus monochromen Linoleum in Grau oder Petrolblau wurden verlegt. Die Bauherren liessen eigens neue Fenster als Kopien der Originalfenster STADTHAUS L47B Schnitt M1:100 0 1 2 4 Kind Wohnküche Studierzimmer Wohnung der Großeltern Garten Gasse Eingang N STADTHAUS L47B Grundriss 2.-3.OG M1:100 0 1 2 4 Wohnküche Loggia Balkon Eingang Eltern WOHNGEBÄUDE

12 platten wurden übereinander gestapelt und um jeweils 90 Grad zueinander verdreht. Somit ist jede Geschossplatte in zwei Höhenniveaus unterteilt. Es entstehen unterschiedliche Raumhöhen von 2,5 Metern im Foyer und in der Garage von 2,1Metern sowie bis zu 4,6 Metern Die Bauherren wünschten sich für ihr neues Haus ein sehr variables Innenleben. Sie planten auf Jahre und Jahrzehnte hinaus, um die Immobilie später in ein Mehrgenerationenhaus verwandeln zu können. Damit konfrontierten sie die Architekten von FAKT aus Berlin – und es entwickelte sich daraus eine wahre Forschungsarbeit. Denn das, was die Kund:innen wollten, wird in Zukunft immer häufiger nachgefragt werden. Gleich zu Beginn wurde festgelegt, dass das Haus sowohl für einen Nutzer funktionieren, als auch in bis zu vier kleinere abgeschlossene Wohnungseinheiten teilbar sein sollte – sprich, es sollte für zukünftige Nutzungen flexibel bleiben. Der folgende architektonische Prozess war also gleichzeitig eine typologisch-räumliche Studie für ein wandelbares Mehrparteienwohnen. Der Neubau entstand in einer Siedlung mit Einfamilienhäusern aus verschiedenen Jahrzehnten. Es gab also kaum eine Notwendigkeit, sich vom Bautypus her an eine bestimmte Einheitlichkeit zu halten. Nachdem mehrere Lösungsansätze durchgespielt worden waren, fand man in der so genannten „Cross-Split-Konfiguration“ die passende Lösung: Mehrere gefaltete GeschossWOHNGEBÄUDE AUS EINS MACH VIER Fotos: Simon Menges Wandelbarer Neubau für ein Mehrgenerationenhaus in spe

13 beherbergt eine geschützte Terrasse mit einem dicht bepflanzten Dachgarten. Die Varianten, die sich nun für die Gegenwart und Zukunft ergeben, sind: Ein Einfamilienhaus für vier bis acht Personen, ein Mehrgenerationenhaus für fünf bis acht Personen als Wohngemeinschaft sowie ein Vier-Parteienhaus für bis zu zehn Personen. Insgesamt handelt es sich um ein Modell für künftiges platzgenerierendes Bauen. (Beteiligte Gewerke siehe S. 57) www.fakt-office.com als polyvalenter Wohnraum. Das Ergebnis der zueinander verdrehten Splitlevels ist ein Haus ohne einheitlich festgelegte Geschosshöhe. Es ergeben sich vier unterschiedliche Raumhöhen pro Etage und damit verschiedene Grade von Privatheit – von der offenen Wohnlandschaft bis hin zu einem introvertierten Einzelzimmer. Die Erschließung des Hauses erfolgt durch einen mittigen Kern. Um ihn herum sind die Wohnräume so angeordnet, dass sich der Treppenkern später verschließen lässt und durch einen Aufzug erweitert werden kann. Das Flachdach WOHNGEBÄUDE

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15 hin schließt den Block. Auf der Rückseite gibt es zwar viel Platz, aber nur ein langgestreckter Teil an der Westseite durfte bebaut werden. So zerfällt dieses Mehrparteienhaus in zwei Gebäudeteile. Das Vorderhaus mit seiner Fassade zur Straße hin geht leicht über Eck und greift die Giebel der Nachbargebäude auf, wodurch sich der Neubau sehr gut in seine Umgebung einfügt. Über dem abgesetzten Sockel erheben sich fünf weitere Vollgeschosse sowie ein ausgebautes DachgeBaugruppen sind erfreulicherweise eine neue und populäre Form auf dem Baumarkt. Da in fast allen deutschen Großstädten der Wohnraum begrenzt ist, ist er es auch und erst recht in Berlin. Hier macht das Modell, gemeinsammit anderenWohnungssuchenden und Bauwilligen ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine zu stellen, absolut Sinn. Die Planung, die Finanzierung und die Aussen- und Innengestaltung und auch die Grundstückssuche erfolgen gemeinsam. Bei dem hier dargestellten Projekt handelt es sich um eine der letzten Baulücken, die es in Neukölln noch zu finden gab. In der Donaustraße, zwischen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee, entstand ein Wohngebäude für insgesamt 15 Parteien – mit Unterstützung des Architekturbüro IFUB. Die Besonderheit dieses Architekturbüros fängt bereits beim Namen an. Versucht man auf der Webseite das Kürzel zu entziffern, ändert sich der Name – zumindest der Teil mit dem „U“, ständig. Alle Projekte des IFUB weisen irgendwelche Besonderheiten auf. Das Grundstück, das die „Baugruppe D2“ für ihr Vorhaben gefunden hatte, war sehr ungewöhnlich und schwierig zu planen. Nur ein kleiner Grundstücksteil zur Straße WOHNGEBÄUDE GEMEINSAM FÜR EINE BAUGRUPPE Erfreulich virtuos: Ein verspieltes und effizientes Ensemble für 15 Parteien Fotos: Thomas Straub

