Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

Design als poetische Disziplin

Im Spannungsfeld zwischen Archaik & High-Tech sowie Lebensqualität & Ökobilanz

Möbel-, Produkt- und Shop-Design, nicht nur im Blickwinkel von Ästhetik und Funktion, sondern... mehr

Möbel-, Produkt- und Shop-Design, nicht nur im Blickwinkel von Ästhetik und Funktion, sondern vor allem mit dem Anspruch auf Verbesserung des Lebensraums und positive Ökobilanz. Das ist das Ziel des erfolgreichen Trios. Ihre beachtliche Kundenliste erstreckt sich von Adidas und Alessi über Bulthaup, Duravit und MatteoGrassi bis hin zu Knoll und Zumtobel. 15 technische Patente sind eingetragen und über 130 internationale Auszeichnungen darf sich Eoos freuen. Dennoch bleiben Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gründl mit beiden Beinen fest am Boden und agieren sozial engagiert.

Zu 20 Jahren Eoos gratulierte das MAK mit einer Einzelausstellung im Design-Labor. Museale Materialräume wurden dort in lebensnahe, alltägliche Themenbereiche verwandelt. Objekte aus der Welt des Kochens, Wohnens und Produzierens zeigten sich entdramatisiert und greifbar wie in einem Supermarkt. Mittendrin auf der „Insel der alternativen Produktion“ die „Blue Diversion Toilet“, eine mobile Toilette, die weder Wasser- noch Kanalanschluss oder Strom braucht. Dank Bill Gates kann dieses Designobjekt, das 2014 im internationalen Pavillon der Architekturbiennale Venedig stand, bald zukunftsweisendes Statussymbol in unterprivilegierten Regionen sein. Für ihren Architektur-Biennale-Beitrag im Rahmen von „Orte für Menschen“ verlagerten sie in den letzten Wochen und Monaten ihr Studio kurzerhand nach Erdberg, wo sie mit ihrer seit mehr als 20 Jahren bewährten poetischen Analyse-/Recherchestrategie, Maßnahmen und Ideen entwickeln, die binnen kürzester Zeit eine Veränderung der Lebensbedingungen für 600 dort längerfristig untergebrachte Zufluchtsuchende bewirken sollen. Nicht nur aufgrund der baulichen Voraussetzungen eine Herausforderung, sondern auch angesichts der Kontroverse zwischen herrschender Blaulichtstrategie in Form von Feldbetten und Zäunen auf der einen und angestrebter Menschlichkeit auf der anderen Seite. Laborgedanke und Service-Design stehen hier an erster Stelle. Nicht das fix fertige Produkt ist Antrieb, sondern das Projekt als Testfeld und offener Prozess sowie das Schaffen immaterieller Voraussetzungen für eine Integration der Flüchtlinge. „Die multikulturelle Dimension ist für uns immer gegeben, aber in der aktuellen Situation schenken wir ihr natürlich besondere Beachtung. Wir achten jedenfalls sehr genau auf alle Phänomene, die nicht materialisiert sind. Wichtig ist im Kontext der Flüchtlingsbetreuung auch das ‚Service-Design‘“, beschreibt Harald Gründl die Herangehensweise. Das Resultat, das in ständigem Austausch mit NGOs und Betroffenen entstand, sind Gemeinschaftsräume und Begegnungszonen, die von Eoos konzipiert und möbliert wurden. Der Schwerpunkt lag hier nicht allein auf der Hardware in Form von Möblierung, sondern auch in der Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten, die in der Folge den Weg für eine hauseigene Gemeinschaftsökonomie mit einer eigens entwickelten App ebnen. Die für das Projekt entwickelte Möbelkollektion „Social Furniture“ mit ihren insgesamt 18 Elementen aus den Bereichen Leben, Arbeiten und Kochen wird als Katalog mit Anleitungen zum Bau publiziert und soll so über das Projekt hinaus wirken. Dokumentiert und präsentiert wird das Eoos Projekt gemeinsam mit den Projekten von Caramel Architekten und the next Enterprise architects im Österreich Pavillon der 15. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia.

www.eoos.com

Designer: Eoos www.eoos.com mehr