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Zwischen Biedermeier und Natur

Naturdenkmal Nummer 772 prägt Bestand und Zubau in Hietzing

In Wien gibt es eine ganze Reihe Naturdenkmäler. Eines davon steht in Hietzing, im Garten eines... mehr

In Wien gibt es eine ganze Reihe Naturdenkmäler. Eines davon steht in Hietzing, im Garten eines Biedermeierhauses. Die Winterlinde, mit einem Umfang von rund vier Metern, wird unter der Nummer 772 geführt. Wiener Naturdenkmäler, darunter fallen Bäume ebenso wie Felsen, Gewässer oder Flächen für seltene Tier- und Pflanzenarten, unterliegen einem besonderen Schutz, was Baumaßnahmen in ihrer Umgebung vor die eine oder andere Herausforderungen stellt. Pedit & Partner Architekten und Karl Gappmaier hatten es aber nicht nur mit einem Naturdenkmal zu tun, sondern zudem mit einem Biedermeierhaus – in dessen Garten die Winterlinde steht – das in einer Schutzzone liegt. Doppelte Vorsicht, doppelte Behördenabsprachen waren daher Voraussetzung, um das Gelände für ein modernes Wohn- und Geschäftshaus optimal nutzen zu können.

Vor dem Entwurf stand die Untersuchung des Wurzelwerks durch einen Baumexperten. Um den Baum nicht zu schädigen, waren die Ergebnisse für die weitere Vorgehensweise und den Entwurf bestimmend. So ließ der Verlauf der Wurzeln ein Untergeschoss aber keine Tiefgarage zu. „Rücksprünge im Unter- und Erdgeschoss nehmen Rücksicht auf den Wurzelwuchs“, erklärt Architekt Veit Pedit. In einer leichten Biegung legt sich der Baukörper mit einem gewissen Abstand um den Baum. In den oberen Geschossen umspielen Auskragungen und eingeschnittene Terrassen die Baumkrone, schaffen Berührungsräume mit Ästen und Blattwerk. Optisch dringt die Baumkrone in die Innenräume ein, geschickt durch Sichtachsen und Fenster in Szene gesetzt. Natur und Lufträume spielen auch bei der Anbindung des fünfgeschossigen Neubaus an das zur Straße ausgerichtete Bestandsgebäude eine Rolle. So gehört zur gemeinsamen Erschließungszone auch ein Innenhof. Kleinstädtisch-dörflich zeigt sich das niedrigere, zur Straßenseite gelegene Bestandsgebäude aus dem Biedermeier. Sein präg­nantes Tympanon ziert die aus dem Ziegeldach ragende Gaube – ein repräsentativer Auftritt für die im Erdgeschoss und der ersten Etage gelegenen großzügigen, offenen Büro- und Geschäftsräume. Das Vorderhaus wurde innen renoviert und ab dem First nach hinten zum Zubau hin aufgestockt. Es entstand moderner Wohnraum, der vom Charme vergangener Epochen und der Natur geprägt ist.

www.pedit-architekten.at

Fotos:

Christof Gaggl
www.christofgaggl.com

(Erschienen in CUBE Wien 03|19)