16 auch entlang der Ostseiten zu schaffen. Die dem Vorderhaus zugewandte Nordseite ist mit gelben, blauen und roten Klinkerriemchen verkleidet. Eine Sicherheitstreppe aus Metall schließt hier das Gebäude ab. (Beteiligte Gewerke siehe S. 57) www.ifub.de schoss. Markante Kreuzsprossenfenster betonen die holzvertäfelte Frontfassade und die genau an der Gebäudeecke sitzenden hölzernen Balkone sind so angebracht, dass sie jeweils das Dach des darunter liegenden Balkons bilden. Auch auf der Rückseite hat das Vorderhaus sonnige, nach Süden ausgerichtete Balkone. Die Wandlungsfähigkeit der Wohnungsgrundrisse war einer der wesentlichsten Parameter der Planung. Das Gartenhaus im Hinterhof wurde an die vorhandene Brandwand des Nachbarhauses angebaut. So können alle Wohnungen imVorderhaus sowie einige im Gartenhaus geteilt oder zusammengelegt werden. Das mit Aluminium verkleidete fünfgeschossige Gebäude wurde in der Höhe gestaffelt um die Abstandsflächen einzuhalten. Diese Einschränkung wurde gleichzeitig genutzt, umTerrassen mit viel Aufenthaltsqualität nicht nur im Süden, sondern WOHNGEBÄUDE

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19 vitalisierung, Sanierung, Umnutzung und Erweiterung für Büro, Wohnen und Gewerbe. Der Bestand umfasste eine Bruttogeschossfläche von 9.180m2, durch den Neubau kamen weitere 18.200m2 hinzu. Erster Baustein auf dem Gelände ist das einstige Wohn- und Geschäftshaus an der Köpenicker Straße, das saniert und mit einem neuenWohngebäude mit Gewerbeeinheiten ergänzt wurde. Nach der Wende war die Köpenicker Strasse wegen ihrer Nähe zur Berliner Mauer eine verödete Gegend – lediglich heute noch legendäre Clubs entstanden hier. Und nun, nach erstaunlich langer Zeit, nimmt das Areal Fahrt auf. Eines der neuesten Großprojekte ist das „Eiswerk“, realisiert von Graft, einer Gesellschaft von Architekten. Die Eisfabrik, auf die der Name zurückgeht, war 1995 nach fast einem Jahrhundert geschlossen worden. Hier wurde das Stangeneis zur Kühlung von Fleisch und anderen verderblichen Lebensmitteln erzeugt. Mit zunehmender Produktion von Kühlgeräten war dieses Gewerbe obsolet geworden. Lange Zeit wurde um den Erhalt der denkmalgeschützten Hochkältehäuser gekämpft. 2010 wurden sie dennoch zum Teil abgerissen. Der Industriekomplex war eine der typischen Backstein-Industrieanlagen, die zur Wende zum 20. Jahrhundert gebaut worden waren. Die Architekten von Graft entwickelten zunächst ein städtebauliches Konzept, das vorsah, einen öffentlichen Durchgang von der Köpenicker Strasse bis zur Spree zu ermöglichen. 2017 erhielten sie den Auftrag, 2022 wurde das umfangreiche Projekt fertiggestellt. Die Aufgabe umfasste die Areal-ReMIXED-USE GEBÄUDE STAPELN – ZONIEREN – WEGE SCHAFFEN Neues Quartier „Eiswerk“ in Mitte Fotos: Noam Rosenthal/Trockland

20 Zu den Ersten, die sich hier ansiedelten, zählt das benachbarte DAZ (Deutsches Architektur Zentrum), ein wenig versteckt im Hinterhof. (Beteiligte Gewerke siehe S. 57) www.graftlab.com Hier befindet auch auch der Zugang zumGelände mit einem abgestuften Eingangsportal. Spreeseitig wurde ein viergeschossiges Geschäfts- und Bürogebäude errichtet. Seine einzelnen Etagen sind versetzt gegeneinander, mit Auskragungen wie Tranchen, übereinander angeordnet. Das ehemalige Kühlhaus wurde entkernt und ebenfalls zu Büroräumen umgebaut. Heute ist es ein CoWorking-Place. Das ganze Ensemble mit seinem jetzigen Namen „Eiswerk“ wurde so zu einem neuen Quartier. Alle Gebäude sind durch einen Vorplatz im Erdgeschossbereich zusammengefasst. Ein geplanter Weg an der Spree entlang ist bislang nicht realisiert worden. Dies wäre der perfekte Abschluss des Areals. Möglich wären auch Anlegestellen, sodass man auf dem Wasserweg hier anlanden könnte. Nach und nach wird das Quartier wachsen. Einen Nachbarn gibt es schon: MIXED-USE GEBÄUDE © Ana Barros

22 Auktionshalle für importierte Schweine. Die ehemaligen Schlachthäuser haben jeweils eine Grundfläche von 60 mal 25 Metern. Die große Auktionshalle misst 50 mal 58 Meter, hat somit eine Grundfläche von circa 2.900m² und wird von 36 gusseisernen Stützen getragen. Die Firsthöhe der drei Hallen beträgt Meter, die Traufhöhen messen zwischen fünf und sieben Meter. Die drei historischen Hallen aus rotemKlinker wurden aufwändig restauriert, bevor der Umbau und damit die Revitalisierung erfolgen konnte. Es gelang, die Hallendecken nach historischer FarbZwischen 1877 und 1881 entstand auf einem 38,62 Hektar großen Gebiet in Lichtenberg der zentrale Vieh- und Schlachthof, der über 12 Jahrzehnte Berlin und sein Umland mit Fleisch versorgte. 1990 wurden die letzten historischen Hallen endgültig geschlossen. Danach lag das Gelände brach, die erhaltenen Gebäude blieben ungenutzt und verfielen zusehend. Ein Feuer in einer der Hallen vernichtete weitere historische Bausubstanz. Erst circa 30 Jahre später wurden die Hallen unmittelbar östlich der Landsberger Allee zu neuem Leben erweckt: Auf dem Entwicklungsgebiet „Alter Schlachthof “ entstand unter der Regie des Projektentwicklers HB Reavis ein Stadtteil, genannt „DSTRCT“, der vom Berliner Architekturbüro Gewers Pudewill geplant wurde. Das neue Carée umfasst drei historische Hallen und einen parallel zur Landsberger Allee liegenden fünfgeschossigen Gebäuderiegel. Hier soll zunächst vom Bestand die Rede sein, in einem weiteren Beitrag in der nächsten CUBE-Ausgabe Berlin folgt der Neubau. Die zwei lang gestreckten Hallen dienten seinerzeit als Schlachthäuser für Schweine, der nördlich angrenzende, rechteckige Baukörper war eine GEWERBLICHE GEBÄUDE ARBEITEN IM DENKMAL Fotos: HG Esch Aus historischen Viehhallen wurden moderne Bürowelten

