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Toni-Areal

Das Haus als Stadt, die Stadt als Haus

Im Umbau der ehemaligen Grossmolkerei auf dem Toni-Areal zu einem Standort für Bildung, Kultur... mehr
Im Umbau der ehemaligen Grossmolkerei auf dem Toni-Areal zu einem Standort für Bildung, Kultur und Wohnen verschränken sich zwei aktuelle Entwicklungen. Einerseits entsteht ein neuer Bildungsschwerpunkt innerhalb der in den letzten Jahren massiv umgestalteten Fachhochschullandschaft der Schweiz. Andererseits ist im äusseren Kreis 5 seit längerem ein städtebaulicher Transformationsprozess von einem monofunktionalen Industriequartier zu einem gemischten Stadtteil im Gang, welcher den Charakter der ganzen Stadt mit verändert und prägt.

Das Architekturbüro EM2N fand im Studienauftrag 2005 zum Umbau des Toni-Areals ein Konzept für das Haus, das fast die Grösse eines Quartiers aufweist. Es ging um das produktive Miteinander vielfältiger Nutzungen im Inneren und das Schaffen von positiven Impulsen für den angrenzenden Stadtraum. Der Entwurf schlug vor, der Grösse des Projekts mit einer Art „innerem Urbanismus“ zu begegnen. Die Rampenanlage wurde dabei neu als vertikaler Boulevard interpretiert und zu einer Haupt­erschliessung umfunktioniert. An die Schnittstelle von Hoch- und Flachbau wurde als Gegenstück dazu eine grosse, als öffentlicher Raum konzipierte Eingangshalle gelegt. Verbunden durch eine Abfolge von Hallen, Plätzen, Lufträumen und kaskadenartigen Treppenanlagen entstand eine identitätsstiftende innere Raumfigur, die die vielen unterschiedlichen Nutzungen wie Häuser in der Stadt verortet und als räumlicher Katalysator den internen Austausch ermöglicht. Gleichzeitig strahlt das Haus mit seiner Nutzungsvielfalt nach aussen aus, es wird zum zentralen öffentlichen Ort des neuen Stadtquartiers. Mit dem grosszügigen Dachgarten wird dem Quartier und dem Campus zudem ein Stück Aussenraum zurückgegeben.

Neben städtebaulichen Herausforderungen stellt sich auch auf der architektonischen Ebene vielfältige Fragen, beispielsweise nach dem gestalterischen Umgang mit den extrem divergierenden Massstabsebenen, mit dem Problem der grossen Zahl von sehr spezifischen Nutzungen oder der übergeordneten atmosphärischen Stimmung des hochverdichteten Komplexes. Der produktive Widerstand des bestehenden Industriebauwerks diente den Architekten dabei als ständiger Sparringpartner. Seine performativen und räumlichen Qualitäten leben im neuen Haus direkt oder indirekt weiter, angefangen bei der skulpturalen Gebäudeform mit der gewellten Streckmetallfassade – einer Interpretation der ursprünglichen Trapezblechfassade – über den Betonsockel, der die Topografie der ehemaligen Anlieferungsinfrastrukturen weiterentwickelt, bis hin zu den prägenden horizontalen, vertikalen und diagonalen Raumsequenzen innerhalb des Hauses.

Die industriell geprägte innere Erscheinung mit sichtbar belassenen Installationen speist sich aus der Bildwelt der einstigen Molkerei. Die rohe und direkte Materialisierung der Innenräume ist jedoch kein ästhetischer Selbstzweck, sondern schafft für Studenten und Dozenten einen offenen Handlungsrahmen. Das Toni-Areal soll ein Gebäude zum Anfassen sein, das pragmatisch mit dem konstanten Veränderungsdruck umgehen kann, den ein vitaler Universitätscampus auf seine Räume ausübt. Aneignung, Veränderung und Austausch sind ausdrücklich erwünscht. Um Vielfalt und Abwechslung zu erzeugen, arbeitet die Architektur mit lokal unterschiedlichen Verfeinerungsgraden: meistens roh, ab und zu auch veredelt, mal über-, oft unterdeterminiert. Es entsteht ein breites Angebot an äusserst unterschiedlichen Räumen, von nutzbaren öffentlichen Hallen hin zu intimen Übungsräumen, von der multifunktionellen Werkstatt bis hin zum hochspezialisierten Tonstudio: Das Haus als Stadt, die Stadt als Haus.

www.em2n.ch
Architekten: Architekturbüro EM2N www.em2n.ch mehr

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Architekturbüro EM2N
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