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Sofiensäle

Ein Wiener Baujuwel im Wandel der Zeit

Als Franz Morawetz 1838 das Sophienbad feierlich eröffnete, konnte er wohl kaum die bewegte... mehr
Als Franz Morawetz 1838 das Sophienbad feierlich eröffnete, konnte er wohl kaum die bewegte Geschichte dieses Gebäudekomplexes erahnen. Errichten ließ er die heilende Badeanstalt, die damals für Wien eine Novität war, nach Plänen von Peter Livorius Gerl. Sophie, Mutter von Kaiser Franz Joseph I., verlieh ihr den kaiserlichen Namen. Das Geschäft florierte, und so expandierte Morawetz mit einer von den Architekten August van der Nüll und Sicard von Sicardsburg 1846 geplanten Schwimmhalle, die in den Wintermonaten zu einem Ballsaal umfunktioniert wurde. Johann Stauss‘ Vater dirigierte den Eröffnungsball, sein Sohn Johann durfte in den folgenden Jahren rund 100 Werke in diesen ehrwürdigen Räumlichkeiten uraufführen. Aufgrund der hervorragenden Akkustik entstanden hier sehr viel später zahlreiche Tonaufnahmen von Opern und Symphonien mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von namhaften Dirigenten wir Herbert von Karajan oder Leonard Bernstein.

Einige Jahre nach dem Tod von Franz Morawetz wurde im Zuge der Fassadenneugestaltung die gedeckte Vorfahrt dem Verkehr geopfert und die Nutzung der Sofiensäle war fortan einem Wandel unterworfen. Als Mehrzweckgebäude wurden die Räumlichkeiten für Sport- und Verkaufsveranstaltungen oder Vorträge genutzt. Während des ersten Weltkriegs dienten sie als Notlazarett für die Verwundeten des k.u.k. Infanterie-Regiments. Die weitere Geschichte der Sofiensäle ist weniger rühmlich.

Hier wurde die österreichische NSDAP gegründet, in der Reichskristallnacht wurde das Gebäude zur Sammelstelle für festgenommene jüdische Mitbürger, und sie entwickelten sich zu einem bevorzugten Ort nationalsozialistischer Massenveranstaltungen.

1948 jedoch konnte nach einer umfassenden Restaurierung die Wiener Ballsaison wieder beginnen und bald wurden die Hallen mit den Klängen nationaler und internationaler Rock- Jazz und Pop-Bands wie Falco, Drahdiwaberl, Kraftwerk, Dave Brubeck oder Randy Newman gefüllt. An legendäre Clubbings und Events in den 90er-Jahren erinnern sich wohl viele Besucher noch heute gerne. Der verheerende Brand 2001 bereitete dem Vergnügen aber ein jähes Ende.
Nach zehn Jahren Dornröschenschlaf begann die Neuerrichtung des denkmalgeschützten Gebäudes. Heute erstrahlt der originalgetreu wieder hergestellte Festsaal, 68 Wohnungen wurden teils gefördert, teils frei finanziert errichtet, das Boutique-Hotel Ruby, das auf „Lean Luxury“ setzt und dessen Gäste online zu Hause sind, öffnete seine Pforten. ‚The Room’ vereint Restaurant und Bar und sorgt von früh bis spät für kulinarische Klassiker. Und ab Mitte Februar ist mit John Harris nun auch für Fitness gesorgt.

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