23 erhalten; aber auch ausgewählte Graffiti aus der Zeit der (illegalen) Zwischennutzung wurden mit Sorgfalt gesichert. Auf jeweils einer Seite der alten Schlachthallen wurden Galerieebenen eingezogen und damit die Büro-Arbeitsflächen vergrößert. Holzbelegte Treppen verbinden die Arbeitsebenen. In den modernisierten Hallen bekommt Arbeiten und Kommunikation eine neue Qualität, eine überraschende Vielfalt sowie eine unverwechselbare Dimension. www.gewers-pudewill.de analyse wiederherzustellen. Die Fenster wurden sorgfältig gemäß dem historischen Original nachgebildet. Die Projektentwickler HB Reavis sah moderne Arbeitsplätze für die Kreativ- und Technikszene vor. Die beiden früheren Schlachthallen wurden somit zu modernen Büroflächen umgewidmet. „Die denkmalgerechte Sanierung und bauphysikalische Ertüchtigung übertraf vom fachlichen und finanziellen Aufwand her den eines kompletten Neubaus“, berichtet der Architekt Georg Gewers. Die behutsame Transformation konnte viele Zeugnisse der früheren Nutzung GEWERBLICHE GEBÄUDE

24 Klinkerfassade nimmt der Neubau Bezug zu den Relikten der frühen Industriebauten dieser Gegend – dem Alten Schlachthof oder der nahegelegenen ehemaligen Brauerei. Polygonale torbogenähnliche Einschnitte im Erdgeschossbereich bringen Licht ins Innere und gewähren Blicke beispielsweise in die Sporthalle und ins Foyer. Über den drei Stockwerken, knapp vor dem Flachdach, haben sich die Erbauer ein besonderes Beiwerk einfallen lassen: Wasserspeier Die Grundschule an der Pufendorfstraße in Friedrichshain war als Ergänzungsgebäude für einen modularen Ergänzungsbau (MEB) errichtet worden. Dieser war im Rahmen der Verordnung des Landes Berlin ein paar Jahre früher für die zu klein gewordene Schule entstanden. Nun war das Gebäude in Hinblick auf das Raumangebot viel zu klein und unzureichend geworden. Der Auftrag erging an das Architekturbüro NAK – Numrich Albrecht Klumpp – Spezialisten im Bereich Schulbau. In dem neu errichteten Gebäude musste genügend Platz für fehlende Klassenzimmer, Verwaltungsbüros, Fachräume und eine Zweifachsporthalle geschaffen werden. Das Gebäude verfügt über drei Etagen. Die Sporthalle liegt im ersten Untergeschoss und reicht bis zum Erdgeschoss. Zusammen mit der stillgelegten Auferstehungskirche sowie dem alten und neuen Schulhaus ergibt sich ein Dreigespann von solitären Baukörpern. Die beiden Schulen sind durch einen überdachten Gang verbunden. Das Ensemble ist umschlossen von einem parkartigen ehemaligen Friedhof im Südosten und einem Wohngebiet im Nordwesten. Mit seiner ÖFFENTLICHE GEBÄUDE FARBENFROHE „BÄRENSCHULE“ Fotos: Markus Ebener Erweiterungsbau der Grundschule in Friedrichshain

25 nichts denWeg versperren. Orange steht für den Zugang zu untergeordneten Räumen, nur der blaue Bereich kann frei möbliert werden. Nicht minder farbenprächtig ist das kaskadenhafte Treppenhaus. Die Treppenwangen sind in den gleichen gedeckten Farben gestrichen wie die Böden. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Kinder in dieser farbenfrohen Umgebung gern und leicht Zugang zum Lernen finden. www.nak-architekten.de in Form eines stilisierten Bärenkopfes sind reihum angebracht. Sie wurden mit Hilfe eines 3-D Programmes entworfen und von Baukeramikern hergestellt – dieses spielerische Element trug dem Gebäude den Spitznamen „Bärenschule“ ein. Auch das Innere der Schule hat einige Besonderheiten anzubieten – ins Auge fällt zunächst das Farbkonzept, das nicht nur schön, sondern auch funktional ist. Die Böden verfügen über farbige Linoleumbeläge, die gleichzeitigWegweiser sind. Die Farben folgen einer brandschutzrechtlichen Vorgabe: Rot steht für den Fluchtweg – hier darf ÖFFENTLICHE GEBÄUDE

26 und Café für den Saal im Erdgeschoss und zur Nutzung als Büroflächen imUntergeschoss. Das ehemalige Kontor wurde zu einer großzügigen Wohnung ausgebaut. Haus-Architekten erhielten den Auftrag, den historischen Saal zu sanieren und wiederherzustellen. Die Atmosphäre und Der Eisenwarenhändler FriedrichWilhelm Lademann erwarb das Grundstück an der Wallstraße im Jahr 1870 und begann sofort mit dem Bau eines viergeschossigenWohn- und Geschäftshauses. Ein Jahr später ergab sich die Gelegenheit, auch das Nachbargrundstück zu kaufen und er erbaute auch dort ein Mehrfamilienhaus. Zur Wallstraße hin gelten die Gebäude als zwei eigenständige Wohnhäuser – auf der Rückseite sind sie terrassenförmig gegliedert und zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Im Erdgeschoss waren in hohen atelierartigen Räumen und im Saal die Schauräume der Eisenwarenhandlung Lademann untergebracht. Vier gusseiserne, verzierte Stützen bilden das Tragwerk des beeindruckenden, 5,4 Meter hohen Saals, der zudem mit einer Empore im Mezzaningeschoss ausgestattet ist. Darüber befand sich im ersten Obergeschoss das Kontor. Der Saal erlebte ein wechselvolle Geschichte, zuletzt in den Nachwendejahren – als Veranstaltungsort. Er ist in die Denkmalschutzliste eingetragen. 2019 wurde für die Räum die Genehmigung zur Umnutzung erteilt: als Galerie BAUKULTUR ALTE PRACHT WIEDERHERGESTELLT Ehemalige Schau- und Verkaufsräume originalgetreu erneuert Fotos: haus.architekten

