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Von Aussicht zu Aussicht

Ein außergewöhnlicher Rückzugsort in vertrauter Umgebung

Es sei dem Zufall zu verdanken, dass er heute mit seiner Familie ein Wochenendhaus genau an dem... mehr

Es sei dem Zufall zu verdanken, dass er heute mit seiner Familie ein Wochenendhaus genau an dem Ort hat, an dem er in seiner Kindheit schon gespielt habe – für den Architekten Robert Diem, der mit seinem Partner Erwin Stättner das Wiener Architekturbüro franz führt, war es fast zu schön, um wahr zu sein, als sein Vater ihn auf das unbebaute Grundstück nordwestlich von Wien aufmerksam machte. „Da meine Familie und ich einen Rückzugsort suchten, an dem wir uns nicht erst groß umstellen und eingewöhnen müssen, konnten wir uns sofort auf die mir so vertraute Gegend einigen“, erzählt Robert Diem.

Doch zunächst waren gute und außergewöhnliche Ideen gefragt, denn: Das Grundstück ist trapezförmig, es grenzt an zwei Straßen und die schönste Aussicht geht ausgerechnet nach Norden. Dass das Ergebnis ein Y-förmiger Baukörper geworden ist, ist ebenso überraschend wie originell. 125 m² erstrecken sich in diesem eingeschossigen, geschlossen gehaltenen Holzbaukörper, dessen drei Stirnseiten wie große Bilderrahmen die Gartenaussicht einrahmen. Da ist es nachvollziehbar, dass der Architekt auf weitere große Fensterflächen verzichtet hat. Stattdessen plante er fünf Lichtkuppeln, die das Zentrum des Hauses mit Tageslicht versorgen, und auf der Westseite – für die tiefstehende Sonne im Winter – so schmale Lichtschlitze, dass sie zwischen den Lärchenholzbrettern nicht auffallen. „Mittlerweile hat das Lärchenholz eine schön verwitterte graue Farbe angenommen und erinnert uns somit an die vielen Heustadl, die es hier in dieser Umgebung gibt“, fügt Robert Diem hinzu. Die klare und durchdachte Erscheinung der Fassade zieht sich im Innern fort: Jede „Röhre“ wird entsprechend ihrer Funktion Wohnen, Essen und Schlafen genutzt und grenzt an eine der Stirnseiten, die als tiefe und breite Loggien dienen. Für die notwendigen Nebenräume und andere Annehmlichkeiten steht mittendrin ein unregelmäßiger, fünfeckiger Kubus frei im Raum: Bad, WC, Abstellraum auf der Seite der Schlafzimmer, die Küche zum Esszimmer und der Kamin zum Wohnzimmer.

Die spürbare Großzügigkeit, die sich durch alle drei „Röhren“ erstreckt, ist auf das einheitliche Material- und Farbkonzept zurückzuführen. Ein geschliffener und hellgrau eingefärbter Bitumen-Terrazzo-Belag, der fugenlos im gesamten Innenbereich und auf den Terrassen ausgeführt wurde sowie weißgestrichene Wände und Decken bestimmen die Räume. Lediglich der Kubus aus Ahornholz mit seinem mintgrünen Küchenausschnitt sorgt an richtiger Stelle für einen farblichen Akzent. Aus der Not heraus kreativ zu werden, ist für einen Architekten zwar alltäglich, aber doch immer wieder auch mal erwähnenswert: Da Robert Diem die Hochwassergefahr noch aus früheren Zeiten kennt, hat er das Fundament 70 cm über der Erde ausgeführt mit dem architektonischen Vorteil, dass das Wochenendhaus leicht erhöht über der Grasfläche zu schweben scheint.

www.franz-architekten.at

Architekten: Architekturbüro franz www.franz-architekten.at Fotos: Lisa Rastl mehr

Architekten:

Architekturbüro franz
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Fotos:

Lisa Rastl