CUBE Berlin · 02|20

18 Fabrikhallen, die heute nicht mehr vorhanden sind, ihr Geheimarchiv ein, dessen Funktion bis zum Mauerfall erhalten blieb. Auf Initiative des Berliner Architekten Chri- stof Schubert wurde das Gebäude in den letz- ten Jahren denkmalgerecht saniert und in der diesjährigen Architekturausstellung der Berliner Architektenkammer „da!“ der Öffentlichkeit vor- gestellt. Als Bauherr fungierte eine gewerbliche Baugruppe bestehend aus fünf Parteien. Die ge- samte Sanierungs- und Umbauplanung stammt von Christof Schubert und er übernahm auch die Bauleitung während der Bauzeit von 2017 bis Dieses Anwesen ist geschichtlich hoch belastet: Die Villa Heike war ursprünglich Geschäftssitz der Maschinenfabrik Richard Heike. In jüngerer Vergangenheit befand sich hier in Alt-Hohen- schönhausen das berüchtigte Geheimarchiv der Stasi für NS-Akten. Mit allen zusätzlichen Zwi- schenstationen lässt sich das Gebäude durchaus als Zeuge deutscher Geschichte des 20. Jahrhun- derts betrachten. Das als Einzeldenkmal einge- tragene Bauwerk wurde 1910 im Stil eines Art Deco-/Jugendstil-/Historismus-Mixes als frü- her Stahlbetonskelettbau nach Entwürfen des Architekten R. Lotts erbaut. Die Villa war ein multifunktionaler Bautypus, der ursprünglich Büros, die Fabrikantenwohnung und eine Aus- stellungshalle für die Fleischbearbeitungsma- schinen, die in Heikes Fabrik gefertigt wurden, beherbergte. Das Gebäude überstand zwar den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet, wurde aber nach Kriegsende von den Russen konfisziert, zum Quartier des Russischen Geheimdienstes umfunktioniert und im Souterrain wurden sogar Gefängniszellen und Verhörräume ein- gebaut. Erst in den 1960er-Jahren richtete die Staatssicherheit hier und in den angrenzenden BAUKULTUR METAMORPHOSEN EINES BAUDENKMALS Die Villa Heike in Alt-Hohenschönhausen erlebt eine Wiedergeburt Fotos: Enric Duch

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