27 lichen Gestaltung nahezu komplett erhaltenen, ehemaligen Schau- und Verkaufsflächen einer breiten Öffentlichkeit zugute kommen zu lassen, soll der Bereich des Saals zur Wallstraße hin als Café und der Bereich zur Spree hin als Galerie und Businesslounge genutzt werden. www.haus-architekten.de der Charme des Raumes, der in einem desolaten Zustand war, sollten erhalten bzw. wieder hergestellt werden. Alle vorhandenen Elemente konnten erhalten oder ergänzt werden. Beispielsweise wurde die zerstörte Spindeltreppe, die einst ins erste Obergeschoss geführt hatte, zu einer Treppe umgebaut, die nun wieder in den Saal führt. In Abstimmung mit demDenkmalamt ist die farbliche Gestaltung, auf der Grundlage von Befunden anWänden und Decken, durchgeführt worden. Technisch notwendige Eingriffe und Einbauten sind unter Berücksichtigung des historischen Bestandes gestalterisch zurückhaltend eingegliedert worden. Im Mezzaningeschoss ist ein Besprechungsraummit einer Stahl-Glaswand zum Saal eingefügt. Neue Stahltreppen verbinden das Untergeschoss mit der Empore imMezzanin. Um die historisch wertvollen und in seiner ursprüngBAUKULTUR

28 wird, sondern die Gewerke für sich planen. Integrale Planung ist eine Idee, die es schon lange gibt, aber nicht in allen Bauvorhaben zu finden ist. Was ist Jung Home genau? KNX ist ein System, was sehr gut funktioniert. Allerdings ist es vielen Herstellern nicht gelungen, alle Handwerker dazu zu bewegen, dieses System intensiv zu nutzen und aus eigenem Interesse zu vermarkten. KNX funktioniert auch imAltbau, muss aber gut eingeplant werden. Es gibt eine Lösung: KNX RF, das über eine Funkstrecke läuft. Da ist allerdings das Thema, dass es mit Software programmiert werden muss, die nicht jeder Handwerker beherrscht. Also eher eine Kompetenzfrage. Bei der Sanierung ist es mit Jung Home möglich, die vorhandenen Kabel bei der Installation zu nutzen. Sprich ganz normale Adern, die in Schalterdosen vorhanden sind. Wir nehmen dann das mechanische Schaltwerk raus, ersetzen dieses durch einen elektronischen Schalter und sobald eine Abdeckung drauf sitzt, ist die Schaltdose wieder voll funktionstüchtig. Die systemische Lösung vernetzt dann diese Abdeckungen miteinander. Alle Geräte sind intelligent, sprich es sind Funktionen wie Zeit, Astro und so weiter verbaut. CUBE: Im wesentlichen gibt es für ein Smart Building drei Treiber: Energieeffizienz, Flächenoptimierung und Work-Space-Experience. Schauen wir mal auf das Gebäude 4.0. Was könnte es alles bewerkstelligen und worin sehen Sie heutige Herausforderungen? Deniz Turgut: Betrachtet man den Energieaspekt, kümmern wir uns ganz häufig um die Symptome und nicht die Ursachen. Bei Energie und Energieverbrauch geht es in erster Linie um die Leistung, die gezogen wird. Viel wichtiger ist das Bewusstsein. Die meiste Energie wird unbewusst verwendet. Wesentliche Punkte in Zukunft werden sein, das transparenter zu machen. Fakt ist: das ist unisono. Kann man etwas nicht messen, kann man es nicht steuern. Sieht man sich an, wie die meisten Gebäude heute konzipiert sind, sind sie so schlau wie vor 100 Jahren. Vergleichbar ist das damit, dass ich Auto fahre, immer tanke und die Kosten nicht wissen würde, außer zum Jahresabschluss. Wie kann dort entgegen gewirkt werden? Die Frage ist nicht, ob sie es können müssen. Die Frage ist eher, was Gebäude heute alles abbilden müssten? Gebäude könnten abbilden, dass Energie bedarfsgerecht genutzt wird – also dann, wenn jemand da ist, der sie wirklich benötigt. Wie viel Licht anbleibt, wenn niemand da ist, wie das Thema Temperatur geregelt wird, wenn niemand da ist, ist nicht bedarfsgerecht. Es wäre möglich, eine sinnvolle Nutzung mit deutlicher Effizienzsteigerung zu erreichen. Das bedarf einer gewissen Vernetzung und Logik, welche dahinter gelöst werden muss. Wir stellen fest, dass bei Bauvorhaben sehr häufig nicht integral geplant Deniz Turgut Deniz Turgut ist seit 2015 Global Head of Marketing bei Jung. Zuvor leitete er 15 Jahre erfolgreich die Objektvertriebsabteilung. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Familienunternehmen verfügt er über ein umfassendes Know-how in der Leitung und Umsetzung von Marketingstrategien. Jung steht mit einer Unternehmensgeschichte von mehr als 100 Jahren für zeitloses Design und zukunftsorientierte Gebäudetechnik. Jung Systeme bieten Lösungen für unterschiedliche Anforderungen für Licht, Beschattung, Klima, Energie, Sicherheit, Türkommunikation und Multimedia. Die Produkte werden zu 90 Prozent in Deutschland gefertigt, belegt durch das TÜV Nord Prüfsiegel „Made in Germany“. Mit dem Bekenntnis zur Produktion in Deutschland setzt Jung zugleich auch auf nachhaltige und ressourceneffiziente Herstellungsprozesse. INTERVIEW ALLE GERÄTE SIND INTELLIGENT Foto: Jung.de Deniz Turgut im Gespräch über Steuerung und smarte Vernetzung in Gebäuden Mehr zum Thema Smart Home und der Automation von Gebäuden hören Sie in unserem Podcast-Gespräch, das CUBE-Redakteurin Kelly Kelch mit Deniz Turgut geführt hat. Einfach den QR-Code scannen und los geht’s. Podcast anhören

