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Tageslicht in fast jedem Raum

Neu sortiert wird ein Hochparterre zum Ort, wo Schmerzen gelindert werden

Der Schwarzenbergplatz gilt als einer der bekanntesten Wiener Plätze. Hier, wo die Innere Stadt... mehr

Der Schwarzenbergplatz gilt als einer der bekanntesten Wiener Plätze. Hier, wo die Innere Stadt auf Landstraße und Wieden trifft, umstehen herrschaftliche Gebäude die verkehrsreichen Straßen. Eines davon ist das Palais Fanto. Es steht etwas zurückversetzt und scheint sich zwischen seinen Nachbarn hindurchschieben zu wollen. Dieser Eindruck verstärkt sich beim Blick aus der Vogelperspektive, wenn die dreieckige Form dieses neoklassizistischen Baus besonders deutlich wird. Im Gewühl der Stadt hingegen sieht es eher so aus, als würde sich das Palais mit seiner gut erhaltenen, eher schlichten Fassade vornehm zurücknehmen. Mit diesen Voraussetzungen passt es gut zum Schmerz- und Therapiezentrum Trinicum, das aufgrund seines Wachstums neue Räumlichkeiten brauchte. Die fanden die mittlerweile mehr als zwanzig ÄrztInnen und TherapeutInnen im Hochparterre des 1917 errichteten Gebäudes.

Doch bevor die ersten Behandlungen durchgeführt werden konnten, musste das mit der Ausführung und Planung beauftragte Architekturbüro Malek Herbst die vorhandene Kleinteiligkeit auflösen und die Räume vom Ballast der Einbauten der 1980er-Jahre befreien. „Wir haben den heterogenen Bestand radikal entkernt und dabei die Träger der historischen Skelettkon­struktion freigelegt, die mit ihrer beinahe skulpturalen Präsenz starke Akzente in dem sonst bewusst zurückhaltend gestalteten Ambiente setzen“, so Georg Herbst. Übrig blieb nach der Entkernung nur die historische Skelettstruktur mit ihren tragenden Pfeilern. Die neue Raumaufteilung sah vor, jedem der Behandlungs- und Trainingsräume natürliches Licht zukommen zu lassen. Ein Ansatz, dessen Umsetzung durch die Dreiecksform des Gebäudes begünstigt wurde. Zumal das Palais frei steht und gleich von drei Straßen umgeben ist. Letztlich gibt es in der gesamten Etage nur wenige gänzlich fensterlose Räume, die meist für kleinere Sanitär- und Nebenräume genutzt werden.


Die Gestaltung der Praxisräume überrascht mit einem zurückhaltenden, schlichten Stil, der durch den Charakter der verwendeten Materialien geprägt wird. Natürlicher Stein, wie der graue Marmor im Stiegenhaus, wird durch Eichenholz ergänzt, das für Böden und Türen verwendet wurde. Auch der Empfangstresen und andere Einbauten, wie die Unterkonstruktion der Sitzbänke, wurden aus diesem Holz gefertigt. Bezogen sind die eigens für dieses Projekt entworfenen Sitzbänke und Sitzkojen mit hellem, braunem Leder. Die gesamte Farbpalette begrenzt sich damit auf Nuancen von Grau, Braun und Weiß. Dadurch entfaltet sich eine ruhige Atmosphäre in den Räumen, die Mitarbeitende und Hilfe suchende SchmerzpatientInnen gleichermaßen umgibt. Eine Atmosphäre, die nicht unwesentlich zum Behandlungserfolg beitragen wird.

www.malekherbst.com

Fotos:

Lukas Schaller
www.lukasschaller.at

(Erschienen in CUBE Wien 02|22)