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Artemide

Mit großer Puste zur skulpturalen Glaskunst

Glas ist eine amorphe Substanz, thermodynamisch gesehen eine gefrorene, unterkühlte Flüssigkeit.... mehr

Glas ist eine amorphe Substanz, thermodynamisch gesehen eine gefrorene, unterkühlte Flüssigkeit. Aber der magische Moment, der sich einstellt, wenn bei gut 600° Celsius das Material langsam weich wird und sich verformen lässt, ist schlicht faszinierend. Der Glasbläser hat seinen Blick auf der rauschenden Flamme und dem Bolus, welchen er vor sich langsam dreht, wendet und durch kräftiges Blasen zu einer Form gestaltet. Fingerspitzengefühl mit einer gehörigen Portion Lungenkraft ist von Nöten. Im 17. Jahrhundert hatten die Italiener diese Technik schon zur Meisterschaft entwickelt.

Es ist unter anderem ein italienisches Unternehmen, welches diese Tradition aufrecht erhält. Bereits 1967 entwarf der Industriedesigner und Architekt Angelo Mangiarotti für den Leuchtenhersteller Artemide die Lampen Lesbo und Saffo, die aus mundgeblasenen Murano-Glas und poliertem Metall hergestellt wurden. Sieben Jahre zuvor startete er im „Studio Artemide“ die Mission – gut gestaltetes Licht mit Handwerkskunst zu verbinden. Heute ist Artemide ein weltweit agierendes Unternehmen. Das Geheimnis des Erfolgs sieht Steffen Salinger, Geschäftsführer der Artemide Group vor allem darin, dass die Manufakturbasis erhalten wurde. „Wir verbinden die Leidenschaft für Licht und das Streben nach neuen Dingen. Licht ist für uns eine Kultur“, verrät Salinger. Damit meint er in erster Linie die Philosophie des Unternehmens. „Human and Responsible Light“ verbindet sich mit Design- und Materialkompetenz zu einer Kombination von modernster Technologie und altem Wissen, welches nachhaltiges Design perfekt zum Ausdruck bringt.
Das Verhalten verschiedener Glassorten und chemischen Substanzen in der Flamme will sorgfältig erprobt sein. Oft sind lange Versuchsreihen nötig, ehe das gewünschte Resultat erreicht ist. Dies beweist die Kollektion „Glass Tech“, eine Vereinigung von LED-Technologie und langjähriger Glasbläsertradition. Diese Produktreihe verbindet die Besonderheiten der Handwerkstechnik mit der Innovation der Optoelektronik. Die Bearbeitungsvarianten sind hierbei vielfältig. Filigrana ist beispielsweise eine aus dem sechzehnten Jahrhundert stammende Möglichkeit, bei der dünne kristalline Stäbchen entlang der gesamten Glasfläche auf die leicht geblasenen Masse aufgedreht werden. Anschließend wird durch weiteres Blasen die Boluswand dünner und das Gewebe der Feinarbeiten zunehmend leichter und filigraner.

Beim Vorgang „Rigadin“ erhält die Oberfläche des Glases die typische Beschaffenheit paralleler Sicken durch das Eintauchen des Bolus in eine Form „stampo a lame“. Dadurch prägen sich Rippen, die sich beim Blasen vergrößern und die Textur definieren. Einen skulpturalen Effekt wird mit der Lampe Reverso Strip geschaffen, denn im mundgeblasenen Glas erzeugen Mole zusätzliche Gravuren. Zudem kann der Glaskörper auch kopfüber aufgehangen werden, was die Wahrnehmung des Raumes im Handumdrehen einer optischen Änderung unterzieht.

Nach Betrachtung der gesamten Glaskollektion kommt man schnell zu dem Schluss, dass die Glasbläserkunst in ihrer vielfältigen Art der Anwendung eine der ästhetischen Vertreterinnen im Handwerk ist. Die Kunst des Filigranen vervollkommnet die Schönheit des Materials und birgt einen lebenslangen Zeitwert.

Fotos: Artemide www.artemide.de mehr