29 Erbstücken oder Zufallsfunden. In die andere Hälfte wurden kleine Boxen – oder „Dorfhäuser“, wie die Besitzer sagen – scheinbar salopp auf der Fläche verteilt: Eine Box für Arbeiten, eine Ecke zumKlavierspielen, eine Box für die Tochter und ein gemeinsames Zimmer für die beiden Söhne. Ebenso handelt es sich beim Elternschlafzimmer, den Bädern und einem Arbeitszimmer um lose im Loft verteilte Haus-im-Haus-Elemente, die eine kleine Dorflandschaft simulieren. www.batekarchitekten.com Wohnungssuche in Berlin ist kein Spaß – und schon gar nicht für eine fünfköpfige Familie. Durch einen Zufall gelang es den deutsch-mexikanischen Eltern mit drei Kindern eine Fabriketage zu finden – ein Loft – das aus nichts als einem 240m2 großen, leerem Raum mit hohen Decken und ein paar Überbleibseln der ehemaligen Metallfabrik in Kreuzberg bestand. Ein Traum zum Wohnen, wenn man versteht, ihn perfekt auf die Bedürfnisse dieser Familie einrichtet. Die Bauherren lernten den Architekten Patrick Batek kennen und man fand nach ein paar Gesprächen relativ rasch zusammen. Der Architekt verstand auf Anhieb, was den Loftbesitzern vorschwebte: Sie wollten ein „Dorf “ in diesem riesigen Raum errichten – einen nach Bedürfnissen und Funktionen zonierten Raum. Dazu benötigte man Ecken und Nischen, Boxen und Freiflächen. Ungefähr die Hälfte des Raumes nimmt nun die Küchenwand, der freistehende Küchenblock, ein Essplatz und die Wohnecke ein. Die Einrichtung ist einMix aus ikonischen Designerstücken, neuen, teilweise extra angefertigtenMöbeln und INNENARCHITEKTUR EIN DORF IM FABRIKLOFT Fotos: Marcus Wend Umbau einer Fabriketage in Kreuzberg

30 ma CO2 ist wahnsinnig brisant. Viele Bauweisen von früher sind nicht mehr machbar. Dadurch wird ein großer Schwenk in Richtung Holzbau passieren. Wir arbeiten gerade an einem großen Holzbau-Projekt, einem 11.000m² Hostel in Hohenschönhausen. Zudem gibt es noch die Digitalisierung des Bauens auf der Baustelle durch BIM. Und auch der 3D-Druck von Gebäuden wird meiner Meinung nach auf jeden Fall den Hausbau revolutionieren. Befürchten Sie nicht, dass gerade bei BIM die Gestaltung auf der Strecke bleibt? Es ist tatsächlich so, dass die Werkzeuge im Bereich BIM oft ein bisschen steif sind, wenn es darum geht dem Gestaltungswillen freien Lauf zu lassen. Da muss man ein wenig aufpassen. Könnten Sie den Vortrag, den Sie auf der Leitmesse BAU 23 gehalten haben, kurz zusammenfassen? Was war Ihr Thema? Es ging umNachhaltigkeit. Deshalb ging der Vortrag hauptsächlich um das „Projekt UP!“. Das Ganze war eingebettet in unseren Werdegang als Büro und Unternehmen. Wo kamen wir her und wie war der Weg da hin. In dem Vortrag wurde unsere Methodik vermittelt. Was bedeutet es, wenn man in solch kontrastreichen Kontexten arbeitet? Ich gehe immer davon aus, dass Qualität entsteht, wenn man sich zunächst in den Kontext vertieft und einarbeitet. Daraus entwickeln sich über die Parameter vor Ort eine Art von Regelset, welches beim Entwerfen leitet wie ein roter Faden. Das Entwerfen ist dann ein Entstehungsprozess. Es bedeutet nicht, dass sich jemand hinsetzt und etwas einfach nur designt, weil er es für richtig hält. Es ist ein Spiegelbild von Ansätzen und Lösungsversuchen, die man umsetzen will, um die ergebenen Parameter in Einklang zu bringen. Wir sprachen über die Zukunft es Bauens. Wie schätzen Sie die Zukunft des Wohnens ein? Die Leute wollen einen effiizienten Wohnraum. Nicht unbedingt viel Fläche, aber eine qualitative Fläche. Sie soll einen Außenbereich bieten, Pflanzen beherbergen, die Materialien sollten natürlich sein und man braucht Tageslicht. Der Markt verlangt einfach nach dieser hohen Qualität. Ich bin ein großer Verfechter von Mischnutzung. Beispiele wie die berühmte Berliner Mischung, wo überall kleine Innenhöfe waren, ist doch fantastisch. Man wohnt oben, geht runter und trinkt einen Kaffee. Das hat ein bisschen was Südländisches. Das bringt Lebendigkeit in die Städte. CUBE: Sie reisen zwischen Ihren vielfältigen Projekten und ihren Büros hin und her. Welches ist der Hauptstandort? Martin Jasper: Berlin ist auf jeden Fall der größte Standort. In Buenos Aires fingen wir 2008 an, dann folgte 2012 die Niederlassung in Wien und 2016 dann in Berlin. Furore gemacht hat Ihr Projekt „UP!“ In Berlin. Es handelt sich um ein ehemaliges Kaufhaus in Ostberlin. Das Besondere an diesem Entwurf ist die vollständig verglaste Fassade und die Einschnitte in die Tragstruktur. Wir haben analysiert: Was birgt das Gebäude für ein Potenzial an Flächen und was braucht die Stadt Berlin gerade? 2016 war der Hype um die Start-Ups in der Hauptstadt ganz groß. Also kamen wir zu dem Entschluss, dass das ganze eine Art Start-Up-Hub werden sollte. Wie kann man so einen Block von 80 mal 80 Metern bis in die Tiefe beleuchten? Daraus entwickelte sich das Konzept, von außen Kerben in den Kubus zu schlitzen. Es muss eine Bauwende geben. Wie kann sie in Ihren Augen gelingen? Es wird starke Veränderungen im Bereich der Planung geben. Die Digitalisierung wird weiter fortschreiten und viele Prozesse automatisieren. Bei uns im Büro nutzen wir jetzt Virtual Reality-Brillen, damit wir uns mit den Kunden in einer virtuellen Welt treffen können. Das TheMartin Jasper Jasper Architects wurde 2008 vomArchitektenMartin Jasper gegründet und hat Niederlassungen in Berlin, Buenos Aires und Wien. Das Team arbeitet an Projekten in Deutschland, Polen, Österreich, Spanien, Ecuador, Argentinien, Chile, Peru, Panama und der Karibik. Das Portfolio umfasst verschiedene Projekte von der Innenarchitektur über die Gebäudegestaltung bis hin zur Stadtplanung, die alle einer gemeinsamen Methodik folgen: Die Projekte passen sich an das lokale Milieu, die Geschichte und den Kontext an und die Entwurfskonzepte werden aus einer tiefgreifenden Analyse und dem Verständnis dieser Parameter heraus entwickelt. © Laessig INTERVIEW WELTWEIT AKTIV Wie das zu schaffen ist, erklärt Architekt Martin Jasper in diesem Podcast Mehr zu Martin Jaspers Einschätzung der Bauwende und des zukünftigen Wohnens hören Sie in unserem PodcastGespräch, das Christina Haberlik mit Martin Jasper geführt hat. Einfach den QR-Code scannen und los geht’s. Podcast anhören

31 zeugt – nicht nur von der maßgeschneiderten und ganzheitlichen Planung und Umsetzung durch den Fachbetrieb, sondern auch von der Qualität der eingesetzten Produkte undMaterialien von Brillux: Sei es die Lasur für die Holzpaneele, der besondere Putz an der Fassade oder der fugenlose Boden der Gartendusche. Ihr buchstäbliches Highlight: Die raffinierten gestalterischen Details. Eins davon ist die außergewöhnliche Fassade: Durch Spiegelbruch entsteht hier je nach Lichteinwirkung ein eindrucksvolles Glitzern. Das macht aus der ansonsten schlicht gehaltenen, weißen Fassade etwas ganz Besonderes. www.brillux.de/zuhause Mit diesemHaus im grünen Gürtel der Großstadt hat sich ein Paar mittleren Alters den langgehegten Traum vomNeubau in der Natur erfüllt. In ihrem neuen Refugium verwischen die Linien von Innen und Außen: Der Außenbereich wird zur Verlängerung des Zuhauses – dazu schafftdie schwellenlose, großzügige Schiebetür einen nahtlosen Übergang der ehemals strikt getrennten Areale. Fortgeführt wird dieser Gedanke durch den Essplatz und einen Loungebereich auf der Terrasse sowie die Gartendusche, die zu einer Abkühlung nach dem Sonnenbad einlädt. Die geraden Linien des Neubaus, gepaart mit denMaterialien und Farbtönen, unterstreichen den Naturlook und strahlen Zen-Feeling aus. Diese wunderschöne Outdoor-Oase konnte mit dempassendenMalerfachbetrieb entstehen. Diesen hat das Paar über Brillux Zuhause ausfindig machen können. Hier finden Interessierte Inspirationen und Rat für ihr nächstes Bau-, Sanierungs- oder Renovierungsprojekt. Der Fachbetriebsfinder auf brillux.de/zuhause vermittelt dafür in nur wenigen Klicks Betriebe in der eigenen Region, die auf die Qualität von Brillux setzen. Das designaffine Bauherrenpaar war jedenfalls voll und ganz überWOHNGEBÄUDE OASE MIT ZEN-FEELING Fotos: Brillux Der Weg zum Traumhaus führt über Brillux Zuhause Sogenannter Spiegelbruch sorgt für ein besonderes Funkeln in diesem Putz. Die schlichtgehaltene weiße Fassade bekommt so einen einzigartigen Touch. Wohnzimmer-Feeling auf der Terrasse: Der gemütliche Loungebereich verspricht lange Tage und Abende unter dem Sommerhimmel. Anzeige

32 NEUE IMMOBILIEN IN UND UM BERLIN Das Jobcenter hat ein neues Bürogebäude auf demGelände des ehemals leerstehenden UCI Kinos in Friedrichshain-Kreuzberg bezogen. Die durch die Centrum-Gruppe entwickelte Immobilie mit rund 16.700m2 Bürofläche erhielt für ihre Verbindung von Ökologie, Ökonomie, Innovation und Nachhaltigkeit von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DNGB) die höchstmögliche Zertifizierung in Platin. Der Bau nach einem Entwurf des Berliner Architekten Manfred Treiling besticht durch die treppenartige Gestaltung durch Terrassen. So wird eine Vielzahl von Außenbereichen gebildet, die intensiv begrünt werden. Die Klinkerfassade besteht aus traditionell hergestelltenWasserstrichziegeln sowie hochenergieeffizienten dreifach verglasten Fenstern inklusive Schallschutz und integriertem Sonnenschutz. Durch das Nebeneinander von Sichtbetonflächen und wertigen Ausbaumaterialien sorgt der Architekt im Inneren für einen ruhigen und sachlichen Charakter, der die Einrichtung flexibler Büroflächen für unterschiedliche Arbeitswelten unterstreicht. Zum neuen Jobcenter gehört auch eine eingeschossige Tiefgarage mit einem hohen Anteil an Fahrradstellplätzen. Im Erdgeschoss wird es eine Kita für ewa 40 Kinder geben. www.centrum-group.de Unweit von Kurfürstendamm, Olivaer Platz und Ludwigkirchplatz entwickelt die Incept-Gruppe in ruhiger Hinterhoflage das Neubauprojekt „Capsule“, bestehend aus fünf Eigentumswohnungen. Die gradlinige Architektur wurde von Planwerk-Architekten in Zusammenarbeit mit Karsten Waldschmidt entworfen. Schmale Gesimse durchziehen die sechsgeschossige Putzfassade. Alle der Drei- und Sechszimmerwohnungen mit einer Wohnfläche von 92m2 bis 173m2 verfügen über eine Aussenfläche wie z. B. Privatgarten, Balkon, Terrasse oder Aufdachterrasse. Zur Ausstattung gehören bodentiefe Fenster mit Holzrahmen, Eichen-Echtholzparkett in den Wohnräumen, Fußbodenheizung, begehbare Ankleiden und Masterbäder en Suite. Drei der Wohnungen sind barrierefrei gestaltet, zudem gibt es zwei Maisonettewohnungen, davon verfügt die untere auf 173m2 über sechs Zimmer. Ein offener Koch-/Wohn-/Essbereich im Erdgeschoss bietet Raum für geselliges Miteinander. Mit dem BEG-Effizienzhaus-Standard 55 weist „Capsule“ einen niedrigen Energiebedarf aus. Der Neubau verfügt über einen Autoaufzug zur Tiefgarage, Wallbox-Montagevorrichtungen zum Laden von E-Autos. www.incept.dev © Ziegert GmbH © Ziegert GmbH © Centrum © Centrum INNOVATIV Bürgebäude in Friedrichain-Kreuzberg IN BESTER LAGE Neubauprojekt „Capsule“ in Wilmersdorf

33 INTERVIEW es auch immer um Informationsgewinnung geht. Der schmale Grad liegt immer am Punkt der Privatsphäre. Wir kennen das aus der Akustik bei NewWork bereits. Wenn die Privatsphäre betroffen ist, leidet die Qualität. In der Smart City verhält sich das natürlich ähnlich. Möglich ist vieles, aber wir wollen nicht alles. Es soll nicht beliebig viel Information gesammelt werden, im Sinne des Schutzes der Privatsphäre. Natürlich können wir die Städte umbauen, zum Teil müssen wir sie umbauen. Herausforderungen kommen vomÖkologischen, aus der Mobilität und Energiebereitstellung, die sich imMoment und auch perspektivisch nicht so einfach lösen lassen. Dafür brauchen wir ein stabileres Informationsfundament. Wir müssen es aus meiner Sicht sinnvoll bauen. Im Stadtkontext ist das schwer. In der Öffentlichkeit muss die Bevölkerung mit dem, was erwünscht ist, wahrgenommen werden. Grenzen sind gesetzt und es ist vermutlich auch nicht die dringendste Aufgabe aktuell. Wir haben auch einen physischen Umbau, der nicht auf dem Digitalen läuft. Wir stellen uns Fragen mit Entschleunigung, mehr Grün, Resilienz und zusätzlichen Räumen, die wir generieren können. Strukturelle Fragen rund um die Stadt, die sich nicht mit Smart City beantworten lassen. CUBE: Was ist für Sie Smart City? Thomas Kirmayr: Aus meiner Sicht ist smart und Smart City etwas, das uns in unseren wichtigen Faktoren vorwärts bringt: Lebensqualität schaffen, Effizienz steigern und dass Verkehr reduziert wird oder besser fließen kann, dass Gebäude effizienter betrieben werden können und dass wir mit Potenzialen besser umgehen können. Projizieren wir Smart City auf ein Gebäude, dann geht es heute auch sehr viel darum, den Betrieb kosteneffizient zu gestalten, aber auch Freiräume zu finden. Wie kann man sich in seinem neuen Arbeitsraum orientieren? Eine Smart City ist aus meiner Sicht eine Stadt, die die Digitalisierung und auch IoT nutzt und uns mehr Lebensqualität, Nachhaltigkeit und soziale Interaktion zusichert. Meist verbindet man mit einer Smart City Drohnenflüge, Taxis ohne Fahrer und Fahrstühle, die horizontal und vertikal fahren. Dafür sind wir aber nicht intelligenter geworden. Smart ist für mich immer ein Begriff, der etwas gut macht. Einen Menschen smart zu beschreiben, ist eigentlich sehr positiv. Der macht das auf eine gute Art undWeise sehr geschickt und intelligent. Dass eine Stadt smart sein kann, ist natürlich an sich schonmal schwierig zu interpretieren. Die Stadt an sich wird ja auch nicht smart, sondern betreibt Informationsgewinn. Halten Sie es für realistisch unsere Städte zu einer Smart City umzuwandeln und was bedarf es für einen solchen Prozess? Natürlich ist es möglich und es ist eher eine Frage der Investition und Umsetzung. Limitiert sind wir eher dadurch, was wir zulassen wollen, weil Thomas Kirmayr MBA und Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH). Kernkompetenzfelder u. a.: Digitales Planen und Bauen sowie systemisches Bauen und Sanieren. Zu seinen wichtigen Funktionen zählen: Board-Member CIB -„International Council for Reserach and Innovation in Building and Construction“, Beiratsmitglied der RKW-Bau und des Verbands für die Digitalisierung im Immobilienbetrieb CAFM-Ring e.V., Wissenschaftlicher Beirat in der „Smart Building Innovation Foundation“ und im „GAIA-X-Hub Deutschland“ sowie darüber hinaus Mitglied des Expertenteams „BIM-World Munich“, Jury-Mitglied „Green-BIM-Award“ und Schirmherr der BIM-Tage Deutschland. Außerdem besitzt er mehrere Mandate im Digitalisierungs- und Innovationsmanagement der Industrie. Wichtige Projekte: u.a. Bauen mit Weitblick – Industrielle und serielle Bausystemlösungen. Seit 2017 ist Thomas Kirmayr Geschäftsführer der Fraunhofer-Allianz-Bau sowie Leiter des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Planen & Bauen. „DAS BRINGT UNS VORWÄRTS“ Foto: Fraunhofer/Thomas Kirmayr Thomas Kirmayr, Geschäftsführer Frauenhofer-Allianz-Bau, zum Thema Smart City Mehr zum Thema Smart City hören Sie in unserem PodcastGespräch, das CUBE-Redakteurin Kelly Kelch mit Thomas Kirmayr geführt hat. Einfach den QR-Code scannen und los geht’s. Podcast anhören

34 realisiert. 2007 folgten der Irrgarten und das Labyrinth. 2008 wurde der italienische Renaissancegarten für das Publikum geöffnet. Hinzu kamen 2011 der Christliche und der Englische Garten 2017. Im selben Jahr eröffnete die IGA. Einige Besonderheiten der Gärten sind der größte Chinesische Garten Europas – auch „Garten des wiedergewonnenenMondes“ genannt. Er wurde anlässlich der Städtepartnerschaft Berlin-Peking angelegt. Es gibt originalgetreue chinesische Bauten, darunter ein Teehaus namens Berghaus und zu einem kleinen Teich führt eine ZickzackIm Rahmen der Internationalen Gartenausstellung 2017 sind auf einemAreal von 43 Hektar die „Gärten der Welt“ gewachsen. Auch sechs Jahre später werden sie noch gehegt und gepflegt und erfreuen sich einer großen Besucherzahl. Man sollte sich schon einen Tag Zeit nehmen, um alles in Ruhe anschauen zu können. Und das Areal, gelegen im Erholungspark Marzahn, ist sogar weiter gewachsen. Zuletzt eröffnete der Jüdische Garten im Jahre 2021. Im Labyrinth der schönsten „Gärten der Welt“ findet man unterschiedliche Varianten ländertypischer Gärten. Ohne Wegeplan ist man hier allerdings verloren, man findet hinein – aber nicht mehr heraus. Ursprünglich gingen die Gärten zurück auf den Erholungsgarten Marzahn, der 1987 aus Anlass der 750-Jahr-Feier der Stadtgründung Berlins angelegt wurde. Gegen Ende der 1990er Jahre begann man mit dem Projekt „Gärten der Welt“. Der Reihe nach entstanden im Jahr 2000 der Chinesische sowie 2003 der Japanische und der Balinesische Garten. Nach zwei Jahren Pause wurden 2005 der Orientalische und 2006 der Koreanische Garten © Grün Berlin © Konstantin Börner © Ole Bader GARTEN UND LANDSCHAFT WELTREISE AN EINEM TAG Die „Gärten der Welt“ sind ein Erlebnis – auch sechs Jahre nach der IGA

35 Seoul kam im Jahr 2003 nach Berlin und besuchte die Stadt und den amtierenden Oberbürgermeister Klaus Wowereit. Daraus entstand die Idee, den „Gärten der Welt“ auch einen Koreanischen Garten hinzuzufügen. Aus Platzgründen können hier nicht alle Gärten erwähnt werden. Aber um sie zu besichtigen, sollte man tunlichst die Seilbahn nutzen, die für die IGA erbaut wurde und noch immer in Betrieb ist. www.gaertenderwelt.de Brücke. Der „Garten des zusammenfliessenden Wassers“ entstand als japanische Variante ebenfalls als Symbol für die Städtepartnerschaft Berlin-Tokio. Es schließt sich der „Garten der drei Harmonien“ an, der seinen Ursprung auf Bali hat. Er ist im so genannten „Warmhaus“, einer 14 Meter hohen Tropenhalle entstanden. Die exotische Anlage wurde von Haas-Architekten entworfen und umgesetzt, wohingegen die fernöstlichen Gärten von Landschaftsarchitekten der jeweiligen Länder angelegt wurden. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Orientalische Garten „Garten der vier Ströme“. Diesen hat der in Berlin ansässige Landschaftsarchitekt Kamel Louafi geplant und von einemGartenhistoriker aus Marokko auf Authentizität prüfen lassen. Auch der Koreanische Garten entstand aus einer Städtepartnerschaft. Der Oberbürgermeister von © Grün Berlin © Grün Berlin © Lichtschwärmer © Grün Berlin © Andy Rumball GARTEN UND LANDSCHAFT

36 von 2012 bis 2016. Soweit die Historie des Landhausgartens. Heute sieht man ihm seine bewegte Geschichte nicht mehr an – ausser dass er nach wie vor den Namen seines Gründers trägt, erinnert fast nichts mehr an die Vergangenheit. Seither können Besucher:innen die herrlichen Gartenanlagen mit der Größe von knapp drei Hektar in aller Ruhe durchwandern. Der Garten ist zu den online abzurufenden Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit zugänglich. Immer wieder laden Bänke zumAusruhen und Verweilen ein, die begehrtesten Plätze befinden sich amWasser, Der Landhhausgarten Fraenkel ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Berliner. Das Gelände wurde im Jahr 1920 von Dr. Max Fraenkel erworben. Die Lage mit dem Blick auf die Pfaueninsel hatte es ihm angetan. Fünf Jahre später beauftragte er den berühmten Gartenarchitekten und Stadtgartendirektor Erwin Barth einen Garten mit unterschiedlichen Landschaftsbereichen anzulegen. Das Entstehen der Anlage dauerte etliche Jahre – unter anderem ließ Barth einen Schmuckgarten mit Mauern und Treppen aus Naturstein anlegen. Ein Teehaus an einem kleinen See und viele blühende Stauden aus dieser Zeit sind heute noch zu sehen. Fraenkel emigrierte 1933 und Barth beging im selben Jahr Suizid. Damit war der Gartenentwicklung ein jähes Ende gesetzt. Die Nazis beschlagnahmten das Gelände und nach dem dem Krieg ging es in den Besitz des Landes Berlin über. Danach verwilderte der Garten viele Jahre lang – erst nach der Wiedervereinigung begann die Rückverwandlung der Anlage nach den alten Plänen von Erwin Barth. Die vorerst letzte Etappe der Sanierung dauerte GARTEN UND LANDSCHAFT VOM LANDHAUSGARTEN ZUM PARK Noch heute trägt das Areal den ursprünglichen Namen Landhausgarten Fraenkel Fotos: Claudia Schwaier

37 handelte es sich umGüter mit Ställen für Pferde, Hühner oder um Obstgärten und Gemüsebeete. An manchen Stellen ist die ursprüngliche Anlage noch zu erkennen. Zum Großteil hat sich der Nutzgarten in einen Park verwandelt – übrigens nicht der einzige, den Erwin Barth in Berlin gestaltet hat, beispielsweise stammen auch der Treptower Park, der Savignyplatz und viele andere aus seiner Feder. www.visitspandau.de an der Havel. Das Gelände erstreckt sich vom Ortsausgang Kladow in Richtung Sacrow. Vom Berliner Stadtzentrum aus erreicht man den Park in einer guten halben Stunde im Südwesten der Hauptstadt. Auch vomWasser aus kann man diese Landschaftsoase von der nahe gelegenen öffentlichen Hafenanlage erreichen. Ein Café darf hier natürlich auch nicht fehlen. Mit Kaffee und Kuchen oder auch etwas Deftigem können sich die müden Spaziergänger:innen hier erholen. Im ehemaligen Stallgebäude befindet sich heute das Besucherzentrummit Informationsmaterial zu Geschichte des Landhausgartens. Zur Entstehungszeit war es für die reichen Städter zur Mode geworden, sich Landhäuser mit riesigen Ländereien dazu erbauen zu lassen. Meist GARTEN UND LANDSCHAFT

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